Bevölkerung Jugend-Exodus sorgt für Schrumpf-Norden

Bayern boomt, der Norden schrumpft. Seit der Wiedervereinigung sind netto fast 700.000 Bürger aus anderen Bundesländern in den Süden gezogen - zumeist aus den nördlichen Regionen der Republik. Besonders dramatisch: Vor allem junge Menschen verlassen ihre Heimat.

München: Die bayerische Landeshauptstadt wächst und wächst
DPA

München: Die bayerische Landeshauptstadt wächst und wächst


Berlin - Wie viele Menschen leben in Deutschland? Diese Frage soll im Rahmen des Zensus geklärt werden. Offenbar wohnen aber über eine Million Menschen weniger in der Bundesrepublik als bislang angenommen. So sehr Unklarheit über die Bevölkerungszahl insgesamt herrscht - offensichtlich ist, dass es innerhalb Deutschlands eine starke Wanderungsbewegung gibt. Und diese folgt fast immer dem Prinzip "Vom Norden in den Süden".

Viele Bundesländer haben einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge in den vergangenen Jahren erhebliche Abwanderungen zu beklagen. Von diesen innerdeutschen Verschiebungen profitiere vor allem Süddeutschland, schreibt die Zeitung unter Berufung auf aktuelle Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsentwicklung (BIB).

Demnach zog allein Bayern seit der Wiedervereinigung im Saldo 670.000 Bewohner aus anderen Teilen Deutschlands an. Niedersachsen verlor hingegen im gleichen Zeitraum fast eine halbe Million Menschen. Berlin registrierte einen Wanderungsverlust von fast 100.000 Personen. Auch Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Bremen verloren Teile ihrer Bevölkerung.

Bayern-Boom geht weiter

Es seien vor allem junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, die der Heimat den Rücken kehrten, um in einem anderen Bundesland einen Arbeitsplatz anzunehmen oder eine Ausbildung anzufangen, sagte BIB-Forscher Stephan Kühntopf.

Der Chef des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, spricht von einem "demografischen Klau", der für die Zu- und Abwanderungsregionen gravierende Folgen habe. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels und der schrumpfenden Bevölkerung sei Zuwanderung die einzige Möglichkeit, den künftigen Wohlstand zu halten.

Für Bayern prognostizieren die Experten bis 2030 eine anhaltend starke Zuwanderung. Profitieren würden aber auch andere Bundesländer im Süden, die so ihre Bevölkerung im Gegensatz zum Rest der Republik weitgehend stabil halten könnten.

böl/dpa

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insgesamt 294 Beiträge
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manometer 30.04.2011
1. Alternative
Es gibt seit vielen Jahren den Vorschlag, die regionale Mittelzuweisung nicht nur quantitativ nach Bevölkerungszahl zu bemessen, sondern auch qualitative Parameter anzuwenden. Natürlich bleibt dieser Denkanstoss folgenlos, weil ...
blacksky 30.04.2011
2. Als Ingenieur kann ich davon ein Lied singen
Im Norden zahlen die Firmen nur Hungerlöhne und brauchen zu lange um Bewerber zu Rekrutieren. Da sind die im Süden fixer und zahlen auch wesentlich besser und geben einem nicht das Gefühl man sei nur Bittsteller...
tlogor 30.04.2011
3. Bevölkerungsdichte
Vielleicht sollte auch die zu erwartende Bevölkerungsdichte bei der Suche nach einem Endlager berücksichtigt werden. Dass ein Endlager 100 000 Jahre dicht hält halte ich ohnehin für unwahrscheinlich.
immigrantin 30.04.2011
4. Ja und?
Und im Norden sollen Naturschutzgebiete entstehen und die Windkraftanlagenparks gebaut werden. Ist doch keine schlechte Entwicklung.
weißbrot 30.04.2011
5. .
Zitat von sysopBayern boomt, der Norden schrumpft. Seit der Wiedervereinigung*sind netto fast 700.000 Bürger aus anderen Bundesländern in den*Süden gezogen -*zumeist aus den nördlichen*Regionen der Republik.*Besonders dramatisch: Vor allem junge Menschen*verlassen ihre Heimat. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,759907,00.html
Was ja auch kein Wunder ist, wenn in Teilen Bayerns Vollbeschäftigung herrscht. Z.B. Lankreis Freising (30km nördlich von München) ist die offizielle Quote bei 2,1%. Dort gibt es auch kaum prekäre Beschäftigungsverhältnisse, weil der Arbeitnehmer hier einen längeren Hebel hat, als der Arbeitnehmer in Meck-Pomm.
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