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Kurssturz bei Dax, Euro und Co.: Hellas-Chaos schockiert Investoren

"Der Schreck sitzt tief": Die Nachricht von Neuwahlen in Griechenland verunsichert Anleger europaweit, die Kurse an den Börsen fallen zeitweise stark. Investoren flüchten in deutsche Anleihen.

Kurstafel in Madrid: Ansteckungsgefahr für Spanien Zur Großansicht
DPA

Kurstafel in Madrid: Ansteckungsgefahr für Spanien

Hamburg - Die Börsen reagierten sofort: Die Nachricht von den bevorstehenden Neuwahlen in Griechenland hat am Dienstag die Kurse auf Talfahrt geschickt. Der Deutsche Aktienindex Dax Chart zeigen fiel innerhalb weniger Minuten um mehr als 1,4 Prozent. Mit minus 0,79 Prozent ging er schließlich leicht erholt aus dem Handel. Auch der Euro Chart zeigen geriet stark unter Druck. Die Gemeinschaftswährung sank um fast 0,5 Prozent auf 1,2764 US-Dollar - der tiefste Stand seit Mitte Januar.

Noch deutlicher war die Reaktion in Griechenland: Der griechische Aktienindex fiel zeitweise um mehr als fünf Prozent, der EuroStoxx 50 Chart zeigen verlor knapp 1,1 Prozent. "Die Meldung, dass jetzt wirklich Neuwahlen kommen werden, hat hier erst einmal alle aufgescheucht", sagte ein Händler. "So sehr das auch erwartet war, der erste Schreck sitzt tief."

Zuvor hatte das griechische Präsidialamt mitgeteilt, dass auch der letzte Versuch einer Regierungsbildung gescheitert sei. Staatspräsident Karolos Papoulias versuchte offenbar vergeblich, die Parteivorsitzenden zur Bildung einer Technokraten-Regierung zu bewegen. Diese sollte sich für den Verbleib Griechenlands im Euro-Raum einsetzen.

Bei der Neuwahl dürften die Gegner des Sparprogramms noch deutlich mehr Stimmen erhalten als bei der Abstimmung am vorvergangenen Wochenende. Damit wächst die Sorge, Griechenland könnte die Sparprogramme aufkündigen. Und unter Umständen die EU verlassen.

Damit würde nach Einschätzung von Analysten auch wieder die Ansteckungsgefahr für Spanien und Italien steigen. Der spanische Leitindex fiel auf den tiefsten Stand seit September 2003. In Mailand rutschte der Leitindex der Börse auf ein Siebeneinhalb-Monats-Tief.

Am Rentenmarkt zog die Nachfrage nach den als sicher geltenden Bundesanleihen an. Der Bund Future als Indikator dieser Tendenz erholte sich bis auf 143,53 Punkte, bevor er zum Aktienhandelsschluss dann wieder um 0,15 Prozent auf 143,33 Punkte fiel.

dab/dpa/Reuters

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insgesamt 47 Beiträge
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    Seite 1    
1. Unsinn
neu_ab 15.05.2012
Glaubt wirklich jemand diese geschauspielerte Überraschung? Das ist doch alles Theater, ein abgekartetes Spiel.
2. Schockiert und enttäuscht!
CyberDyne 15.05.2012
Zitat von sysop"Der Schreck sitzt tief": Die Nachricht von Neuwahlen in Griechenland verunsichert Anleger europaweit, die Kurse an den Börsen fallen drastisch. Investoren flüchten in deutsche Anleihen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,833345,00.html
Ja ist das denn zu fassen, diese Griechen wieder! Da lässt man sie wählen und sie wählen einfach was sie wollen und nicht, was die EU fordert. Ein unglaublicher Vorgang, der nach Taten schreit! EU-Truppen? Uno Blauhelme?
3. Investoren in Not
rgw_ch 15.05.2012
So langsam merken die Investoren, dass man Geld nicht fressen kann. Jetzt haben sie jahrzehntelang an sich gerafft, soviel sie konnten und jetzt gibt es einfach zuwenig Möglichkeiten, all die schönen Talerchen zu investieren und sie merken, dass die erste Klasse der Titanic auch nicht viel langsamer sinkt, als die Dritte.
4. Anleger - Ahoi
openklaus 15.05.2012
was nu ? Anleger oder Investoren ? und was heißt flüchten ? haben wir eine Parallelwelt die ich nicht kenne ?
5. .
frubi 15.05.2012
Zitat von sysop"Der Schreck sitzt tief": Die Nachricht von Neuwahlen in Griechenland verunsichert Anleger europaweit, die Kurse an den Börsen fallen drastisch. Investoren flüchten in deutsche Anleihen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,833345,00.html
Von mir aus können diese Finanzfaschisten vor Schock das zeitliche segnen. Die haben mit ihren legalen Glücksspielerein genug Schaden angerichtet. Ich bin so langsam sowieso an dem Punkt angelangt, wo es mich nicht wirklich stören würde, wenn diese ganze Euro-Geschichte platzt. Viel zu verlieren (also Geld) habe ich nicht. Da müssen sich einige Menschen viel stärkere Sorgen machen.
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,063 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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