Banker-Boni: Das Ende der Multi-Millionen-Schecks

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Europas Banken sind in Aufregung: Die EU will die Bonuszahlungen in der Branche künftig begrenzen. Schon arbeiten die Konzerne daran, die Deckelung zu umgehen. Doch selbst ohne Gesetz scheint klar: Astronomische Summen dürften bald nur noch bei Hedgefonds gezahlt werden.

Bankenviertel in London: Hier arbeiten die Großverdiener Zur Großansicht
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Bankenviertel in London: Hier arbeiten die Großverdiener

Hamburg/London - Es müssen paradiesische Zeiten gewesen sein - damals, als in der Bankenbranche noch regelmäßig zweistellige Millionen-Boni gezahlt wurden. 80 Millionen Euro etwa wurden dem mittlerweile gefeuerten Skandalhändler Christian Bittar bei der Deutschen Bank allein für das Jahr 2008 zugesprochen. Andere Top-Investmentbanker sollen schon mal 20 oder 30 Millionen Euro pro Jahr eingestrichen haben.

Diese Zeiten scheinen lange her zu sein. In ganz Europa sind die Bonitöpfe seit der Krise zusammengeschrumpft. Doch noch immer gibt es für nicht wenige Banker Millionen von Euro und Pfund zu verdienen. Zu viel - meint die Politik und will ab 2014 in der EU eine Grenze für Bonuszahlungen einführen. Ohne Zustimmung der Aktionäre soll kein Banker mehr Boni kassieren dürfen, die höher liegen als sein Festgehalt. Mit Zustimmung der Anteilseigner darf die variable Vergütung höchstens doppelt so hoch sein wie die fixe.

Die geplante Regelung folgt dem Volkszorn auf die Banker, die Europa und der Welt die Finanzkrise beschert haben - und teilweise mit Steuergeldern in Milliardenhöhe gerettet werden mussten. Doch funktioniert sie auch so, wie sie soll? Wird sie die Gehaltsexzesse in der Bankenbranche tatsächlich begrenzen?

Die Antwort ist ein klares "Ja, aber". Für den allergrößten Teil der mehr als drei Millionen Banker in Europa wird sich durch die Regelung nichts ändern. Wer im Geschäft mit Privat- oder Firmenkunden arbeitet, kassiert bisher ohnehin nur relativ geringe Boni. Selbst in der Vermögensverwaltung für reiche Kunden lassen sich in der Regel kaum Summen hinzuverdienen, die das Fixgehalt überschreiten. Lediglich im Investmentbanking gibt es nach wie vor einige Top-Verdiener, die die geplante Regelung treffen wird.

Dass diese Gruppe nicht besonders groß ist, zeigt ein Blick auf die beiden führenden Investmentbanken Europas: Bei der Deutschen Bank sollen bisher gerade mal 500 Mitarbeiter höhere Boni als Festgehälter kassieren. Ähnlich dürfte es bei der britischen Barclays sein. Dort gehen dieses Jahr 428 Angestellte mit einem Bonuspaket von mehr als einer Million Pfund nach Hause. Insgesamt dürften unter die EU-Regelung also allenfalls ein paar tausend Banker fallen.

Auch geografisch ist die Wirkung der geplanten Regelung gut eingrenzbar. "Der Standort Deutschland ist kaum betroffen", sagt ein hochrangiger Banker. "Das ist vor allem ein Problem für London." Von dort kommt denn auch der heftigste Widerstand gegen die geplanten Regeln. Die britische Regierung um David Cameron weiß, dass sie die Richtlinie wohl nicht mehr verhindern kann und ringt desalb hinter den Kulissen noch um Zugeständnisse.

"Jetzt ist Kreativität gefragt"

Die Finanzindustrie selbst sucht derweil nach Wegen, die Auswirkungen des Boni-Deckels möglichst gering zu halten. "Es gibt immer ein Interesse, den Top-Leuten abhängig vom Ergebnisbeitrag ein attraktives Paket zu bieten", sagt Bernd Thomaszik, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Mercer. "Da ist bei den Banken jetzt Kreativität gefragt."

Der einfachste Weg ist laut Thomaszik die Erhöhung der Fixgehälter. Um das Gehaltsniveau der Banker konstant zu halten, werden dabei die Bestandteile der Bezahlung neu gemischt.

Der Weg ist nicht neu, viele Institute gehen ihn bereits seit Jahren. Die Deutsche Bank etwa wendete 2012 rund 13,5 Milliarden Euro für Gehälter und Boni ihrer Angestellten auf. Im Jahr 2009 waren es noch 11,3 Milliarden Euro. Was sich geändert hat ist allerdings die Zusammensetzung der Zahlungen: Während 2009 mit 4,8 Milliarden Euro noch fast die Hälfte für variable Zahlungen draufging, waren es 2012 nur noch 3,2 Milliarden Euro - nicht mal mehr ein Viertel. Die Boni sanken also und die Festgehälter stiegen.

Doch das Modell stößt an Grenzen: Erstens sind höhere Festgehälter für die Konzerne ein größeres Risiko. Anders als Boni lassen sie sich in schlechten Jahren nicht einfach kappen. Und zweitens dürfte dieser Weg der Umgehung auch in der Öffentlichkeit auf Widerstand stoßen. "Fixgehälter oberhalb von 5.000.000 Euro sind politisch nicht vertretbar", glaubt ein ranghoher Banker.

Bei der UBS sind die Hälfte der Investmentbanker "Donuts"

Bleiben ein paar andere Möglichkeiten: So sollen höhere Boni möglich sein, wenn deren Auszahlung über mehr als fünf Jahre gestreckt wird. Zudem dürfen Gehaltsbestandteile, die in Aktien oder Aktienoptionen ausgezahlt werden, weniger stark gewichtet werden. Aktien oder Aktienoptionen im Wert von einer Million Euro würden bei der Bonus-Regel zum Beispiel nur mit 800.000 Euro angerechnet. "Das lässt gegebenenfalls Spielraum, um das Verhältnis von Boni zu Fixgehältern zu erhöhen", sagt Vergütungsexperte Thomaszik. Doch auch hier dürfte die EU nicht allzu große Ausnahmen zulassen. Ein Festgehalt-Bonus-Verhältnis von eins zu drei gilt für viele Politiker als Schmerzgrenze.

Die Wirkung der geplanten Boni-Grenze dürfte den ohnehin bestehenden Trend verstärken. Schon jetzt haben viele Banken ihre Sondertöpfe zusammengekürzt. Bei der Schweizer Skandalbank UBS etwa erhält in diesem Jahr kein Mitarbeiter einen Bonus von mehr als einer Million Schweizer Franken. Die Hälfte der 16.000 Investmentbanker sind sogenannte "Donuts": Ihr Bonus liegt - wie die Form des kreisrunden Gebäcks erahnen lässt - bei null.

Selbst für die Top-Banker sind die Multi-Millionen-Schecks der Vorkrisenzeit wohl vorbei. Manch einer wird sich deshalb einen anderen Job suchen. Bei bestimmten Hedgefonds etwa gibt es für Top-Leute immer noch zweistellige Millionenbeträge zu verdienen. Dort ist mittlerweile auch der Skandalhändler Bittar von der Deutschen Bank untergekommen.

Andere werden sich einfach mit etwas weniger Geld als zuvor begnügen. "Es ist nicht der Untergang des Abendlandes", sagt etwa ein Londoner Händler, der das Jammern seiner Kollegen für überzogen hält. "Wer mit einer Million im Jahr nicht auskommt, hat kein Einkommensproblem, sondern ein Lebensstilproblem."

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insgesamt 71 Beiträge
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1.
c_c 13.03.2013
Zitat von sysopAstronomische Summen dürften bald nur noch bei Hedgefonds gezahlt werden. Boni für Banker: Das Ende der Multimillionenschecks - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/boni-fuer-banker-das-ende-der-multimillionenschecks-a-888452.html)
Was den nächsten notwendigen Schritt andeutet: das VERBOT dieser Fonds und die Macher in den Knast.
2.
donvito85 13.03.2013
das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen..... die banker haben angst, weil sje eventuell "nur" noch eine millionen statt zwei millionen verdienen..... mir kommt es so vor, je reicher jemand wird..... desto mehr will er/sie...... warum koennen diese menschen mit einem gehalt von 500000 nicht zufrieden sein und ihr Leben leben ohne die gesamte Wirtschaft in den Ruin zu treiben........
3. Schwindeln
siehsmalso 13.03.2013
wenn es ums Geld geht ist doch Paradedisziplin bei Bankern. Die werden freiwillig auf nichts verzichten. Und keiner weis besser bescheid wie viel im Bürgergeldbeutel ist wie die Banken.Wenn jemand mit seinem Privatvermögen für Erfolg oder Mißerfolg haftet ist das eine andere Sache.
4. Sympathisch...
2illuminat3 13.03.2013
"Andere werden sich einfach mit etwas weniger Geld als zuvor begnügen. "Es ist nicht der Untergang des Abendlandes", sagt etwa ein Londoner Händler, der das Jammern seiner Kollegen für überzogen hält. "Wer mit einer Million im Jahr nicht auskommt, hat kein Einkommensproblem, sondern ein Lebensstilproblem." Kann man so eigentlich nur unterschreiben.
5. Blödsinnig und rechtswidrig!
hxk 13.03.2013
Zitat von sysopOhne Zustimmung der Aktionäre soll kein Banker mehr Boni kassieren dürfen, die höher liegen als sein Festgehalt. Mit Zustimmung der Anteilseigner darf die variable Vergütung höchstens doppelt so hoch sein wie die fixe.
Was die Besitzer eines privaten Unternehmens mit ihrem eigenen Geld machen, ist einzig und allein ihre Sache. Die politisch motivierte Begrenzung der Bezahlung ist ein schwerer Eingriff in die Eigentumsrechte. Selbst wenn die Gerichte das nicht kassieren sollten, wird es Großbritannien nie akzeptieren. Rettungschirme, Pornoverbot, Sparverweigerung ... Die EU gräbt sich muter ihr eigenes Grab. :)
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