Digitalwährungen Bundesbankchef Weidmann hält Bitcoin für ineffizient

Digitalwährungen sind laut Bundesbankpräsident Weidmann keine Alternative zu klassischem Geld. Gleichzeitig fordert er eine globale Regulierung von Bitcoin und Co.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann
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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann


Der Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann, spricht sich für eine weltweite Regulierung umstrittener Kryptowährungen wie Bitcoin aus. "Angesichts der Tatsache, dass solche Geschäfte global angeboten werden, ist klar, dass eine nationale oder europäische Regulierung nur begrenzt wirksam sein kann", sagte Weidmann laut Redetext zur Eröffnung eines Symposiums der Bundesbank in Frankfurt.

Aus seiner Sicht sei die umstrittene Digitalwährung Bitcoin keine Alternative zu klassischem Geld. "Bitcoin ist aus ökonomischer und ökologischer Sicht ineffizient." Als Zahlungsmittel fänden Bitcoin und Co. bislang kaum Verwendung.

Das Bezahlen sei umständlich, Transaktionen dauerten mehrere Minuten. "Das mag für einen Autokauf noch akzeptabel sein, zum Bezahlen an der Ladenkasse eignen sich Bitcoins damit aber nicht." Weidmann monierte darüber hinaus den hohen Stromverbrauch von Bitcoin-Transaktionen.

"Keine Alternative zu Zentralbankgeld"

Generell erfüllten Kryptowährungen die zentralen Funktionen von Geld als Zahlungsmittel, Wertspeicher und Recheneinheit nur eingeschränkt. Deshalb will Weidmann auch nicht von Krypto-"Währungen", sondern vielmehr von Krypto-"Token" sprechen. "Token" ist ein allgemeinerer Begriff als Kryptowährung.

Zudem schwankten Digitalwährungen sehr stark im Wert. "So ist die Volatilität von Bitcoin aktuell trotz der jüngsten Börsenturbulenzen etwa sechsmal höher als die des Aktienindex S&P 500 und dreizehnmal höher als die von Gold", sagte Weidmann. Das schränke die Verwendbarkeit als Zahlungsmittel ein.

Eine Alternative zu Zentralbankgeld seien Bitcoin in keinem Fall. "Mögliche Wertverluste alleine rechtfertigen aber kein Verbot. Im Interesse eines besseren Verbraucherschutzes sind jedoch umfangreichere Informationen für Anleger wichtig."

Mit Blick auf Stimmen, die eine Regulierung von Kryptowährungen fordern, verwies Weidmann auf die gemeinsame Initiative Deutschlands und Frankreichs, das Thema im Rahmen der zwanzig größten Industrie- und Schwellenländer (G20) zu besprechen.

Zunächst sei wichtig, bestehende Geldwäschevorschriften durchzusetzen und zu verhindern, dass Bitcoin und Co., die auf Plattformen im Internet gehandelt werden, als Mittel der Terrorismusfinanzierung eingesetzt würden. "Anlass zu regulatorischen Eingriffen könnten auch potenzielle Finanzstabilitätsrisiken bieten, weshalb wir die Verwendung von Krypto-Token im Finanzsektor im Blick haben müssen", sagte Weidmann.

Südkorea plant strenge Regulierung

Südkorea will die Blockchain-Technologie, auf der Bitcoin & Co. basieren, fördern, sagte Hong Nam-Ki, Minister für die Koordinierung der Regierungspolitik, in Seoul. Gleichzeitig will das Land schärfer gegen illegalen und unfairen Handel mit Kryptowährungen vorgehen.

Hong reagierte auf eine Petition mit 280.000 Unterschriften, die den Verzicht auf ein Verbot des Handels mit Cyber-Devisen forderte. Südkoreas Justizminister hatte ursprünglich eine Schließung aller Kryptobörsen des Landes ins Gespräch gebracht. Kurz darauf ruderte die Regierung aber zurück. Südkorea ist eine der Hochburgen des Handels mit Bitcoin & Co.

Über den Umfang der geplanten Regulierung sei die Regierung aber gespalten, sagte Hong. "Die Positionen reichen von einem völligen Verbot des Handels bis zu einer Einbeziehung der Kryptowährungsfirmen in das bestehende System." Parallel dazu arbeite das Finanzministerium an Methoden, um virtuelle Währungen zu besteuern. In den kommenden Monaten solle zudem eine Initiative zur Förderung der Blockchain-Technologie vorgestellt werden.

Die Kurse vieler Kryptowährungen legten im Tagesverlauf deutlich zu. Der Bitcoin kletterte auf führenden Handelsplattformen wie Bitfinex und Bitstamp um rund zehn Prozent auf mehr als 9000 Dollar je Einheit.

brt/dpa/Reuters

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
ambulans 14.02.2018
1. o.k.,
unser jens will also den draghi beerben - deshalb gegen bitcoins als "parallel"-währung (unkalkulierbar und unreguliert - richtig!), anreiz für allzuviel illegales (finanz-transfers für illegale dienstleistungen aller art, etwa - drogen, waffen, menschenhandel, terrorismus, etc.), anlass für weltweite irritationen im eigentlich geregelten wirtschaftskreislauf (waren gegen geld - und umgekehrt), usw. recht hat er ...
noalk 14.02.2018
2. Keine Alternative zu klassischem Geld
Sehr schön. Ich verstehe diese Aussage auch als Bekenntnis zum Erhalt des Bargelds.
tommy354 14.02.2018
3. Was soll er denn sonst sagen..
Dieser Markt lässt sich nicht mehr aufhalten! Er kann genauso gut versuchen, dass Internet zu kontrollieren. In spätestens 10 Jahren bezahlen wir sowieso nur noch bargeldlos und zwar mit Token und Bitcoins!
chk23 14.02.2018
4.
Zitat von tommy354Dieser Markt lässt sich nicht mehr aufhalten! Er kann genauso gut versuchen, dass Internet zu kontrollieren. In spätestens 10 Jahren bezahlen wir sowieso nur noch bargeldlos und zwar mit Token und Bitcoins!
Wie kommen Sie auf die? Diese Währungen sind als Alltagswährung in der Tat ineffizient und unbrauchbar und daher jetzt schon im praktischen Gebrauch rückläufig - zunehmend nehmen Webshops die Angebote mit Bitcoin & Co zu zahlen zurück, zum einen wegen der unvorhersehbaren extremen Kursschwankungen, zum anderen aber wegen des unglaublichen Energieverbrauchs, den eine Transaktion mittlerweile generiert (eine einzige Transaktion verbraucht zur Zeit 222 kWh an Strom, das ist mehr als ein durchschnittlicher deutscher Einpersonenhaushalt in einem ganzen Monat verbraucht).
axel.g 14.02.2018
5.
@4. Für Bitcoin mag das (noch) stimmen aber die Mehrzahl der Kryptowährungen verbraucht für eine Transaktion deutlich weniger Strom als eine Überweisung bei der Bank.
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