50 Millionen verzockt Bistum Eichstätt beklagt "schmerzliche Erfahrung"

Die Diözese Eichstätt hat bis zu 50 Millionen Euro in Übersee verzockt. Das Bistum gibt sich zerknirscht - mag aber nur eine lässliche Sünde erkennen.

Rechtsanwalt Ulrich Wastl (l.) und der Generalvikar des Bistums Eichstätt, Isidor Vollnhals
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Rechtsanwalt Ulrich Wastl (l.) und der Generalvikar des Bistums Eichstätt, Isidor Vollnhals


Wie konnte es passieren, dass das katholische Bistum Eichstätt rund 50 Millionen Euro mit windigen Geschäften in den USA verzockte - während andere deutsche Bistümer Schulen schließen müssen, aus Finanznot?

Der Rechtsanwalt der Eichstätter, Ulrich Wastl, formuliert es so: "Wir sind Opfer und nicht Täter". Das Bistum habe "zu großes Vertrauen investiert". Das sei das einzige, was man sich vorzuwerfen habe. Generalvikar Isidor Vollnhals bezeichnete die Vorgänge als "schmerzliche Erfahrung", da das Vertrauen in einen Mitarbeiter erschüttert worden sei.

Dessen dubiose Immobiliengeschäfte in den USA könnten die Diözese um bis zu 60 Millionen Dollar gebracht haben, umgerechnet rund 50 Millionen Euro. Am Montag war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft München II gegen den ehemaligen stellvertretenden Finanzdirektor sowie einen Immobilien-Projektentwickler ermittelt. Beide befinden sich in Untersuchungshaft. Ihnen wird Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr vorgeworfen.

Es seien 31 Darlehen im Wert von insgesamt 60 Millionen Dollar (48,6 Millionen Euro) an US-Immobiliengesellschaften vergeben worden, erläuterte Wastl. Darlehen für Grundstücke in Höhe von 21,5 Millionen Dollar (17,4 Millionen Euro) seien bereits überfällig. Eine Schadenssumme lasse sich noch nicht beziffern, es sei nicht gesagt, dass die Diözese das Geld nicht doch zurückbekomme. Aber: "Es wird natürlich ein Schaden übrig bleiben." Bislang seien lediglich knapp zwei Millionen Dollar zurückgeflossen.

"Vertrauen ersetzt Kontrolle"

Im Mai 2016 waren bei der Bewertung der Finanzanlage des Bistums die zweifelhaften Darlehen aufgefallen. Sie wurden Wastl zufolge zwischen 2014 und 2016 getätigt. Die Überweisungen seien auch von einem zweiten Mitarbeiter gegengezeichnet worden, gegen diesen werde jedoch nicht ermittelt.

Im September 2016 habe sich die Diözese von dem nun beschuldigten Mitarbeiter getrennt. 2017 hätten sich die Verdachtsmomente gegen den Mann erhärtet, auch weil er an den Geschäften selbst mitverdient haben könnte. Daraufhin habe Bischof Gregor Maria Hanke Anzeige gegen ihn erstatten lassen.

Das in die Grundstücksgeschäfte investierte Geld stammt laut Wastl aus dem Vermögenshaushalt des Bistums und entspricht etwa einem Sechstel der Finanzanlagen. Generalvikar Vollnhals sagte, eine sachliche Aufklärung der Vorgänge sei wichtig, um das Vertrauen der Menschen in das Bistum wiederherzustellen. Den Gemeinden würden wegen des möglicherweise entstandenen Verlustes jedoch keine Gelder gekürzt, es würden auch keine Stellen gestrichen, versicherte er.

Auf die Frage, welche Fehler das Bistum gemacht habe, sagte Wastl, man habe zu lange an kirchenüblichen Strukturen festgehalten, die auf dem Prinzip "Vertrauen ersetzt Kontrolle" fußten.

beb/dpa



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