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Konjunktur: Deutsche Wirtschaft wächst 2015 um 1,7 Prozent

Deutschlands Wirtschaft ist im vorigen Jahr so stark gewachsen wie seit vier Jahren nicht mehr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg das Bruttoinlandsprodukt um 1,7 Prozent. Entscheidend war auch die Kauflust der Verbraucher.

Montagearbeiter in Magdeburg: Solides und stetiges Wachstum Zur Großansicht
DPA

Montagearbeiter in Magdeburg: Solides und stetiges Wachstum

Vor allem der hohe private Konsum und staatliche Ausgaben haben die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr angeschoben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte 2015 um 1,7 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Mit diesem Wert hatten auch Volkswirte gerechnet. Es ist das stärkste Wachstum seit 2011.

Das BIP-Wachstum lag damit im zweiten Jahr in Folge über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. 2014 hatte das BIP um 1,6 Prozent zugelegt.

Die privaten Konsumausgaben stiegen 2015 um 1,9 Prozent und damit so stark wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Die staatlichen Konsumausgaben wuchsen um 2,8 Prozent. Die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge legten um 3,6 Prozent zu, die Exporte deutscher Unternehmen ins Ausland um 5,4 Prozent.

Grund für die Kauflust der Verbraucher sind die gute Situation auf dem Arbeitsmarkt und die niedrigen Zinsen. Viele geben ihre Geld lieber aus, weil Sparen kaum noch belohnt wird und die gesunkenen Energiepreise die Haushalte zusätzlich entlasten. Dazu kommt, dass sich vergleichsweise wenige Menschen aktuell Sorgen um ihren Job machen: Mit 2,68 Millionen war die Zahl der Arbeitslosen im Dezember so niedrig wie seit 24 Jahren nicht in diesem Monat.

Auch der staatliche Konsum trug 2015 kräftig zum Wachstum bei - unter anderem, weil der Staat für die Versorgung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge viel Geld in die Hand nehmen muss. Viele Volkswirte werten die Zuwanderung von Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan als Konjunkturprogramm - auch mit Blick auf 2016.

Schätzungen für 2016 gehen weit auseinander

Auch wenn das Wachstum mit Blick auf die vergangenen vier Jahre gut ausfiel, sind nicht alle Volkswirte mit Blick auf die BIP-Zahlen euphorisch. So sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle, der aktuell schwache Euro, die niedrigen Zinsen und die geringe Inflation seien gute Voraussetzungen für eine starke Konjunktur. Vor diesem Hintergrund seien 1,7 Prozent Wachstum allerdings eher bescheiden.

In das BIP wird alles einberechnet, was in einem bestimmten Zeitraum in einem Land hergestellt wird. Auch der Wert von Dienstleistungen zählt mit. Berücksichtigt werden alle Wirtschaftsbereiche vom Handwerker bis zu Handel, Banken, Industrie, Landwirtschaft und staatlichen Leistungen wie Investitionen in Straßen.

Für das laufende Jahr gehen die Erwartungen weit auseinander. Optimisten rechnen für 2016 mit einem Plus des BIP von mehr als zwei Prozent. Pessimisten hingegen gehen von einem Wirtschaftswachstum von nur knapp über einem Prozent aus. Als Risiken gelten vor allem internationale Krisen, etwa im Nahen Osten, und eine Konjunkturabkühlung in China.

Staat schafft 2015 Überschuss

Zeitgleich mit der BIP-Schätzung gaben die Statistiker auch Zahlen zu den Einnahmen und Ausgaben des Staates heraus. Der deutsche Staat konnte demnach 2015 erneut einen Überschuss erwirtschaften. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen 16,4 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben.

Der Überschuss betrug 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), nach plus 0,3 Prozent im Vorjahr und einem Minus von 0,1 Prozent 2013.

Untersuchung von Konjunkturprognosen

mmq/dpa/Reuters

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insgesamt 112 Beiträge
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1. Ich hätte gedacht. ...
joG 14.01.2016
....solides Wachstum bei niedrigem Währungskurs, billigem Öl und Zinsen nahe Null wäre eher bei 3.5 Prozent. Lediglich die geringe Neuverschuldung des Staates ist wenig expansiv.
2. Und was sagt uns das aus?
von winkelried 14.01.2016
Wenn man die Nettoeinwanderung einbezieht plus noch die Flüchtlinge kommt man zum Schluss, dass die Wirtschaft nur so "stark" wachsen konnte, dank mehr Einwohner (=mehr Konsumenten) und mehr Staatsausgaben. Deutsch und deutlich gesagt: Für Otto Normalverbraucher hat sich nichts geändert.
3.
marthaimschnee 14.01.2016
Dafür, daß es bessere Bedingungen kaum geben wird, ist der Wert lächerlich!
4. Absolut kein Grund zum Jubeln
winki 14.01.2016
Bei den Voraussetzungen wie bei #1 beschrieben hätte mehr passieren müssen. Für mein Verständnis sind die Banken die Hauptschuldigen, dass nicht mehr Wachstum generiert wurde. Sie holen sich Geld für nahe null, zahlen selbst keine Zinsen, verlangen aber von ihren Kunden hohe Zinsen für Kredite. Im Artikel wurde das Konsumverhalten gelobt, doch das ist falsch. Es hätte wesentlich mehr sein können. Doch die Niedriglohnpolitik, an der auch die Gewerkschaften beteiligt sind, verhindert eine stärkere Kaufkraft.
5.
w.diverso 14.01.2016
Zitat von von winkelriedWenn man die Nettoeinwanderung einbezieht plus noch die Flüchtlinge kommt man zum Schluss, dass die Wirtschaft nur so "stark" wachsen konnte, dank mehr Einwohner (=mehr Konsumenten) und mehr Staatsausgaben. Deutsch und deutlich gesagt: Für Otto Normalverbraucher hat sich nichts geändert.
Wenn die privaten Konsumausgaben um 1,9 Prozent gewachsen sind, sagt das schon was aus. Dazu eine historisch niedrige Arbeitslosenrate, rundet das Bild noch mehr ab. Aber je besser es den Deutschen geht, umso mehr jammern sie.
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