Gegen Etikettenschwindel EU verabschiedet strengere Regeln für Biolebensmittel

Käufer von Bioprodukten geben den Herstellern einen großen Vertrauensvorschuss. Damit der auch in Zukunft gerechtfertigt bleibt, will die EU nun strenger prüfen.

Einkaufskorb mit Biolebensmitteln
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Einkaufskorb mit Biolebensmitteln


Die EU will künftig Etikettenschwindel bei Biolebensmitteln stärker eindämmen. Das EU-Parlament billigte mit großer Mehrheit eine entsprechende neue Verordnung für den Ökolandbau.

Sie sieht strengere Kontrollen vor, die neben der Produktion auch die Lieferkette abdecken sollen. Bei importierten Biolebensmitteln aus Drittländern sollen die EU-Regeln strikter eingehalten werden. Auch müssen Biolandwirte darauf achten, dass ihre Produkte nicht mit Pestiziden oder anderen Chemikalien verunreinigt werden.

Vertreter des EU-Parlaments und der Mitgliedstaaten hatten sich bereits im Juni 2017 nach jahrelangem Streit auf die Neuordnung geeinigt. Formal muss nun noch der Rat der Mitgliedsländer zustimmen, bevor die Regeln 2021 in Kraft treten sollen.

Stetiges Wachstum

"Wo Bio draufsteht, muss Bio drin sein", teilte der Grünen-Abgeordnete Martin Häusling mit, der an den Verhandlungen über die neue Verordnung beteiligt war. Das neue Gesetz mache Biosiegel zu einer echten Marke für Qualität und schaffe Vertrauen bei Kunden, Biolandwirten und den Biolebensmittelherstellern.

Die Produktion von Ökolebensmitteln ist in der Europäischen Union in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch. Im Jahr 2013 gab jeder Deutsche durchschnittlich 93 Euro für Bionahrung aus. Ökologische Landwirtschaft findet sich bislang jedoch nur auf etwa sieben Prozent der Weiden und Felder der EU. Der steigende Hunger auf Ökoprodukte wird durch mehr Importe gestillt.

Für diese Einfuhren sollen mit dem neuen Gesetz künftig strengere Regeln gelten. Auch Bioprodukte aus dem außereuropäischen Ausland sollen eins zu eins den EU-Standards entsprechen. Lebensmittel, die davon abweichen, sollen nach Inkrafttreten der Verordnung nur noch fünf Jahre lang importiert werden dürfen. Ausnahmen kann es geben, falls Versorgungsengpässe drohen.

Umstrittene Kontaminationsregel

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft lobt die neue Verordnung als ein "Fundament, aus dem ein gutes Bio-Recht werden kann". Zentrale Regeln müssten allerdings noch ausgearbeitet werden, sagte Geschäftsführer Peter Röhrig. Kritisch sieht er die Tatsache, dass Landwirte künftig ihr Biolabel verlieren können, wenn ihre Produkte mit Chemikalien verunreinigt sind. Ökobauern dürften nicht für die Pestizidanwendungen ihrer Nachbarn haften, sagte Röhrig.

Die sozialdemokratische Europaabgeordnete Maria Noichl sieht durch diese Kontaminationsregel die Gefahr, dass der Biosektor in die "Nische zurückgedrängt" werden könnte. Die Herstellung ökologischer Lebensmittel sei "unter einer Käseglocke nicht möglich", sagte Noichl. Mit den neuen Regeln müssten Bauern für die Pestizide geradestehen, die auf dem konventionellen Nachbarhof eingesetzt würden.

brt/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
GSYBE 19.04.2018
1. 5 Jahre?
Warum 5 Jahre? 0 Jahre!
treime 19.04.2018
2. Immerhin.
Ein Weg zur Verbesserung. Elementar würde ich eine Verpflichtung finden, die Bauern/Hersteller entweder zwingt einen Prozentsatz ihres Umsatzes/Agrarland mit der Produktion von Bio zu betreiben - oder alternativ Subventionen streicht oder Strafen einfordert. Was nutzt mir Bio-Broccoli, wenn der aus Ecuador verschifft wird? Dann ist Bio mal Bio gewesen und hat den Vorteil der natürlicheren Landwirtschaft durch den CO2 Ausstoß wieder verloren. Bio Lebensmittel dürften auch zB keinen längeren Transportweg als 1-2TKM haben.
derleibhaftige 19.04.2018
3. Mehr Aufklärung und Bildung würde auch helfen.
Wir alle sind doch Bio, genauso wie Bio-Chickenwings oder Bio-Hamburger. Ich finde es immer wieder sehr spannend zu beobachten, dass es in einer Gesellschaft, die sich für aufgeklärt und gebildet hält, immernoch viele Leute gibt, die bei bestimmten Reizwörtern oder Etiketten bereitwillig ihr Portemonnaie zücken und freiwillig mehr Geld für identische Produkte bezahlen.
hisch88 19.04.2018
4.
Wer an korrekte Herstellung der Biolebensmittel glaubt, lebt meiner Meinung nach in einer Traumwelt. Wenn es ums Geld geht wird bei den Biobauern doch genauso betrogen wie überall, Wer mit Pestiziden arbeitet, hat Vorschriften ein zu halten die zum Teil strenger geregelt und GEPRÜFT werden, wie beim für mich "verlogenen" Biobauern. Etikettenschwindel der Biobauern ist aus meiner Sicht Standard. Sollen die Reichen die das Geld für "Bioprodukte" haben es doch ausgeben. Stört mich nicht.
John McC!ane 19.04.2018
5. Wenn ich sehe...
...dass sich in der Ökobilanz völlig schwachsinnige Importprodukte aus China und Indien "Bio" nennen dürfen, ist das ganze ohnehin nur eine Farce! Und es geht weiß Gott nicht nur um exotische Obst oder Gemüsesorten. Beispiel: simpler Leinsamen! Ich fragte mich, wieso die Edeka Bio Hausmarke bei gleicher Menge deutlich teurer war als das "Allnatura" Pendant. Bei genauem Hinsehen war der Edeka-Leinsamen aus ökologischem Landbau in Österreich und das "Allnatura" Produkt aus Indien. Wie "Bio" kann so etwas bitte sein???
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