Drohende Wirtschaftskrise Nigeria erhöht Benzinpreis um fast 70 Prozent

Die Förderländer leiden weiterhin unter dem niedrigen Ölpreis. Nigeria hat deshalb jetzt seine Subventionen für Benzin drastisch gekürzt, der Spritpreis steigt drastisch.

Öltransportschiff vor der nigerianischen Küste
AP

Öltransportschiff vor der nigerianischen Küste


Um eine Wirtschaftskrise zu vermeiden, erhöht die Ölnation Nigeria den Benzinpreis im eigenen Land um knapp 70 Prozent. Die bisherigen staatlichen Sprit-Subventionen seien nicht mehr zeitgemäß, erklärte der stellvertretende Ölminister Ibe Kachikwu. Der Preis pro Liter wird demnach von 86,5 Naira auf 145 Naira (rund 64 Cent) steigen.

Nigeria ist der größte Ölproduzent Afrikas. Der anhaltend geringe Ölpreis hat Nigeria jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten gestürzt. Die Währung hat drastisch an Wert verloren, dem Staat geht das Geld aus. Die Ölindustrie generiert in Nigeria mehr als zwei Drittel der Steuereinnahmen.

Der westafrikanische Staat verfügt jedoch nicht über genügend Raffinerien und muss daher Benzin für teures Geld aus dem Ausland importieren. Zuletzt herrschte vielerorts Benzinknappheit, auf dem Schwarzmarkt wird der Treibstoff für rund 250 Naira pro Liter gehandelt.

Nigeria hatte 2012 bereits versucht, die Benzinsubventionen drastisch zu kürzen. Angesichts anhaltender Massenproteste knickte die damalige Regierung jedoch ein. Der für die damalige Kampagne verantwortliche Gewerkschaftsbund, der Nigerianische Arbeitskongress (NLC), rief nun zu neuen Protesten auf.

IEA rechnet mit steigendem Ölpreis

Möglicherweise könnte sich der Ölpreis zum Jahresende wieder erhöhen. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet in ihrem Monatsbericht mit einem schnelleren Abbau des weltweiten Überangebots an Rohöl als bisher angenommen. Aufgrund einer robusten Nachfrage aus China, Indien und anderen Schwellenländern sei für die erste Jahreshälfte nur noch mit einem durchschnittlichen Überschuss von 1,3 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag zu rechnen, heißt es in dem Bericht.

Die Ölnachfrage dürfte demnach dieses Jahr um 100.000 Barrel pro Tag höher ausfallen als bislang angenommen und liegt voraussichtlich bei 95,9 Millionen Barrel. Im späteren Jahresverlauf sei mit einer "dramatischen" Schrumpfung des Überangebots zu rechnen.

nck/dpa

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