Konjunkturprognose OECD sagt Deutschland starkes Wachstum voraus

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft verbessern sich: Die OECD erwartet einen anhaltenden Aufschwung und ist mit ihrer Prognose sogar optimistischer als die Bundesregierung.

Ein Containerschiff im Hafen von Hamburg
DPA

Ein Containerschiff im Hafen von Hamburg


Die Industriestaaten-Organisation OECD sagt der deutschen Wirtschaft einen anhaltenden Aufschwung voraus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr um 1,7 Prozent zulegen, erklärte die OECD. 2018 dürften es dann sogar 2,0 Prozent werden.

Damit ist die Organisation, zu der 35 Mitgliedstaaten gehören, optimistischer als die Bundesregierung, die der hiesigen Wirtschaft für 2017 nur ein Plus beim BIP von 1,5 und für 2018 von 1,6 Prozent voraussagt. Aus Sicht der OECD werden die geringe Arbeitslosigkeit und höhere Staatsausgaben den privaten Verbrauch weiter fördern.

"Niedrige Zinsen und die Zuwanderung dürften die Wohnungsbauinvestitionen stützen, die Unternehmensinvestitionen werden aber voraussichtlich nur langsam anziehen", schreiben die Autoren in ihrem Wirtschaftsausblick. Die Exporte werden laut der OECD von der starken Nachfrage aus Asien und den USA profitieren, werden sich allerdings abschwächen, wenn der Effekt der Euro-Abwertung der vergangenen Zeit abklingt. Die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro in den vergangenen Jahren abwerten lassen. Denn das Aufblähen der Geldmenge ließ den Wert des Euros fallen - Anleger kauften stattdessen Dollar.

Auch zu dem international in die Kritik geratenen deutschen Leistungsbilanzüberschuss nahm die Organisation Stellung: Sie empfiehlt Reformen, um den Dienstleistungssektor stärker zu öffnen sowie Investitionen in die Infrastruktur. Diese Schritte seien geeignet, den "großen Leistungsbilanzüberschuss" zu verringern. Auch die EU-Kommission empfiehlt der größten Volkswirtschaft der EU durch finanzpolitische Instrumente die Binnennachfrage zu stärken und mehr zu investieren.

Für die Weltwirtschaft erwartet die OECD nach fünf Jahren schwachen Wachstums "endlich Licht am Ende des Tunnels", wie OECD-Generalsekretär Angel Gurría sagte. Er rechnet mit einem weltweiten Plus von 3,5 Prozent. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im März erwartet. Für 2018 geht die OECD weiterhin von einem Plus um 3,6 Prozent aus. Im vergangenen Jahr hatte die Weltwirtschaft um 3,0 Prozent zugelegt.

Die konjunkturelle Belebung ist nach Ansicht der OECD aber noch zu schwach, um eine spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse in allen OECD-Ländern zu gewährleisten.

hej/dpa



insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Schwallen 07.06.2017
1. 2 % ist kein starkes Wachstum.
2 % ist organisches Wachstum, das alleine aus den Verbesserungen der Strukturen durch bessere Beherrschung der Routinen resultiert. Richtiges Wachstum -wie bei China zwischen 6 - 8 %- hingegen resultiert aus gekonnter Ökonomiesteuerung wie weiland bei Ludwig Erhard. Man kann durchaus den Eindruck haben, dass der Spiegel am grossen Sandstreuen beteiligt ist.
auweia 07.06.2017
2. Zwei Fliegen mit einer Wumme
1. Rüstungsgüter zählen in der volkswirtschaftlichen Rechnung auch zu den (längerlebigen) Investitionsgütern; ein Kauf ist kein "Verbrauch" (wie etwa bei Gehältern) sondern erhöht die wichtige Investitionsquote. 2. Ein Kauf von größeren Waffensystemen im Ausland (etwa in den USA, Frankreich oder dem Vereinigten Königreich; nicht: China) verringert den kritisierten deutschen Außenhandelsüberschuss. 3. Es gibt noch weitere, nicht auf die zugrundeliegende OECD-Einschätzung bezogene Vorteile: Sicherstellung der Verteidigungsfähigkeit und der relevanten Nato-Standards, Modernisierung der Bundeswehr, Einhaltung internationaler Abkommen, Signal an lokale/regionale "Monopolhersteller". Bei Wegfall inländischer Fertigung , kein Zwang zum Export in u.U. "kritische Länder" aus Amortisationsgesichtspunkten. Alternativ: Mögliche arbeitsplatzrelevante Offsetgeschäfte mit ausländischen Anbietern (Teile- /Baugruppen- /Lizenzfertigung im Inland)... .
Dumme Fragen 07.06.2017
3. @Schwallen/ Kommentar #1
Ne, hierzulande 6-8% Wachstum würden 20-30% Wachstum in China bedeuten. 2% ist für eine reife Volkswirtschaft mit mehr oder weniger gesättigtem Markt schon eine ganz gute Leistung!
LJA 07.06.2017
4. Nein
Zitat von Schwallen2 % ist organisches Wachstum, das alleine aus den Verbesserungen der Strukturen durch bessere Beherrschung der Routinen resultiert. Richtiges Wachstum -wie bei China zwischen 6 - 8 %- hingegen resultiert aus gekonnter Ökonomiesteuerung wie weiland bei Ludwig Erhard. Man kann durchaus den Eindruck haben, dass der Spiegel am grossen Sandstreuen beteiligt ist.
Das resultiert aus Industrienationen mit großem Nachholbedarf, bei gleichzeitig funktionierender Volkswirtschaft und Gesellschaftsordnung und der weitgehenden Abwesenheit von externen Schocks. Das galt für Deutschland zur Zeit Ludwig Erhards wie auch für das heutige China. In solchen Fällen lässt es sich relativ leicht steuern.
mettwurstlolli 07.06.2017
5.
Zitat von Schwallen2 % ist organisches Wachstum, das alleine aus den Verbesserungen der Strukturen durch bessere Beherrschung der Routinen resultiert. Richtiges Wachstum -wie bei China zwischen 6 - 8 %- hingegen resultiert aus gekonnter Ökonomiesteuerung wie weiland bei Ludwig Erhard. Man kann durchaus den Eindruck haben, dass der Spiegel am grossen Sandstreuen beteiligt ist.
2% ist schon ganz in Ordnung für eine entwickelte Volkswirtschaft. Wenn man skeptisch sein will, könnte man fragen, in welchen Bereichen das volkswirtschaftliches Wachstum denn generiert wird. Wenn der staat über Steuern und Gebühren seine Einnahmen erhöht, ist das volkswirtschaftlich auch Wachstum, obwohl es für die Wirtschaft an sich und die Steuerzahler wohl kaum zuträglich ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.