Dieselaffäre Autokartell vor möglichem Milliardenbußgeld

Jahrelang haben sich deutsche Autobauer bei der Abgasreinigung abgesprochen. Nun könnte die EU-Kommission nach SPIEGEL-Informationen ein milliardenschweres Bußgeld verhängen. Die Konzerne wollen sich offenbar wehren.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager
DPA

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager


Die europäischen Wettbewerbshüter planen, in den nächsten Wochen Bußgelder von jeweils bis zu einer Milliarde Euro gegen die drei deutschen Autokonzerne BMW, Volkswagen und Daimler zu verhängen. Die Hersteller sollen sich bei der Größe von AdBlue-Tanks illegal abgesprochen und zudem vereinbart haben, keine Partikelfilter in Otto-Motoren einzubauen, mit denen man den Ausstoß von gesundheitsgefährdenden Feinstäuben hätte reduzieren können. Die Absprachen hatte der SPIEGEL aufgedeckt und in mehreren Geschichten beschrieben.

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Daimler und VW hatten in dem EU-Verfahren eine Art Selbstanzeige vorgelegt. Sie können in dem Kartellverfahren daher mit niedrigeren Bußgeldern rechnen als BMW. In München hatte man die Vorwürfe, vor allem was Absprachen um AdBlue-Tanks angeht, bestritten.

VW-Zentrale in Wolfsburg
U. Baumgarten via Getty Images

VW-Zentrale in Wolfsburg

Ob sich Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager mit ihrem Vorhaben in den nächsten Wochen durchsetzen kann, ist noch offen. Deutschland und Frankreich hatten den streng marktwirtschaftlichen Kurs der EU-Wettbewerbshüter in den vergangenen Wochen scharf kritisiert. Es ging dabei um das von Vestager verhängte Verbot einer Fusion der Zugsparten von Alstom und Siemens. Deutschland und Frankreich forderten daraufhin eine industriefreundlichere Gangart.

Auch die Autobauer wollen sich mit Strafen aus Brüssel offenbar nicht ohne Weiteres abfinden. Ein Konzern prüft bereits juristische Schritte gegen mögliche Bußgelder. Auf SPIEGEL-Anfrage erklärten BMW, VW und Daimler, dass sie sich wegen des laufenden Verfahrens nicht zu Einzelheiten äußern wollen.

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fdo/haw



insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
alan.ito 08.03.2019
1.
Milliardenbußen bezahlen die eh nur aus ihren Kassen, die von den betrogenen Autokäufern gefüllt wurden. Diese Käufer sind zu entschädigen. Dann ist verwunderlich, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig 36 oder 37 Beschuldigte am Wickel hat, dass zwischenzeitig mal welche (wenige...) einsaßen (Wolfgang Hatz, Rupert Stadler), dass aber all die anderen noch vollkommen ungeniert weiterwerkeln, obschon sie teils auch auf internationalen Fahndungslisten stehen und sich aus Deutschland nicht mehr heraustrauen dürfen. Was man als geprellter Dieselkäufer auch erwartet, ist, dass da die Täter (und das sind nicht nur die Techniker, die versuchten die zu engen Budgets umzusetzen, das sind auch die Kaufleute, Controller, die die pfennigfuchsigen Sparvorgaben machten)...dass davon die entscheidenden Personen, inclu Winterkorn und Piech, wirklich nun mal langsam gesiebte Luft zu atmen beginnen. Es ist doch ein Irrsinn, dass der Typ, der all diese Systeme der Fuchsereien installierte, dem ganz offensichtlich alles an Ethos, Moral, echter Verantwortung etc. piep-egal war, hauptsache er war obenauf, er war der Sieger, alles hörte auf sein Kommando, alle waren eingeschüchtert, weil er in seinem ersten Jahr in Wolfsburg 30 Vorstände und Bereichsleiter rauswarf, dass der seine Anteile an seinen älteren Bruder vertickte und heute in Salzburg auf über 900 Millionen Euro sitzt.
Ulrich Berger 08.03.2019
2. Es sind immer die deutschen Autobauer?
Nicht-deutsche Autobauer haben doch auch eben Autos gebaut - und die haben doch auch Zahlen geliefert. Alles nur einwandfreie und exakte Zahlen? Und keine Betruegereien, keine Absprachen? Ach so, so etwas machen nur die Deutschen!
Forenmull 08.03.2019
3. Hinschmeißen
Energiewirtschaft und Autoindustrie sollten die Brocken einfach hinschmeißen. Es wird ausschließlich Politik damit getrieben inzwischen, wie nicht einmal zu Zeiten sozialistischer Planwirtschaften. Es sind immer die Politiker, die alles und nur das "beste" wollen aber nichts können und nichts wissen und so alles ruinieren.
jjcamera 08.03.2019
4. logisch?
Wenn Daimler, BMW und Volkswagen Absprachen bei der gemeinsamen Entwicklung von e-Autos treffen, ist man begeistert, wenn sie das bei Dieselautos machen, ist es ein Verbrecherkartell.
jjcamera 08.03.2019
5.
Zitat von ForenmullEnergiewirtschaft und Autoindustrie sollten die Brocken einfach hinschmeißen. Es wird ausschließlich Politik damit getrieben inzwischen, wie nicht einmal zu Zeiten sozialistischer Planwirtschaften. Es sind immer die Politiker, die alles und nur das "beste" wollen aber nichts können und nichts wissen und so alles ruinieren.
Warten Sie mal ab. Nach der nächsten Europawahl wird sich viel änderrn. Für einen Feldzug gegen die deutsche Autoindustrie wird sich keine Mehrheit mehr finden lassen.
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