Befragung in 130 Kommunen: Von der Leyens Bildungspaket wirkt kaum

Es war das Prestigeprojekt von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: Doch zwei Jahre nach seinem Start erweist sich das Bildungspaket für Kinder und Jugendliche in großen Teilen als Flop. Laut einer Umfrage werden mit dem Paket kaum zusätzliche Leistungen geschaffen.

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Arbeitsministerin von der Leyen: Das Paket kommt kaum an

Berlin - Soziale Einrichtungen stellen dem 2011 gestarteten Bildungspaket von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein schlechtes Zeugnis aus. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" kommen die geplanten zusätzlichen Leistungen bei vielen Familien nicht an.

Die Zeitung beruft sich auf eine bundesweite Umfrage des Paritätischen Wohlfahrtsverbands bei 180 sozialen Einrichtungen in 130 Kommunen. Dabei gab nur ein knappes Drittel der Befragten an, dass mit der staatlichen Hilfe zusätzliche Angebote finanziert wurden. Mehr als 70 Prozent sehen in dem komplizierten Antragsverfahren das größte Problem beim Umsetzen der Leistungen.

Das Bildungs- und Teilhabepaket für rund 2,5 Millionen bedürftige Kinder und Jugendliche war zum 1. April 2011 im Zuge der Hartz-IV-Reform gestartet worden. Es soll Kindern von Langzeitarbeitslosen, Niedrigverdienern und Wohngeldempfängern etwa die Teilnahme an Schulmittagessen, Lernförderung und Klassenfahrten ermöglichen. Außerdem können sie einen monatlichen Zuschuss von zehn Euro für den Sportverein oder die Musikschule bekommen. Die vom Wohlfahrtsverband befragten Kindertagesstätten, Sozial- und Familienberatungsstellen sowie Anbieter in der offenen Jugendarbeit bewerten das Bildungspaket jedoch sehr kritisch.

An dem Auseinanderklaffen von armen und reichen Stadtteilen und Regionen habe sich nichts geändert, heißt es laut dem Bericht in der Auswertung der Umfrage. Dort, wo es schon wenig Angebote gab, ,,könnten die Praktiker vor Ort keine positive Wirkung feststellen''. Die Leistungen, die die Kinder am häufigsten nutzen, hätten größtenteils schon früher bestanden, ,,ihre Abwicklung ist indes deutlich komplizierter geworden''.

Als Beispiel nennt der Verband laut Zeitung das Mittagessen. Hier seien Eltern durch die Eigenbeteiligung von einem Euro für ein vorher kostenloses Mittagessen sogar ,,schlechter gestellt worden''. Außerdem bestehe für finanzschwache Kommunen der Anreiz, eigene Angebote für die Hilfeempfänger abzuschaffen.

Den Zuschuss von zehn Euro für Musik- oder Sportangebote halten die sozialen Einrichtungen für zu gering. Am kulturellen Leben teilzunehmen, bleibe damit ,,für viele unerreichbar'', heißt es in der Analyse. Auch die Nachhilfe sei falsch konzipiert, weil sie nur bezahlt wird, wenn das Sitzenbleiben droht. Dies führe in der Praxis zu paradoxen Situationen, etwa wenn Nachhilfe nicht mehr finanziert wird, wenn die Noten für eine Versetzung reichen.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, hält das Bildungspaket deshalb für gescheitert. ,,Besonders die Musik- und Sportgutscheine entpuppen sich als reine Luftnummer'', sagte er der Zeitung. Das Bildungspaket sei das ,,wohl lebensfernste, was die Arbeitsministerin auf den Weg gebracht hat''.

stk

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insgesamt 47 Beiträge
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1. leute, leute
ismus 14.03.2013
regt euch ab. alles, was vdl macht, sind pr blasen in eigener sache. das war immer so & wird immer so sein.
2. optional
uezegei 14.03.2013
Man konnte doch "daran fühlen", was die echte Intention hinter der ganzen Aktion war, nämlich die gleiche, die hinter allem steckt, was diese "Regierung" bisher "geleistet" hat: Schlechterstellung des kleinen Mannes, Einsparungen bei den Armen, Verschiebung des Geldes nach oben.
3. Das Gegenteil von gut....
kenterziege 14.03.2013
....ist gut gemeint! Das Programm orientierte sich einfach an den Lebensgewohnheiten der Bürgergesellschaft. Natürlich kann der Sozialstaat alles regeln - aber er macht es immer mit wahnsinnigem bürokratischen Aufwand. Ich betreue gerade einen mit Demenz im Altersheim sitzenden Onkel. Gott sei Dank ist er wohlhabend. Alls ehemaliger Landesbeamter hat er viele "Zuschüsse" zu seinem Aufenthalt zu erwarte. Ich Kämpfe mich also durch Formulare, Anträge , Bestimmungen und einen sehr langen Schriftwechsel. Das Versorgungsamt ist völlig überlastet. Telefonische Auskünfte sind kaum zu bekommen. Ich bin Dipl.Wirtsch.-Ing. Und kann mich über das Internet in alles einarbeite. Wenn ich aber nun bedenke, wie eine vielleicht nicht gerade hochgebildete Mutter von zwei Kindern sich durch so einen Antragswust arbeiten soll, um ein paar € für die Kids rauszuholen...Dann hätte genau diese Mutter auch einen Arbeitsplatz. Wenn es nicht der schreckliche ideologische Hintergrund gewesen wäre: Da waren die Kinder in der Hitlerjugend und bei den jungen Pionieren besser aufgehoben! Bei uns hat man lange Bestechungsgelder als Unvermeidbare Betriebsazsgabe anerkannt aber Vereinen vor Ort, die sich um Jugendarbeit kümmern kaum etwas gegeben. Leute die in einem Verein Jugendarbeit leisten, haben bei mir den allergrößten Respekt. Da wird mehr gemacht, als Kinder an einem Flöten-Kurs teilnehmen lassen. bürgerliche Bildungsideale passen nur schlecht auf die Unterschicht. Leider kommt es immer noch darauf an, wer und was von einem die Eltern sind.
4.
Reiner_Habitus 14.03.2013
Zitat von sysopEs war das Prestigeprojekt von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: Doch zwei Jahre nach seinem Start erweist sich das Bildungspaket für Kinder und Jugendliche in großen Teilen als Flop. Laut einer Umfrage werden mit dem Paket kaum zusätzliche Leistungen geschaffen. Bildungspaket von Ursula von der Leyen wirkt kaum - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bildungspaket-von-ursula-von-der-leyen-wirkt-kaum-a-888769.html)
Tja, da hätte sie mal lieber ein FlatTV, iPhone, XBox und Tablet Paket auf den Weg gebracht. Das wäre ein Erfolg gewesen. Den bildungsferne Schichten interessiert Bildung nicht wirklich. Schon oft Genug gesehen: Aufgeweckte, intelligente Kinder die in derartigen Haushalten vor Riesenglotze und Spielkonsole versauern während Papa und Mama während Papa und Mama den ganzen Tag ihr Facebookprofil pflegen....
5. es ist schon unglaublich...
kolibri73 14.03.2013
Statt einer leistungsverbessdrung fuer die sozial schwaechsten steht als ergebnis erhoehung des verwaltungsaufwandes und kuerzung von leistung. wenn ein ministerium nicht mal das auf die reihe kriegt, dann fehlt es amplitischen willen oder am koennen. beides gewichtige gruende das personal zu wechseln!
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