Millionenstrafen für Brauereien Die wichtigsten Fakten über das illegale Bierkartell

Krombacher, Bitburger, Warsteiner: Große Brauerei-Konzerne müssen Millionen-Bußgelder wegen illegaler Preisabsprachen zahlen. Welcher Schaden für Verbraucher ist entstanden? Warum kommt Beck's-Hersteller Anheuser-Busch glimpflich davon? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Flaschen der größten Biermarken: Absprachen im Hinterzimmer
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Flaschen der größten Biermarken: Absprachen im Hinterzimmer


Berlin - Foulspiel der Branchenriesen: Mit illegalen Absprachen haben deutsche Bierbrauer die Preise nach oben getrieben - zum Nachteil von Lebensmittelhändlern, Getränkemärkten und Verbrauchern. Es ist das größte Kartell der deutschen Biergeschichte, die Liste der Missetäter liest sich wie das Who's Who der Branche: Bitburger und Krombacher gehören ebenso dazu wie Veltins, Warsteiner oder die Privatbrauerei Ernst Barre. Auch Anheuser-Busch InBev Germany mischte mit - weil der Beck's-Hersteller den Wettbewerbshütern aber den entscheidenden Tipp gab, kommt er straffrei davon.

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen über das Bierkartell:

Wie kam das Kartell zustande?

Laut Aussage von Veltins-Manager Volker Kuhl liefen die verbotenen Absprachen bereits seit etlichen Jahren. Anlass für offizielle Treffen gab es genug - Branchentreffen, Messen oder gemeinsame Diskussionsrunden. Die Zusammenkünfte nutzten die Premiumhersteller regelmäßig, um beim anschließenden Abendessen oder in Hinterzimmern Preiserhöhungen auszuhandeln. "Durch unsere Ermittlungen konnten wir Absprachen zwischen Brauereien nachweisen, die überwiegend auf rein persönlichen und telefonischen Kontakten beruhten", erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Die Ergebnisse dieser Runden wurden dann an die mittleren und kleineren Bierproduzenten weitergegeben. Anders als in anderen Kartellverfahren konnten die Wettbewerbshüter diesmal Manager der obersten Führungsebene der großen Brauereien dingfest machen. "Häufig erfolgen solche illegalen Absprachen auf der mittleren Ebene", sagt Kartellamtssprecher Kay Weidner.

Wer war beteiligt?

Drahtzieher des Bierkartells waren die Branchenführer, die gemeinsam rund 50 Prozent des Marktes beherrschen: Krombacher, Warsteiner, Bitburger (König Pilsener, Wernesgrüner und Köstritzer), sowie Anheuser-Busch InBev (Beck's, Hasseröder, Franziskaner) und Carlsberg (Holsten, Lübzer).

Die Ermittlungen gegen zwei weitere Brauereikonzerne seien noch nicht abgeschlossen, fügte das Kartellamt hinzu. Gleiches gelte für vier regionale Brauereien aus Nordrhein-Westfalen sowie den entsprechenden Regionalverband. Die Ermittlungen waren im März vergangenen Jahres bekannt geworden, damals hatten die Brauereien Krombacher und Warsteiner bestätigt, dass sie von der Untersuchung betroffen sind.

Wie hoch ist der Schaden für die Verbraucher?

Den Recherchen des Kartellamts zufolge haben die Brauer in den Jahren 2006 bis 2008 Aufschläge in der Größenordnung von jeweils fünf bis sieben Euro pro Hektoliter abgesprochen. "Für Flaschenbier wurde in 2008 eine Preiserhöhung abgesprochen, die zu einer Verteuerung des 20-Flaschen-Kastens von einem Euro führen sollte", heißt es in der Pressemitteilung des Kartellamts. Exakt lasse sich der Gesamtschaden allerdings nicht beziffern, betont Sprecher Weidner. Denn der Endpreis für einen Kasten Bier werde von jedem einzelnen Händler kalkuliert.

Wie hoch sind die Strafen, die die Brauer zahlen müssen?

Insgesamt verhängte das Bundeskartellamt Bußgelder in Höhe von 106,5 Millionen Euro. Wie viel die Brauereien im Einzelnen zu bezahlen haben, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass Anheuser-Busch InBev als Kronzeuge ohne Geldbuße davonkommt. Bitburger, Krombacher, Veltins und Warsteiner hätten bei der Aufklärung kooperiert, sagte Weidner. Die vier Brauereien hätten - je nachdem, wie intensiv sie zum Fortschritt der Ermittlungen beigetragen hätten - einen Strafrabatt von bis zu 50 Prozent erhalten.

Das Bußgeld trifft die Brauer dennoch hart. "Sie nehmen uns den Ertrag von ein bis zwei Jahren", sagte ein Insider. Allerdings liegen die Bußgelder noch deutlich unter der Höchstgrenze: Nach den Bußgeldleitlinien des Kartellamts wären bis zu zehn Prozent der Jahresumsätze der betroffenen Brauereien möglich gewesen. In der Branche waren deshalb zunächst sogar noch höhere Strafen von mehr als 200 Millionen Euro für möglich gehalten worden.

Mit Material von dpa



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insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
Dr. Akula 13.01.2014
1. Jaja
Zitat von sysopDPAKrombacher, Bitburger, Warsteiner: Große Brauerei-Konzerne müssen Millionen-Bußgelder wegen illegaler Preisabsprachen zahlen. Welcher Schaden für Verbraucher ist entstanden? Warum kommt Becks-Hersteller Anheuser-Busch glimpflich davon? Antworten auf die wichtigsten Fragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bierbrauer-affaere-die-wichtigsten-fakten-ueber-das-preiskartell-a-943254.html
Das ist halt das erhrliche Unternehmertum - es lebe die Marktwirtschaft
braintainment 13.01.2014
2. Dr.
Da lob ich mir doch Oettinger! Kein Werbeschnickschnack, direkte Belieferung, seit Jahren nahezu konstanter Preis. Gut, über Geschmack lässt sich streiten, aber bei zahlreichen privaten Blindverköstigungen hat Oettinger Export gar nicht schlecht abgeschnitten.
semper-idem 13.01.2014
3. Der Biertrinker ist der Geschädigte
Also Bierpreis reduzieren, statt Bußgeld dem Staat zur Verplemperung überlassen.
chupamela 13.01.2014
4.
Ich kann jedem nur raten, sein Bier selbst zu brauen. Das ist viel einfacher, als man denkt, nur wenn das Leitungswasser zu hart ist, wird es ein wenig tricky. Selbstgebrautes Bier schmeckt um ein Vielfaches aromatischer als Industriebrühe und man kann auch mal über den deutschen Tellerrand schauen und so schöne Sachen wie ein IPA brauen. Außerdem ist daws ein sehr schönes und Produktives Hobby, das nicht viel Geld kostet. Die vielgelobten kleinen deutschen Brauereien brauen leider oft auch nichts anderes als Helles, Weizen und Pils, leider. Wer Fernsehbiere kauft ist selber schuld.
jonathandoe 13.01.2014
5.
Beim Bier kann man also persönliche Absprachen nachweisen und bei den Ölmultis nicht?!?
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