Billiges Geld Weltbankchef warnt vor neuen Spekulationsblasen

Mit drastischen Worten warnt Weltbankpräsident Zoellick vor den Gefahren des billigen Geldes: Auf vielen Märkten gebe es wieder Spekulationsblasen. Schnelle Zinserhöhungen lehnt er trotzdem ab. Dabei droht der Wirtschaft neue Gefahr - die Bilanzen der Geldhäuser sind voll von ungedeckten Schecks.

Rohstoffhändler: Politik des billigen Geldes
dpa

Rohstoffhändler: Politik des billigen Geldes


Paris/Bangalore/Singapur - Die Politik des billigen Geldes war unumgänglich, jetzt gilt es den Gefahren zu begegnen. Für Weltbankchef Robert Zoellick liegen diese auf der Hand: Inzwischen hätten sich auf viele Märkten wieder Spekulationsblasen gebildet, die Millionen Menschen in die Armut stoßen könnten, sollten sie platzen.

Anzeichen solcher Spekulationsblasen seien bereits in China, Hongkong und Singapur zu beobachten, wo die Preise für Aktien und Immobilien wieder einen starken Anstieg hinter sich hätten. "Solche Blasen könnten sich als Fallstrick für die Weltwirtschaft erweisen und die Lebensgrundlagen von Millionen zerstören", erklärte Zoellick in einem am Mittwoch in der "Financial Times" veröffentlichten Artikel.

Gleichzeitig warnt der Weltbankpräsident aber vor den Folgen zu rascher Zinserhöhungen. Zwar gebe es eine neue Lehre, dass man nicht auf das Platzen von Blasen warten dürfe, um dann hinterher aufzuräumen, schreibt Zoellick. Ein zu abruptes Anheben der Zinsen - besonders dort, wo die Erholung schwach ausfalle, etwa in den USA und Europa - könne jedoch einen weiteren Abschwung nach sich ziehen.

Enge Verflechtung der Wirtschaft

Die bereits erfolgte Zinsanhebung der australischen Zentralbank könne asiatische Länder, die eng mit der Wirtschaft dort verflochten seien, unter Zugzwang bringen, schreibt Zoellick weiter. Zinserhöhungen in diesen Ländern, während die Zinsen in den USA weiterhin nahe Null blieben, würden jedoch zu einer Aufwertung der asiatischen Währungen führen, warnte der Weltbankchef. Dies würde wiederum die Exporte dieser Länder verteuern und ihre Ausfuhren verringern und damit der exportbasierten Erholung schaden. Zudem drohe durch die Bindung des Renminbi an den fallenden Dollar Konkurrenz aus China.

Doch selbst eine noch so geschickte Balance bei der Rückkehr zur geldpolitischen Normalität reicht womöglich nicht aus, wenn die Bankenbranche erneut in die Krise gerät. Eine Gefahr, die viele Experten für absolut real halten. In der Branche würden Ende 2012 bis zu sieben Billionen Dollar an Krediten fällig, die unter Umständen zu höheren Kosten umgeschuldet werden müssten, schrieb das "Wall Street Journal" am Mittwoch unter Berufung auf eine Studie von Moody's Investors Service. Weitere drei Billionen Dollar würden drei Jahre später fällig.

Konkrete Angaben zu möglicherweise betroffenen Banken gab es in dem Bericht nicht. Allerdings hieß es darin, dass große US-Institute wie die Citigroup Chart zeigen oder die Bank of America Chart zeigen erklärt hätten, dass sie keine Probleme sähen, anstehende Refinanzierungen zu schultern.

Spekulationsprämien eindämmen

Probleme könnten speziell für die europäischen Banken aber durch die horrenden Risiken entstehen, die sie nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in ihren Bilanzen versteckt halten. "Es bleiben große nicht aufgedeckte Verluste: 50 Prozent sind vielleicht in den Bilanzen versteckt" sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn dem Pariser "Figaro".

Strauss-Kahn forderte, die Spekulationsprämien einzudämmen und eine neue Moral für die Finanzwelt zu entwickeln. Hohe Prämien führten zu exzessiven Risiken. "Wir werden kein zweites Mal erleben, dass hunderte Milliarden Dollar in den Finanzsektor gepumpt werden", drohte Strauss-Kahn. "Die öffentliche Meinung und die Parlamente werden es nicht hinnehmen, die Rechnung ein zweites Mal zu bezahlen."

Für die deutschen Banken gilt diese Ermahnung nach Einschätzung der Bundesbank genauso. Die in den Bankbilanzen schlummernden Belastungen summierten sich bis Ende kommenden Jahres noch auf bis zu 90 Milliarden Euro, heißt es in einer Studie. Der Löwenanteil dieser Summe entfalle auf Abschreibungen auf Buchkredite. Hier schätzen die Frankfurter Notenbanker den Wertberichtigungsbedarf in ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht auf 50 bis 75 Milliarden Euro - abhängig vom weiteren Konjunkturverlauf. Die Verluste der Banken aus Verbriefungen von Krediten - einer Praxis, die durch die Finanzkrise besonders in Verruf geraten ist - dürften nach Meinung der Bundesbank zwar ihren Höhepunkt überschritten haben. Dennoch ergebe sich bis Ende 2010 ein Wertberichtigungsbedarf von zehn bis 15 Milliarden Euro.

Banken weiterhin am Staatstropf

Je nach Intensität der konjunkturellen Erholung könne die Belastung auch niedriger ausfallen, räumte Bundesbank-Vorstandsmitglied Hans-Helmut Kotz ein. Im bisherigen Verlauf der Krise habe die deutsche Finanzwirtschaft bereits Verluste aus Verbriefungsgeschäften von mehr als 90 Milliarden Euro und aus Buchkrediten von knapp 40 Milliarden Euro verkraften müssen.

Kotz warnte bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts zugleich davor, die Finanzkrise trotz der spürbaren Erholung der Finanzmärkte und einer guten Gewinnsituation vieler Banken zu den Akten zu legen. "Die Finanz- und die damit unmittelbar verknüpfte Wirtschaftskrise können keineswegs als überwunden angesehen werden." Immerhin hätten die deutschen Banken ihre Bilanzsummen in den vergangenen Monaten bereits spürbar konsolidiert und ihre Ausstattung mit Eigenkapital verbessert.

Deutschland gehört zu den besonders hart von der Krise getroffenen Ländern: Unter anderem musste die Nummer zwei unter den Großbanken, die Commerzbank Chart zeigen, teilverstaatlicht werden; der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate Chart zeigenwurde sogar komplett verstaatlicht. Außerdem leidet der Landesbankensektor nach wie vor unter der Krise. Unter anderem bekommt die WestLB weitere Milliarden vom Staat.

mik/Reuters/dpa



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saul7 16.11.2009
1. Nein,
Zitat von sysopEin Jahr nach dem Beinahe-Kollaps der Finanzbranche fassen die Banker wieder Mut: Bei einem Gipfeltreffen in Frankfurt debattierten Ackermann und Co. die Lehren aus der Krise - und mokierten sich vor allem über die Regulierungswut der Regierungen. Haben die Banken Ihrer Meinung nach eigentlich etwas aus der Krise gelernt? Diskutieren Sie mit!
die Banken haben nichts aus der Krise gelernt, weil die Politik ihnen nicht längst überfällige Regularien verpasst hat. Die Zockerei darf also weitergehen. Auf eine Entschuldigung der Banken darf noch gewartet werden!!
hajott59, 16.11.2009
2. warum auch?
Nein, die haben nichts gelernt. Warum sollten sie auch? Wenn es eng wird, kommt das große Füllhorn über sie und gut ist!
yato, 16.11.2009
3. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
yato, 16.11.2009
4. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
yato, 16.11.2009
5. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
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