Bilderberg Die klandestine Konferenz

130 mächtige Menschen aus 20 Ländern diskutieren in den kommenden Tagen in Dresden über die Weltpolitik. Einzig: Nach außen wird von der Bilderberg-Konferenz fast nichts dringen.

DPA

Es ist ein umstrittenes Treffen der Elite. Zeitpunkt, Ort, Teilnehmer und Themen - mehr wird über die Bilderberg-Konferenz nicht veröffentlicht.

Und so ist zur diesjährigen Zusammenkunft nur so viel bekannt: Von Donnerstag bis Sonntag beraten sich eingeladene Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien im Dresdner Luxushotel Taschenbergpalais. Auf der Gästeliste stehen unter anderem die Bundesminister Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen sowie Deutsche-Bank-Chef John Cyran und US-Senator Lindsey Graham.

Insgesamt haben sich 130 Menschen aus 20 Ländern angekündigt. Auch eine Liste mit Themen wurde im Vorfeld veröffentlicht, allerdings sind diese sehr allgemein gehalten: Außer China, dem Nahen Osten und Russland stehen aktuelle Ereignisse, die politische Landschaft in den USA und technologische Innovationen auf dem Plan. Interessant dürfte der neunte Punkt sein: Prekariat und Mittelklasse.

Geheimniskrämerei und Verschwörungstheorien

Was genau wer auf der Konferenz sagt, bleibt ein Geheimnis. Auf dem Treffen gilt die sogenannte Chatham House Rule. Demnach kann allgemein über Gespräche berichtet werden, es dürfen aber keine Namen genannt werden. Auch auf dem Protokoll, das die Teilnehmer früher immer nach der Konferenz zugeschickt bekamen, fanden sich Zusammenfassungen ohne Namen der Redner.

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin - der selbst 2012 an dem Treffen teilgenommen hat und dafür heftig kritisiert wurde - wirft den Organisatoren "unnötige Geheimniskrämerei" vor. "Im Kern ist es eine Konferenz, die sich in der Substanz, in der Qualität und Quantität der Anwesenden nicht von der Münchner Sicherheitskonferenz unterscheidet", sagte Trittin.

"Je weniger über bestimmte Ereignisse kommuniziert wird oder Informationen darüber vorliegen, desto mehr neigen die Menschen dazu anzunehmen, dass es da um irgendetwas Geheimes geht, was sie nicht wissen sollen", sagt Eva Kimminich. Die 59 Jahre alte Professorin lehrt Kulturwissenschaften an der Universität Potsdam und beschäftigt sich mit dem Entstehen von Verschwörungstheorien, die derzeit Konjunktur haben. "Und bei dieser hier geht es ja darum, dass ein paar Mächtige über die weitere Zukunft entscheiden."

Auch in der Bevölkerung gibt es Widerstand gegen das Treffen in Dresden. So haben denn auch von der "Roten Fahne" bis zur rechtsextremen NPD zahlreiche Parteien, Gruppen und Einzelpersonen knapp zwei Dutzend Protestkundgebungen gegen die Dresdner Konferenz angekündigt. Auffallend: Das Engagement rechter Gruppen. Auch die AfD und Pegida rufen zu Aktionen auf.

In einem Sicherheitsbereich verbot die Stadt deshalb alle Versammlungen mit mehr als 15 Teilnehmern. Die Polizei ist täglich mit etwa 400 Beamten im Einsatz, um die Bilderberg-Konferenz abzusichern.

brk/dpa



insgesamt 43 Beiträge
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globaluser 09.06.2016
1. Hoffentlich
bezahlen die auch die Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen, werden ja jedem FB-Heini auch in Rechnung gestellt, wenn aus einer privaten eine öffentliche Feier (zumindest, wird mit einer Rechnung gedroht)
Le Commissaire 09.06.2016
2.
Ist es jetzt verboten, sich zu einer Konferenz zu treffen und darüber nicht detailliert zu berichten? Gerade in Deutschland, wo der Datenschutzwahn besondere Blüten treibt, müssten solche Treffen doch begrüßt werden. Jedenfalls ist es schön zu sehen, wie einig sich Links- und Rechtsextreme aber auch AfD und die LINKE wieder einmal sind.
Tikal69 09.06.2016
3. aha
Schön, dass wir von unseren Steuergeldern für die Sicherheit und Abgeschiedenheit unserer Eliten aufkommen dürfen. Warum haben sie sich nicht gleich auf irgendeiner abgeschiedenen Insel im Nirgendwo getroffen
derhey 09.06.2016
4.
Zitat von globaluserbezahlen die auch die Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen, werden ja jedem FB-Heini auch in Rechnung gestellt, wenn aus einer privaten eine öffentliche Feier (zumindest, wird mit einer Rechnung gedroht)
Tja, wäre doch mal eine Sache für den Rechnungshof oder eine parlamentarische Anfrage beim Landtag in Sachsen. Könnte Spon da mal dran bleiben?
politikus_ii 09.06.2016
5. 130 Menschen, die sich für mächtig halten
Richtig ist "130 Menschen, die sich für mächtig halten". Diese Menschen bilden sich nur ein, etwas zu lenken oder etwas zu bewirken. Aber in Wirklichkeit reagieren sie nur hilf- und machtlos auf Entwicklungen, die sie weder verstehen noch beeinflussen können.
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