Blackout-Debatte Warum der Stromausfall ausfällt

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Strommasten: Hysterische Debatte um Netzausbau
DPA

Strommasten: Hysterische Debatte um Netzausbau

2. Teil: Ist genug Strom da?


Um diese Frage zu beantworten, muss man zwei einfache Dinge wissen. Wie viel Strom wird verbraucht - und wie viel produziert?

Wie viel Strom verbrauchen die Deutschen? Das schwankt stark. In einer Sommernacht manchmal nur 40.000 Megawatt, an einem Winternachmittag im Extremfall rund 80.000 Megawatt.

Grafik: Wie viel Strom wird wann gebraucht?
Arrhenius

Grafik: Wie viel Strom wird wann gebraucht?

Wie viel Strom produzieren Deutschlands Kraftwerke? Mehr als genug. Genaue Zahlen dazu erhebt das European Network of Transmission System Operators for Electricity (Entso-E). Demnach sind zu jedem Zeitpunkt mindestens 93.100 Megawatt Leistung verfügbar. Von dieser wird noch ein Notpuffer abgezogen, so dass stets mit einer gesicherten Mindestleistung von 86.100 Megawatt gerechnet wird. In dieser Zahl sind noch nicht einmal die erneuerbaren Energien berücksichtigt, die die meiste Zeit über zusätzliche Kapazität schaffen.

Ohne die acht AKW, die durch den Atomausstieg wohl dauerhaft vom Netz müssen, sind es noch immer knapp 80.000 Megawatt - ungefähr so viel, wie Deutschland zu Spitzenzeiten im tiefsten Winter verbraucht.

Ist genug Strom im deutschen Kraftwerkspark?

Produktion und Bedarf Leistung in Megawatt
Atom 20.300
Kohle, Öl, Gas 76.100
Wasser 9700
Erneuerbare Energien 51.100
Mischbrennstoffe 3000
Gesamtleistung aller Kraftwerke 160.200
Gesicherte Leistung aller Kraftwerke* 93.100
Ohne Notpuffer** 86.100
Ohne Altmeiler plus Krümmel*** 79.800
Höchster Strombedarf im Jahr 80.000
Mobilisierbare Kaltreserve**** 1600

Quelle: Entso-E; *Installierte Leistung abzüglich Wartung, Reparatur, Ausfällen, Systemdienstleistungen, einem Großteil der erneuerbaren Energien und den AKW Brunsbüttel und Krümmel, die seit Jahren stillstehen; **Referenzmarge, die für unvorhergesehene Kraftwerkausfälle und plötzliche Nachfrageschübe zur Verfügung stehen muss; ***also ohne Isar I, Neckarwestheim I, Philippsburg I, Biblis A, Biblis B, Unterweser und die in der gesicherten Leistung bereits berücksichtigten AKW Krümmel und Brunsbüttel; ****Alte (Kohle-)Kraftwerke, die bei Bedarf wieder ans Netz gehen können

Ist zu wenig Strom da, wenn acht Meiler sofort abgeschaltet werden? Nein. 80.000 Megawatt Strom werden nur selten gebraucht. Aktuell liegt der maximale Bedarf zum Beispiel bei rund 65.000 Megawatt. Auch erreicht die Wartung und Pflege von Kraftwerken bald ihren Höhepunkt - in den kommenden Wochen gehen viele Kraftwerke, die momentan stillstehen, wieder ans Netz.

Grafik: Welches Kraftwerk fehlt wann?
Bundesnetzagentur

Grafik: Welches Kraftwerk fehlt wann?

Gibt es einen Engpass im Winter? Ebenfalls nein. Da zu dieser Jahreszeit die Stromnachfrage steigt, können die Versorger mehr Geld verdienen. Deshalb sind im Winter stets die meisten Kraftwerke am Netz. Aufwendige Sicherheitschecks werden dann seltener durchgeführt - das machen die Kraftwerksbetreiber in nachfrageschwächeren Monaten. Und sollte es wirklich eng werden, könnten die Versorger bis zum Winter immer noch die sogenannte kalte Reserve reaktivieren - alte Kraftwerke, die aktuell vom Netz sind, da sie Strom relativ teuer produzieren. Für die Energiekonzerne würde sich das zwar nicht rechnen, die Regierung könnte sie aber dazu verdonnern. Bislang ist das nicht geschehen - was darauf hinweist, dass man keinen Engpass im Winter erwartet.

Was passiert, wenn noch mehr AKW abgeschaltet werden? Bis Ende 2012 wird die Stromversorgung eher wachsen als schrumpfen. Bis dahin gehen viele neue Gas- und Kohlekraftwerke ans Netz, und nur wenige werden abgeschaltet. In den darauffolgenden Jahren gehen zusehends alte Kohlekraftwerke vom Netz. Als Ausgleich müssen neue Gaskraftwerke gebaut werden. Für Planung und Bau ist noch genügend Zeit.

Inbetriebnahmen und Stilllegungen von Kraftwerken

Kraftwerk Zubau* Rückbau* Zeitpunkt Energie-
träger
Neurath F 1050 2011/2012 Braunkohle
Neurath G 1050 2011/2012 Braunkohle
Walsum 10 750 2011/2012 Steinkohle
Westfalen D 750 2011/2012 Steinkohle
Westfalen E 750 2011/2012 Steinkohle
Lünen (TKL) 800 2011/2012 Steinkohle
Frimmersdorf E -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf F -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf I -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf K -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf L -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf M -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf N -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf O -150 2011/2012 Braunkohle
Wilhelmshaven 750 2012 Steinkohle
Pleinting -694 2011 Öl
Staudinger 3 -293 2012 Steinkohle
Moorburg 1520 4. Quartal 2012 Steinkohle
Boxberg Block R 640 2. Quartal 2011 Braunkohle
Summe 8060 -2187

*Leistung in Megawatt; Quelle: Bundesnetzagentur

Warum importiert Deutschland so viel Strom? Nachdem die Bundesregierung ruckartig acht Atommeiler vom Netz nehmen ließ, ist Deutschland vom Stromexport- zum Stromimportland geworden. Das liegt aber nicht daran, dass die deutschen Kraftwerke zu wenig produzieren. "Strom wird dort eingekauft, wo er am günstigsten ist", sagt Bundesnetzagenturchef Matthias Kurth. "Das kann auch mal Frankreich oder Tschechien sein." Importe sind dennoch ein zusätzlicher Puffer: Für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Republik wirklich einmal mehr Strom braucht, als sie selbst produziert, könnte sie laut Schätzung der Entso-E mindestens 15.000 Megawatt aus dem Ausland beziehen.

Bundesnetzagentur / Entso-E

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insgesamt 176 Beiträge
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Seite 1
Braunschweiger77, 27.05.2011
1. Panikmache
Ausgerechnet die Antiatomlobbiesten die uns weismachen wollen unsere Kernkraftwerke wären durch Erdbeben und Tsunami wie in Japan bedroht reden von "Panikmache". Absurder geht es nicht mehr.
kritischer_Beobachter 27.05.2011
2. Milchmädchen-Rechnung
Was sind das denn für Milchmädchenrechnungen, die nichts mit der Realität zu tun haben. Sicherlich droht Deutschland kein Blackout oder größere Stromausfälle, aber dieser "Faktencheck" ist einfach nur erbärmlich. Sehr sehr schade, dass die Menschen mal wieder falsch informiert werden.
Rübezahl 27.05.2011
3. Ampelausfall
Auf den segensreichen Ampelausfall, wenigstens zur Naachtzeit, warte ich noch immer !
___wegwerfaccount___ 27.05.2011
4. Turbine
"Vor allem AKW sind gut geeignet, um Spannung und Frequenz stabil zu halten." soso, ich dachte immer das wäre eine eigenschaft von Gasturbinen, wie sie auch in anderen Kondensationskraftwerken eingesetzt werden. Was befähigt den die AKW so BESONDERS GUT dazu? "So können sogenannte Drosselspulen, Kondensatorbänke oder Static Var Compensators an kritischen Stellen mit dem Netz verbunden werden. Diese können Spannungsschwankungen dort regulieren, wo Kraftwerke fehlen." Drosselspulen, Kondensatorbänke : war da nicht was mit Blindleistung, cosinus phi usw.? Was hat das denn mit Sapnnungsschwankungen zu tun? Wer weiß denn da bescheod? Ansonsten aber schön, mal was zu dem thema hioer zu lesen, wo doch immer sociel panik von der atomlobby verbreitet wird. Ciao Tina
cyberdrop 27.05.2011
5. .
Zitat von kritischer_BeobachterWas sind das denn für Milchmädchenrechnungen, die nichts mit der Realität zu tun haben. Sicherlich droht Deutschland kein Blackout oder größere Stromausfälle, aber dieser "Faktencheck" ist einfach nur erbärmlich. Sehr sehr schade, dass die Menschen mal wieder falsch informiert werden.
In dem Artikel ist auch immer nur von großflächigen Stromausfällen die Rede. Wenn es zu Engpässen kommt, würden gezielt kleinere Teilbereiche wie z.B. einzelne Stadtteile abgeschaltet werden.
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