London - Es war eine mutige Geste der Politik. Wenn sich Banken und Unternehmen nicht auf eine Reduzierung oder Abschaffung der umstrittenen Bonuszahlungen einlassen, greift sich der Staat eben die Hälfte. So hat es sich zumindest die britische Regierung vorgestellt, als sie in der vergangenen Woche ihren Plan präsentierte, Boni von mehr als 25.000 Pfund mit einer 50-prozentigen Sondersteuer zu belegen.
Prompt brach ein wahrer Proteststurm los. Zuviel, unfair, wie sieht das aus im internationalen Vergleich!
Dabei haben viele Top-Manager die Gefahr offenbar längst gewittert - und sich aus dem Staub gemacht, bevor die Finanzämter aktiv werden können. Wie die Online-Ausgabe der britischen Tageszeitung "Telegraph" am Sonntag meldet, hat ein wahrer Exodus der Banker und Bosse eingesetzt. In diesem Jahr haben im Schnitt jede Woche zehn Spitzenkräfte ihre Umzugskisten gepackt und sind in Gefilde umgezogen, wo der Fiskus gnädiger waltet.
Den größten Zulauf hatten demnach die pittoresken Gemeinden der Kanalinsel Jersey, Guernsey sowie die Isle of Man, wo besonders niedrige Steuersätze locken. Die Körperschaftssteuer beträgt in Jersey beispielsweise nur zehn Prozent, die Einkommensteuer liegt bei 20 Prozent - und die Regierung des Eilands wirbt in Anzeigen aktiv um die Steuerflüchtlinge: "Auf Jersey behalten Sie mehr von dem, was Sie verdienen."
Warum sie in Jersey ihre Sympathie für Gordon Brown entdecken
Nach Recherchen des "Telegraph" ist die Zahl der Vorstände und Aufsichtsräte mit einem Inselwohnsitz in den vergangenen zwölf Monaten um rund 500 auf die stattliche Summe von 6279 angewachsen. Die Zuwanderung nach Jersey habe insgesamt um 20 Prozent zugenommen, melden die Behörden auf der Insel. Auch die Britischen Jungferninseln melden kräftigen Zulauf. 615 britische Unternehmenslenker nennen die Karibik-Nation nun als ihren Wohnsitz.
Die Begründungen der Neuinsulaner gegenüber dem "Telegraph" klingen zum einen trotzig - und meistens richtig gehend euphorisch:
Auf Jersey arbeitet mittlerweile jeder fünfte Einwohner im Finanzsektor - und alle bringen gute Gehälter mit, die Insel schwimmt im Geld. Und das freut die Immobilienbranche besonders. Der Makler James de la Cloche hat in einer seltsamen Wendung des Schicksals nun sogar sein Herz für den britischen Premier Gordon Brown und Finanzminister Alistair Darling entdeckt, die ihm indirekt und unbeabsichtigt fette Aufträge verschafft haben. "Wir lieben die beiden hier", verriet de la Cloche dem "Telegraph" - und hoffen inständig, dass sie noch einmal wiedergewählt werden."
oka
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