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Billiglohnsektor: Hungerlohn trotz Vollzeitjob

Die Zahl der Menschen, die für einen Niedriglohn arbeiten, ist deutlich höher als bislang angenommen. Einer Statistik des Bundesagentur für Arbeit zufolge mussten sich 2009 mehr als 22 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit einem Bruttolohn von weniger als 1800 Euro zufriedengeben.

Reinigungskraft: Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor deutlich gestiegen Zur Großansicht
DDP

Reinigungskraft: Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor deutlich gestiegen

Nürnberg - In Deutschland arbeiten mehr Menschen für Niedriglöhne als bislang angenommen. Gut 22 Prozent der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer - bundesweit über vier Millionen Menschen - verdienten 2009 monatlich weniger als 1784 Euro brutto, wie aus einer erstmals vorgestellten Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg hervorgeht. Als Niedriglohn gilt ein Einkommen von höchstens zwei Dritteln des mittleren Lohns (Medianlohns) in Deutschland. Der Medianlohn belief sich Ende 2009 laut Berechnungen der Arbeitsagentur auf brutto 2676 Euro beziehungsweise 2805 Euro in West- und 2050 Euro in Ostdeutschland.

Bislang gingen Arbeitsmarktforscher davon aus, dass zwischen 11 Prozent (Schätzung des Statistischen Bundesamtes für 2006) und 18 Prozent (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Schätzung für 2005) der Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor arbeiten. Im Sommer schreckte das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen mit der Nachricht auf, dass rund 20,7 Prozent der Beschäftigten in Deutschland 2008 einen Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle erhalten.

Die nun vorgelegten höheren Angaben der Bundesagentur dürften die tatsächliche Lage wesentlich genauer abbilden. Denn die BA-Experten Thomas Frank und Christopher Grimm mussten ihre Berechnungen nicht auf repräsentative Umfragen oder Stichproben stützen, sondern konnten sämtliche Daten aus dem Meldeverfahren zur Sozialversicherung für annähernd 27 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte analysieren.

Die BA-Statistik liefert weitere bemerkenswerte Ergebnisse zur Beschäftigung im Niedriglohnbereich. So hat der Anteil der Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor seit 1999 deutlich zugenommen, und zwar von 16,6 Prozent auf 20,2 Prozent in Westdeutschland und von 17,9 Prozent auf 21,3 Prozent in Ostdeutschland. Die Wirtschaftskrise hat bislang nicht zu einem Anstieg der Niedriglohnbeschäftigung geführt: Der Anteil der Arbeitnehmer mit Einkommen unterhalb der Niedriglohnschwelle ist in Ost und West seit 2007 nicht weiter gestiegen.

Wie aus den Berechnungen der BA weiter hervorgeht, arbeiten Frauen in Westdeutschland weitaus häufiger für Niedriglöhne (34,4 Prozent aller Vollzeit-Arbeitnehmerinnen) als Männer (12,6 Prozent). In Ostdeutschland ist die Differenz mit rund 13 Prozentpunkten zwar niedriger, aber immer noch erheblich. Die Statistiker führen dies darauf zurück, dass Männer häufiger in Berufen mit überdurchschnittlichem Lohnniveau arbeiten. Zudem hätten die sozialversicherungspflichtig beschäftigten Männer häufiger einen akademischen Abschluss, der generell eine bessere Entlohnung mit sich bringe.

mik/dapd

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1. ...
motormouth 19.11.2010
Ist doch egal! Hauptsache die Lüge von der Vollbeschäftigung kann als Sau durch den Blätterwald getrieben werden.
2. tja....
misca 19.11.2010
ohne einen flächendeckenden Mindestlohn wird sich daran nichts ändern. Aber solange schwarz-gelb regiert, kann man davon nur träumen. Im übrigen ist es auch kein Wunder, dass unsere Sozialsysteme kein Geld mehr haben, bei einem solchen Hungerlohn wird schließlich auch kaum was eingezahlt...
3. .
frubi 19.11.2010
Zitat von sysopDie Zahl der Menschen, die für einen Niedriglohn arbeiten, ist deutlich höher als bislang angenommen. Einer Statistik des Bundesagentur für Arbeit zufolge mussten sich 2009 mehr als 22 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit einem Bruttolohn von weniger als 1800 Euro zufriedengeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729972,00.html
Kann sich noch jemand an den Video-Auschnitt erinnern indem eine amerikanische Mutter neben GW Bush sitzt und ihm mitteilt, dass Sie 3 Jobs hat um ihre Familie zu ernähren? Woraufhin GW Bush antwortet, was Sie denn für eine tolle Amerikanerin sei. Davon sind wir nicht mehr weit entfernt. Unsere Politik steuert genau darauf zu.
4. Mathe Grundschule
nahal, 19.11.2010
Zitat von miscaohne einen flächendeckenden Mindestlohn wird sich daran nichts ändern. Aber solange schwarz-gelb regiert, kann man davon nur träumen. Im übrigen ist es auch kein Wunder, dass unsere Sozialsysteme kein Geld mehr haben, bei einem solchen Hungerlohn wird schließlich auch kaum was eingezahlt...
Die Definition von "Nideriglohn" wird hier mit "Hungerlohn" gleichgeseel schreibt aber, was das auch, in € bedeutet: 1784€ Rechnet man den Stundenlohn, kommt man auf 1784/(35*4)= 10,19€/Stunde. Ein Hungerlohn, wobeo kein Mindestlohn Abhilfe bringen würde. Noch einen "Nebensatz" des Artikels: "Der Anteil der Arbeitnehmer mit Einkommen unterhalb der Niedriglohnschwelle ist in Ost und West seit 2007 nicht weiter gestiegen. "
5.
chrome_koran 19.11.2010
Zitat von nahalDie Definition von "Nideriglohn" wird hier mit "Hungerlohn" gleichgeseel schreibt aber, was das auch, in € bedeutet: 1784€ Rechnet man den Stundenlohn, kommt man auf 1784/(35*4)= 10,19€/Stunde. Ein Hungerlohn, wobeo kein Mindestlohn Abhilfe bringen würde. Noch einen "Nebensatz" des Artikels: "Der Anteil der Arbeitnehmer mit Einkommen unterhalb der Niedriglohnschwelle ist in Ost und West seit 2007 nicht weiter gestiegen. "
Ja, das und das "Startdatum" 1999 gibt auch zu denken. Gab es da 1998 nicht sowas wie einen Regierungswechsel? So von wegen sozial, demokratisch und so weiter? War da nicht ein Film titels "Gas-Gerd und der Abbau des Sozialstaates"?
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Quelle: Statistisches Bundesamt / ILO
Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.


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