Bruttoinlandsprodukt Deutsche Wirtschaft überraschend geschrumpft

Der Rückschlag kommt unerwartet: Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr erstmals seit gut einem Jahr geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt ging um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück.

Baustelle in Stuttgart: Investitionen in Bauten wurden im ersten Quartal vorgezogen
DPA

Baustelle in Stuttgart: Investitionen in Bauten wurden im ersten Quartal vorgezogen


Wiesbaden - Die Deutsche Wirtschaft schrumpft stärker als erwartet. Nach einem starken Jahresauftakt hat die Konjunktur im Frühjahr den Rückwärtsgang eingelegt. Im zweiten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent zum Vorquartal gesunken, teilte das Statistische Bundesamt mit. Für die größte europäische Volkswirtschaft ist dies der erste Rückschlag seit 2012.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte in seinem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht zwar eine "Abschwächung im zweiten Quartal" erwartet. Volkswirte waren aber nur von einem Rückgang um 0,1 Prozent ausgegangen.

Gründe waren ein schwächelnder Außenhandel sowie ein Rückgang der Investitionen. Der Rückschlag folgt auf einen rasanten Start ins laufende Jahr. Allerdings korrigierten die Statistiker die Wachstumsrate für das erste Quartal leicht nach unten von 0,8 Prozent auf 0,7 Prozent. Damals profitierte die Baubranche von der "extrem milden Witterung", heißt es. Investitionen in Bauten etwa waren im ersten Quartal vorgezogen worden. Auch deshalb sei das Wachstum im zweiten Quartal leicht zurückgegangen.

Schwächere Frühjahrsbelebung

Auch die zahlreichen Krisenherde rund um den Globus sorgten für Verunsicherung, insbesondere der Ukraine-Konflikt und die Entwicklung im Nahen Osten. Da die Exporte weniger stark stiegen als die Importe, dämpfte der Außenhandel insgesamt die Konjunktur, erklärten die Statistiker.

Die enttäuschenden Daten haben am Donnerstag dem Dax zu schaffen gemacht. Der Leitindex verlor zum Handelsstart 0,4 Prozent auf 9164 Zähler. Zum Ausklang der vergangenen Woche war erstmals seit knapp fünf Monaten der Dax wieder unter die Marke von 9000 Punkten gerutscht.

Zudem fiel die sonst übliche Frühjahrsbelebung nach dem außergewöhnlich starken Jahresauftakt schwächer aus. Der Konsum entwickelte sich aber weiter positiv: Private Verbraucher und öffentliche Haushalte hätten ihren Verbrauch jeweils etwas gesteigert.

Im Vergleich zum Vorjahr verlor die Wirtschaft zwar an Dynamik, legte aber weiter zu, meldeten die Statistiker. Das BIP lag von April bis Juni um 0,8 Prozent höher als im zweiten Quartal 2013.

Bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts für das zweite Quartal hat das Statistische Bundesamt erstmals neue Statistikregeln angewandt. Die neue Methode dient dem Ziel der besseren internationalen Vergleichbarkeit von Konjunkturdaten.

Die wichtigste Änderung betrifft Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Sie werden nicht mehr als Vorleistungen, sondern als Investitionen verbucht und fließen damit in die Daten zum Wirtschaftswachstum ein. Außerdem werden beispielsweise auch bestimmte illegale Aktivitäten wie Rauschgifthandel oder Tabakschmuggel sowie die Prostitution berücksichtigt. Beides spielt aber laut Bundeswirtschaftsministerium kaum eine Rolle.

Durch die neuen Regeln zur Berechnung der Wirtschaftsleistung sind keine gravierenden Auswirkungen auf die Wachstumsraten zu erwarten. Prinzipiell können die neuen BIP-Daten also mit den Zahlen aus den vergangenen Quartalen verglichen werden. Das Statistische Bundesamt rechnet das Zahlenwerk bis zum Jahr 1991 zurück.

bos/dpa/AFP/Reuters

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Big_Jim 14.08.2014
1. Mal sehen wen Deutschland in Zukunfr
noch so alles mit Sanktionen beglückt. Ein Land was vom Export lebt, sollte mit Sanktionen sehr vorsichtig sein. Aber laut Spiegel sind die Deutschen ja bereit auf Arbeit und Wohlstand zu verzichten, wenn man damit nur irgendwo Russland schaden kann. Wird sicher ein voller Erfolg...
tibu646 14.08.2014
2. Super geschrieben - oder auch nicht!
Wer auch immer den Artikel verfasst hat, hat noch nie was von Statistik gehört. Die Überschrift Ist total irreführend und man redet von Prozentpunkten und nicht von Prozent, wenn man die Änderungen angeben will... Ein kleiner Unterschied mit ganz anderer Aussagekraft. Außerdem: Hat mal jemand den letzten Absatz quer gelesen??? Erst sinkt das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr und dann ist es plötzlich höher als 2013. Setzen, 6!
vulcain 14.08.2014
3.
Tadellos! Laut Spiegel-Bericht von vor 2 Wochen (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenlands-wirtschaft-waechst-erstmals-seit-2008-a-984014.html) wächst die griechische Wirtschaft im Gegensatz zur Deutschen. Dann können die zur Abwechslung ja mal für uns bezahlen.
soalso 14.08.2014
4.
Zitat von sysopDer Rückschlag kommt überraschend: Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr erstmals seit gut einem Jahr geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt ging um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bip-deutsche-wirtschaft-schrumpft-um-0-2-prozent-a-986028.html
eventuell hätte die redaktion berücksichtigen können, dass die heutigen zahlen gepimpt sind: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/neue-bip-berechnung-guten-morgen-wir-sind-reicher-seite-all/10329916-all.html zieht man diesen effekt ab, dürfte das bip um ca. 0.8% geschrumpft sein. und das wäre dann in der tat beachtlich.
Newspeak 14.08.2014
5. ...
Der Rückschlag kommt überraschend: Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr erstmals seit gut einem Jahr geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt ging um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück. OMG, Panik! Der Fünfjahresplan kann nicht erfüllt werden! Ach ne, das war ja das andere Deutschland. Dann also besser: Die psychologisch wichtige Marke wird unterschritten! Der Zahlenwert ist übrigens egal, Hauptsache unterschritten! Es ist so lächerlich und niemand besitzt die Intelligenz das auszusprechen (ok, jetzt hab ich es halt getan).
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