Zahlen des BKA Wirtschaftskriminalität auf höchstem Stand seit fünf Jahren

Wirtschaftskriminelle haben im vergangenen Jahr in Deutschland Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Ein Fall sticht aus der aktuellen Statistik der Ermittler besonders heraus.

DPA


Anlagebetrug, Abzocke im Internet, Abrechnungsschwindel im Gesundheitswesen: Wirtschaftskriminelle haben in Deutschland erneut Milliardenschäden angerichtet. 74.070 Fälle wurden nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) erfasst und damit 28,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dies sei der höchste Stand der vergangenen fünf Jahre, teilte die Behörde mit.

Auch der entstandene Schaden lag mit 3,74 Milliarden Euro um gut ein Viertel über dem Vorjahreswert. "Das Internet schafft neue und vielfältige Tatgelegenheiten", erklärten die Ermittler.

So werden beispielsweise mithilfe spezieller Computerprogramme, die menschliche Identität vortäuschen - sogenannte Social Bots - Kaufentscheidungen manipuliert. Social Bots können große Mengen Informationen im Internet verbreiten und so Anleger von einem vermeintlich lukrativen Geschäft überzeugen.

Oder Täter locken Anleger auf Plattformen, die hohe Gewinne versprechen - etwa über den Handel mit sogenannten Kryptowährungen. Das BKA warnt: "Für die Anleger besteht die Gefahr, dass Täter das angelegte Geld nicht im angegebenen Sinn nutzen, sondern vielmehr zur illegalen Gewinnmaximierung."

Hoher Schaden beim Finanzdienstleister Infinus

Dass die Fallzahlen von 2016 auf 2017 so deutlich nach oben schnellten, lag jedoch vor allem an einem großen Ermittlungskomplex: Der Anlagebetrug beim Dresdner Finanzdienstleister Infinus. Gegen den Gründer und Ex-Führungskräfte der Firma läuft vor dem Landgericht in der sächsischen Landeshauptstadt ein Prozess wegen gewerbsmäßigen Betrugs in besonders schwerem Fall und Kapitalanlagebetrugs.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, über ein Firmengeflecht unter anderem Schuldverschreibungen und Genussscheine vertrieben zu haben, deren hohe Renditeversprechen nur mit dem Geld anderer Anleger bedient werden konnten. Luftgeschäfte zwischen den Firmen sollten das "Schneeballsystem" verschleiern. Mindestens 20.000 Anleger wurden nach Erkenntnissen der Ermittler so um Geld geprellt. Den Schaden beziffern die Ankläger auf rund 150 Millionen Euro.

Rückläufig sind den jüngsten BKA-Zahlen zufolge indes die Fälle von "CEO-Fraud" ("Chef-Betrug") - auch dank einer länderübergreifenden Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden. Nachdem in diesem Bereich die Zahlen seit 2014 deutlich angestiegen waren und 2016 einen Stand von 439 Fällen erreicht hatten, sank die Zahl im vergangenen Jahr auf 262 Fälle. Bei dieser Masche rufen Täter in der Buchhaltung von Firmen an, geben vor, der Geschäftsführer zu sein und bringen Angestellte dazu, Firmengeld auf Konten ins Ausland zu überweisen.

hej/dpa



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
casam 12.06.2018
1. Blühende Landschaften
einmal anders. Es lohnt sich als Wirtschafts-Krimineller sein Geschäft auszudehnen. Denn das Strafverfolgungspersonal reicht dafür nicht aus dieses Unkraut auszureissen. Wer soll es denn tun. Fachkräfte-Mangel soweit das Auge reicht. Aber jedesmal wenn man darüber schreibt, dann verschwindet der Kommentar. Es fehlen Staatsanwälte, es fehlen Richter, die sind schon mit den täglichen Aufgaben der normalen Straftaten überlastet sind. Es fehlen Polizeibeamte, die kassieren zwar Täter ein, müssen diese aber wieder auf die Strasse schicken, wo sollen diese denn auch untergebracht werden. Geschultes Personal für Wirtschaftskriminalität die müssen erst ausgebildet werden und wenn sie dann eingesetzt werden, brauchen sie auch genügend Rückendeckung und Unterstützung von der Strafbehörde.
noalk 12.06.2018
2. Unterscheiden
Ich denke, man sollte den Begriff "Wirtschaftskriminalität" umbenennen in "Kriminalitätswirtschaft" und ersteren dem kriminellen Verhalten etablierter Firmen wie VW (Dieselbetrug) und Deutsche Bank (Libor-Manipulation und was die sonst noch so angestellt haben) vorbehalten. Wenn man alleine die durch diese beiden Firmen verursachten Schäden betrachtet, sind doch die 3,74 Giga€ fast schon Peanuts.
suedseefrachter 12.06.2018
3.
Als Unternehmer kann ich sagen wer in Deutschland den "vorgeschriebenen" Weg geht wird es sehr schwierig haben. Der Staat Beamte/Politiker) will keinen Wohlstand für alle. Ansonsten würde Arbeit nicht so derartig hoch besteuert werden. Und die Länder um Deutschland herum welche immer denken dass sie Deutschland kopieren müssen sind um nichts besser. Es gibt z.B Länder mit einer Umsatzsteuer von weit unter 10% welche auch ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem bieten. Ich bin ja selber 75% im Jahr in diesen Ländern unterwegs. Zudem schützt der deutsche Staat seine Unternehmen nicht vor unlauterem Wettbewerb aus dem Ausland - nein er jagt die eigenen Unternehmen sogar noch und bürdet ihnen sinnlose Bürokratie auf. Die Gesetze in Deutschland welche vor allem kleine Unternehmen betreffen wurden von hirnlosen, praxisfernen Bürokraten geschrieben. Das es anders geht habe ich mittlerweile über mehrere Jahre hinweg gesehen, und aus den 75% mache ich daher 100%.
Hyacinth 12.06.2018
4. Und warum wird in diesem Zusammenhang nicht
auch von unseren betrügerischen Autobauern berichtet? Haben die einen Persilschein, weil sie so viele Arbeitsplätze vorhalten? Die zu erhalten, könnte man ja mit ins Urteil schreiben!
Spiegelleserin57 13.06.2018
5. einen Teil tragen die Unternehmer selbst bei!
viele Unternehmen erachten die Wichtigkeit der IT-Sicherheit bis heute nur als Kleinigkeit die ausschließlich Geld kostet aber keinen Gewinn bringt. Das erkennt man daran wie sehr an die IT-Abteilung und den dort beschäftigten Informatikern gespart wird. Meist erkennt ein Unternehmen erst die Brisanz wenn es gehackt worden ist. Das hat den vorgenannten Autobauern in keiner Weise etwas zu tun sondern hier geht es um Angriffe auf die Wirtschaft aus dem Internet , ein gänzlich anderer Bereich der den einzelnen Bürger der nicht in den Unternehmen angestellt ist kaum tangiert. Er bemerkt nur wenn sein privater Rechner gehackt wurde und sein Konto leergeräumt wurde. Diese Problematik betrifft leider auch das Gesundheitswesen und da muss ich mit Entsetzen feststellen wie leichtfertig mit den Daten Menschen umgegangen wird, siehe Gesundheitskarte wo futuristische Leute meinen dass dort auch noch die Krankengeschichte hinterlegt werden soll. Das wäre so als wenn man sein Intimleben ans schwarze Brett hängt! Da zu wenig auf die IT- Vorsorge geachtet wird kann von solchen, wenn auch aus anderer Hinsicht vielleicht gut gemeinten Absicht, nur abgeraten werden!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.