Mannheim - Deutsche Finanzexperten schrauben angesichts der weltweiten Konjunkturflaute ihre Erwartungen für das Wachstum in der Bundesrepublik zurück. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten fiel im Juli um 2,7 Punkte auf minus 19,6 Punkte, teilte das Institut am Dienstag mit. Dies war der dritte Rückgang in Folge. "Neben der schwachen Nachfrage aus der Euro-Zone nach deutschen Exportgütern belastet es die deutsche Konjunktur, dass die Wachstumsdynamik in weiteren wichtigen Partnerländern abnimmt", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.
Die Forscher befragen monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger zu den Wirtschaftsaussichten. Die Börsianer sehen trotz ihrer Skepsis offenbar nicht ganz schwarz. "Der Rückgang der Konjunkturerwartungen für das Jahresende 2012 flacht langsam ab. Vielleicht sind das die Vorboten einer erfreulichen Entwicklung im Jahr 2013", sagte Franz.
Die Risiken für die Konjunktur durch die Schuldenkrise dürften aber nicht unterschätzt werden, sagte der ZEW-Chef. So bewerteten die Finanzexperten die aktuelle Lage in Deutschland schlechter. Der entsprechende Indikator fiel von 33,2 auf 21,1 Punkte.
Der Indikator für die aktuelle Lage im Euro-Raum blieb mit minus 72,9 Punkten nahezu unverändert gegenüber dem Vormonat. Die Konjunkturerwartungen für die Euro-Zone jedoch gingen um 2,2 Punkte auf minus 22,2 Punkte zurück.
Schuldenkrise drückt auf die Laune der Verbraucher
Eine deutliche Warnung vor den Folgen der Euro-Krise war am Montag vom Internationalen Währungsfonds gekommen. Der IWF sieht große Risiken für die Weltwirtschaft und senkte erneut seine Prognose. Im laufenden Jahr rechnet der Währungsfonds mit einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Prognose im April. Für 2013 reduzierte der IWF seine Erwartung um 0,2 Punkte auf 3,9 Prozent. Besonders stark nahmen die Experten die Prognosen für Großbritannien und das große Schwellenland Indien zurück.
Auch bei den Verbrauchern in Europa macht sich angesichts der Schuldenkrise Verunsicherung breit und verdirbt den Menschen die Kauflaune. Die Verschärfung der Lage hinterlasse fast in allen Ländern der EU ihre Spuren, teilte das Marktforschungsinstitut GfK in Nürnberg mit. "Die Stimmung ist insbesondere in den Mittelmeer-Anrainerstaaten sehr schlecht. Das betrifft Griechenland, Italien, Spanien aber auch Portugal", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.
Deutschland nehme eine Art Sonderstellung ein. "Die Stimmung hier ist deutlich besser und optimistischer als in vielen anderen EU-Staaten." Grund dafür seien der stabile Arbeitsmarkt und deutlich bessere Einkommensentwicklungen. "Und hinzu kommt, dass die Inflation derzeit sehr moderat ist", sagte Bürkl.
mmq/Reuters/dpa
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