Einigung in Brüssel Europäer kappen Banker-Boni

In der EU werden Bonuszahlungen für Banker ab 2014 erstmals begrenzt. Darauf haben sich EU-Parlament und Mitgliedstaaten geeinigt. Künftig darf die variable Vergütung höchstens doppelt so hoch sein wie das Fixgehalt. Verlierer der Abmachung ist Großbritannien.

Banker in London: Die Briten konnten sich nicht durchsetzen
Corbis

Banker in London: Die Briten konnten sich nicht durchsetzen


Brüssel - Die Banken in der Europäischen Union müssen ab dem kommenden Jahr Bonuszahlungen an ihre Mitarbeiter in Grenzen halten. Das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten haben sich nach monatelangen zähen Verhandlungen in der Nacht zum Donnerstag in Brüssel auf eine Deckelung der Sonderzahlungen geeinigt.

"Zum ersten Mal in der Geschichte der EU-Finanzmarktregulierung werden Boni für Banker gedeckelt", sagte der Verhandlungsführer des Parlaments, der österreichische Abgeordnete Othmar Karas. Sie dürfen künftig prinzipiell nur noch so hoch ausfallen wie das feste Grundgehalt. Unter bestimmten Bedingungen könnten Aktionäre auf einer Hauptversammlung Vergütungen billigen, die doppelt so hoch seien wie das Grundgehalt.

Die Verhandlungen für die EU-Staaten hatte die irische Ratspräsidentschaft geführt. Wie Finanzminister Michael Noonan erklärte, sollen die Regeln sicherstellen, dass die Vergütungspraxis der Banken nicht zu einer exzessiven Risikobereitschaft ihrer Angestellten führt. "Ich glaube, dass das Kompromisspaket, das wir heute Nacht erreicht haben, gut ausbalanciert ist", sagte Noonan. Die Vorschriften sollen Anfang nächsten Jahres greifen. Das Parlament und die EU-Staaten müssen dem Kompromiss noch endgültig zustimmen.

Der SPD-Abgeordnete Udo Bullmann sprach von einer "Revolution im Finanzmarkt, wo Verzehnfachungen des Gehalts keine Seltenheit sind. Wir legen zudem explizit Verantwortung in die Hände der Eigentümer der Banken, vertrauen ihnen aber nicht blind."

Großbritannien ist der große Verlierer

Die Regelungen zu den Boni sind Teil eines Gesetzespakets, dessen Kern die schärferen Kapitalvorschriften für die Finanzbranche (Basel III) bilden. Diese sollen Schieflagen von Banken künftig verhindern. Vom kommenden Jahr an müssen die Kreditinstitute deshalb mehr Geld bereithalten, um ihre Geschäfte abzusichern.

Die Bonusgrenze hat das EU-Parlament gegen monatelangen Widerstand der Mitgliedstaaten durchgesetzt. Vor allem Großbritannien, wo der Finanzsektor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, sperrte sich gegen den Eingriff in die Vergütungspolitik der Banken, wurde aber offenbar überstimmt. Dem Vernehmen nach sieht der neue Entwurf nur wenige Ausnahmen vor.

So könnten die Boni über das Zweifache des Fixgehalts steigen, wenn ihre Auszahlung entsprechend lange gestreckt wird. Bis zu einem Viertel der variablen Vergütung kann laut der Einigung mit einer solchen verzögerten Auszahlung versehen werden.

Vom Tisch ist dagegen offenbar die Forderung Großbritanniens, Zweigstellen der Banken im nichteuropäischen Ausland von der Regelung auszunehmen. Die neuen Vorschriften sollen für alle europäischen Finanzinstitute und ihre ausländischen Tochterfirmen gelten, ebenso wie für die Töchter amerikanischer oder asiatischer Banken innerhalb der EU.

Mit Spannung erwartet wird nun, wie die Finanzbranche auf die neuen Regeln reagiert. Experten rechnen damit, dass die Konzerne die Fixgehälter ihrer Top-Banker deutlich anheben, um so weiter hohe Gesamtgehälter zahlen zu können.

stk/Reuters/dpa



insgesamt 138 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
grover01 28.02.2013
1.
Zitat von sysopDPAIn der EU sollen Bonuszahlungen für Banker ab 2014 erstmals begrenzt werden. Darauf haben sich EU-Parlament und Mitgliedstaaten geeinigt. Künftig darf die variable Vergütung höchstens doppelt so hoch sein wie das Fixgehalt. Verlierer der Einigung ist Großbritannien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/boni-fuer-banker-eu-einigt-sich-auf-grenzen-a-886004.html
Staatliche Eingriffe funktionieren nun mal nicht. Weil man die Banken gerettet hat, muss man jetzt die Boni begrenzen. Als nächstes muss man die Fixgehälter begrenzen, denn die werden als Reaktion angehoben. Anschliessend muss man die Dienstwägen, und -wohnungen begrenzen, usw. Bis es dann irgendwann das "Europäische Amt für Gehaltsfragen und Rettungen in der Finanzbranche" gibt, mit 1000 hochbezahlten Bürokraten.
anderton 28.02.2013
2. ...
Zitat von sysopDPAIn der EU sollen Bonuszahlungen für Banker ab 2014 erstmals begrenzt werden. Darauf haben sich EU-Parlament und Mitgliedstaaten geeinigt. Künftig darf die variable Vergütung höchstens doppelt so hoch sein wie das Fixgehalt. Verlierer der Einigung ist Großbritannien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/boni-fuer-banker-eu-einigt-sich-auf-grenzen-a-886004.html
Sowas kann auch nur den Eurokraten einfallen. Wie wäre es mal mit kein Steuergeld mehr für Banken? Dann ist es mir auch egal wie viel Geld oder auch Boni da jemand bekommt!
hr_schmeiss 28.02.2013
3. Moin Spon!
Zitat von sysopDPAIn der EU sollen Bonuszahlungen für Banker ab 2014 erstmals begrenzt werden. Darauf haben sich EU-Parlament und Mitgliedstaaten geeinigt. Künftig darf die variable Vergütung höchstens doppelt so hoch sein wie das Fixgehalt. Verlierer der Einigung ist Großbritannien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/boni-fuer-banker-eu-einigt-sich-auf-grenzen-a-886004.html
Setzt ihr jetzt Grossbritannien schon mit seinen Bankern gleich? Na, eigentlich eine interessante Sichtweise: Nachdem das Empire militärisch nicht mehr zu halten war, hat man lediglich die Waffengattung gewechselt.
SNA 28.02.2013
4. Die böse böse EU
Na, wo bleiben die ewig gestrigen tumben EU - Basher?
elwu 28.02.2013
5. Verlierer
der Einigung sind vor allem die Bürger. Zum einen werden fast alle Banken nach wie vor als systemrelevant angesehen und mit unendlichen Steuergeldern herausgepaukt, anstatt -wie jetzt in Holland an der SNS Bank vorexerziert- zunächst die Aktionäre und die Mitarbeiter zur Haftung gezogen. Zum anderen werden dann halt die Fixgehälter auf noch abenteuerliche Summen erhöht, unterm Strich genehmigen sich die Bankster und deren Spezies in den Aufsichtsräten auch künftig immer mehr und mehr. Dabei gäbe es eine einfache, gerechte Lösung: kein Einkommen (einschließlich Pensionszusagen, geldwerten Vorteilen uswusf). in einem Unternehmen, ob Bank oder sonstwas, darf höher sein als z.B. das 25-fache des niedrigsten und das 10 fache des Durchschnittseinkommens (wobei beim Durchschnitt die Top 10% der Verdiener im Unternehmen nicht mitberechnet werden).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.