Niedrige Erzeugerpreise Tausende Bauern beantragen Nothilfe

Milchbauern und Tierhalter sind wegen anhaltend niedriger Lebensmittelpreise in Bedrängnis. Einem Zeitungsbericht zufolge haben deshalb jetzt 7800 Betriebe staatliche Finanzhilfen beantragt.

Milchkühe im Stall: Preiseinbruch bei der Milch mach Wegfall der Quote
picture-alliance/ dpa

Milchkühe im Stall: Preiseinbruch bei der Milch mach Wegfall der Quote


Viele finanziell angeschlagene landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland setzen offenbar auf das Notprogramm von EU und Bundesregierung. "7800 Betrieben konnten wir auf diese Weise etwas Luft verschaffen", sagte Agrarminister Christian Schmidt (CSU) der "Passauer Neuen Presse". Entsprechend viele Anträge würden derzeit bearbeitet.

Die auf europäischer Ebene beschlossenen und von den einzelnen EU-Staaten umgesetzten Hilfen sollen in Deutschland voraussichtlich etwa 60 Millionen Euro umfassen. Sie richten sich vor allem an Milch- und Fleischerzeuger, die über niedrige Preise klagen. Als Hauptgründe für das Preistief gelten die schwache Nachfrage aus China und das russische Lebensmittelembargo.

Die meisten bisher gestellten Anträge für das Programm stammten aus Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, schreibt die Zeitung. Bei zwei Dritteln handele es sich um Milcherzeuger. Antragsberechtigt sind Fleisch- und Milchbauern, die in bestimmten Zeiträumen des laufenden Jahres einen Rückgang der Erzeugerpreise um mindestens 19 Prozent nachweisen können. Die Bauern können jeweils bis zu 10.000 Euro erhalten.

Die Agrarminister der Europäischen Union hatten sich Mitte September auf die Grundzüge des Nothilfe-Konzepts verständigt, nachdem der fallende Milchpreis die Erzeuger insbesondere in Osteuropa in wachsende Not gebracht hatte. Aber auch deutsche und westeuropäische Milchbauern erzeugen derzeit für Preise unterhalb ihrer Kosten. Der Preis fiel auf rund 28 Cent je Kilo von fast 40 Cent im Vorjahr.

Insgesamt sollen 500 Millionen Euro verteilt werden. Mehrere deutsche Landes-Agrarminister fordern außerdem ein Frühwarnsystem, das Bauern vor Marktturbulenzen warnt.

nck/dpa



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insgesamt 124 Beiträge
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spon-facebook-1440053692 06.01.2016
1. Butterberge und Milchseen
Muße man doch nicht immer weiter produzieren. Schon seit Jahrzehnten wird durch staatliche Subventionen in ganz Europa die unsinnige Überproduktion angetrieben. Wenn man das ganze Geld stattdessen als staatliche Entlohnung für ökologische Landschaftsbewirtschaftung verwenden würde, dann könnten die Bauern besser leben und die Natur auch.
zitrone73 06.01.2016
2. Wettbewerb
Sind das die gleichen Bauern, die den internationalen Wettbewerb begeistert herbeilobbyiert haben, weil sie die Eurozeichen nicht mehr aus den Augen gebracht haben? Und jetzt, wo es wettbewerbstechnisch nicht mehr so rund läuft, muss der pöse Staat wieder Subventionen locker machen? Nicht mit meinen Steuergeldern.
Spiegelleserin57 06.01.2016
3. Agrarsubventionen
sie bekommen doch schon Agrarsubventionen. Arbeitnehmer bekommen auch keine Unterstützung wenn es mal knapp mit dem Gehalt wird, warum also sie? Es gibt keinen Grund!
ziehenimbein 06.01.2016
4. Was für ein Unsinn,
den Bauern die größtenteils ihre Tiere angebunden im Stall halten und ihr Land / unsere Umwelt mit Glyphosat und Gülle vergiften, noch eine Prämie zu zahlen, damit sie so weitermachen können.
In Vino Veritas 06.01.2016
5.
Das ist der ganze Unsinn unserer Konsumgesellschaft zum Leid von Tieren - staatlich gefördert.
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