Sozialdumping EU-Kommission will Billiglöhne begrenzen

Arbeiter aus Osteuropa sollen künftig mehr verdienen. Die EU-Kommission plant laut einem Zeitungsbericht, gegen Sozialdumping in ganz Europa vorzugehen.

Polnischer Bauarbeiter
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Polnischer Bauarbeiter


Sie arbeiten auf dem Bau, in Schlachtereien oder in der Industrie: Millionen Billiglöhner verrichten in der EU ihre Arbeit. Immer öfter entsenden osteuropäische Betriebe Arbeiter in Hochlohnländer wie Deutschland, Frankreich oder Österreich. Ihre Gehälter sind bis zu 50 Prozent niedriger als die der einheimischen Arbeiter. Die Gewerkschaften sprechen deshalb von Lohndumping.

Die EU-Kommission will gegen solche Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt nun vorgehen. Laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" plant Sozialkommissarin Marianne Thyssen eine Reform der sogenannten Entsenderichtlinie, die höhere Löhne für ausländische Arbeitnehmer erzwingen soll.

Arbeiter sollen höchstens zwei Jahre ins europäische Ausland entsandt werden können, berichtet die Zeitung. Anschließend müssten sie den heimischen Arbeitskräften gleichgestellt werden. Das solle auch dann gelten, wenn ein entsandter Arbeitnehmer kurz vor Ablauf der Frist durch einen neuen ersetzt werde.

Bereits ab dem ersten Tag solle jeder entsandte Arbeitnehmer zudem ein Anrecht auf dieselben Prämien und Sonderzahlungen haben wie heimische Arbeitnehmer, heißt es in dem Bericht weiter. Ein Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn besteht ohnehin schon.

Die geplante Reform enthält bereits Zugeständnisse an die osteuropäischen EU-Länder. Ursprünglich wollte Thyssen vorschreiben, dass in der EU vom ersten Tag an alle Arbeiter denselben Lohn für dieselbe Arbeit am selben Ort erhalten. Doch dieser Plan scheiterte an Widerständen aus Osteuropa.

ssu

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
der_neue_Student 04.03.2016
1. mein Senf
Zitat:"Ursprünglich wollte Thyssen vorschreiben, dass in der EU vom ersten Tag an alle Arbeiter denselben Lohn für dieselbe Arbeit am selben Ort erhalten. Doch dieser Plan scheiterte an Widerständen aus Osteuropa. " Bedeutet das, dass unsere Leute wenn sie in Polen Spargel stechen wollen, nicht die gleichen hohen Löhne wie die Polen bekommen sollen? Oder haben die Osteuropäer den Begriff Humankapital inzwischen verstanden?
bluebill 04.03.2016
2. Schon mal die richtige Richtung
Es wird Zeit, dem menschenverachtenden globalen Turbokapitalismus Grenzen zu setzen. Menschliche Arbeitskraft darf nicht zum wertlosen Massenmaterial verkommen - der gängige Ausdruck "Human Ressources", Menschenmaterial, sagt ja schon alles. Vom Lohndumping (gerne "marktfähiges Entgelt" genannt) haben die Konzerne schöne Gewinne und die Arbeitnehmer, Steuer- und Sozialkassen etc aller Länder - nichts. Aber das Umverteilen von Verlusten auf die Allgemeinheit funktioniert ja super, überschüssiges Menschenmaterial wird hierzulande z.B. klaglos von der Arbeitslosenversicherung finanziert.- Allerdings ist zu befürchten, dass die Global Player einfach weiterziehen, in Nicht-EU-Länder, wo das Ausbeuten des Menschenmaterials noch ohne lästige Einschränkung möglich ist. Siehe Bangladesh. Kleiner Hoffnungsschimmer: Sobald mehrere Arbeitgeber in ein Billiglohnland einziehen und Arbeitskräfte nachfragen, erhöhen sich dort die Preise für die Arbeit, denn die Arbeitnehmer vor Ort sind nicht dumm. Nach einer Weile wird es den Konzernlenkern zu teuer und sie ziehen weiter.
Sommersprosse 04.03.2016
3.
Deutschland hat Milliarden verdient durch Lohndumping, diese Ungerechtigkeit hat hoffentlich bald ein Ende. Es kann nicht sein, dass ein paar Länder in der EU kassieren, während andere benachteiligt werden.
neurobi 04.03.2016
4.
Das sollte auch für die gelten, die zwar noch im EU-Ausland sitzen, aber nur Tätigkeiten für ein anderes EU-Land durchführen. Ob das Call-Center, Büro- oder andere Dienstleistungstätigkeiten sind, die auch aus der Ferne erledigt werden können. Ansonsten ist diese Richtlinie überfällig.
black-mamba 04.03.2016
5. umfassender wäre notwendig
Dann sollte die EU gleich mal umfassend diese Problematik anpacken: Z.B. könnte die Kommission direkt auch gegen Leiharbeitsfirmen mit deren unseriösen Lohndumpings vorgehen. Solche Geschichten wie IT-Fachkräfte, die mit 13 Euro die Stunde "entlohnt" werden. Wenn man bedenkt, dass ein Angestellter bei Lidl z.B. Knapp 11 Euro die Stunde bekommt (was auch schon unverschämt gegenüber den Menschen ist). Man kann sagen, dass bei den Leiharbeiterfirmen das Unternehmensrisiko von den Leiharbeitern getragen wird und nicht von den Inhabern. Dagegen muss auch unbedingt vorgegangen werden.
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