Buchhandel Frankreichs Kulturministerin wettert gegen Amazon

Harsche Worte findet Aurélie Filippetti, wenn es um die Interessen der französischen Kulturbranche geht. Man habe genug von den Dumping-Praktiken des Internetbuchhändlers Amazon, wetterte die Ministerin auf einer Tagung mit französischen Verlegern.

Amazon-Buchpaket (Archiv): In Frankreich bald nicht mehr portofrei?
dpa

Amazon-Buchpaket (Archiv): In Frankreich bald nicht mehr portofrei?


Hamburg/London - Frankreichs Kulturministerin Aurélie Filippetti schießt scharf gegen den Internetbuchhändler Amazon. Dieser "zerstöre die nationalen Buchläden", sagte sie laut einem Bericht der "Financial Times" in Bordeaux. Dort kündigten die französische Regierung und nationale Verleger ein Neun-Millionen-Euro-Förderpaket zur Unterstützung der lokalen Buchhändler an.

"Jeder von uns hat genug von den Amazon-Praktiken, den Markt mit Dumping-Preisen zu unterwandern, um sie wieder anzuheben, wenn es eine Quasi-Monopolstellung gibt", wetterte Filippetti demnach weiter. Sie erwäge bereits ein Verbot des kostenlosen Versandes und eine Neuordnung der erlaubten Buchrabatte. Diese könnten auf fünf Prozent begrenzt werden.

Filippettis scharfe Töne bilden zunächst den Endpunkt einer ganzen Reihe von Angriffen auf internationale Online-Dienstleister seitens der französischen Regierung. So hatte Industrieminister Arnaud Montebourg erst im letzten Monat eine geplante 75-Prozent-Übernahme der Video-Plattform Daily Motion durch Yahoo verhindert. Daily Motion gehört der France Telecom, an der der französische Staat beteiligt ist.

Wenig später hatte der Industrieminister Apple als "extrem brutal" bezeichnet, weil es ein französisches Start-up-Unternehmen nicht für seinen App Store zugelassen hatte. Und Filippetti selbst trat für die Einführung einer Steuer auf Smartphones und andere Internettechnologien ein, um "Frankreichs Kultur" vor der Flut meist englischsprachiger Digitalangebote zu schützen.

Filippetti nahm auch diesmal kein Blatt vor den Mund, obwohl Amazon einige große Logistikzentren im Land betreibt. Erst vor einem Jahr hatte ihr Kabinettskollege Montebourg ein Werk mit 500 Mitarbeitern in Chalon-sur-Saône eröffnet.

mli



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RedOrc 04.06.2013
1.
Zitat von sysopdpaHarsche Worte findet Aurélie Filipetti, wenn es um die Interessen der französischen Kulturbranche geht. Man habe genug von den Dumping-Praktiken des Internetbuchhändlers Amazon, wetterte die Ministerin auf einer Tagung mit französischen Verlegern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bordeaux-frankreichs-kulturministerin-wettert-gegen-amazon-a-903691.html
Aha. Weil die französischen Internetangebote anscheinend nicht interessant genug für die Franzosen sind, möchte man die User mit einer Steuer vor dem Internet als solches abhalten? Klingt irgendwie wie eine Mutter, die ihrem Kind das Taschengeld kürzt, damit es kein "unnützes Zeug" wie Schokolade oder so kauft. Und da dachte ich, dass nur Deutschland so drauf wäre...
weltenbummler1 04.06.2013
2. Ablenkung
Die haben anscheinend nichts besseres zu tun. Ich meine man könnte ja mal die eigene Industrie in Schwung bringen anstatt sich über erfolgreiche, ausländische Unternehmen zu mokieren!
Manwirddasdochsagendürfen 04.06.2013
3. Wettert zu Recht
Mir scheint der Autor dieses Artikels steht im Sold von Amazon, Apple und Konsorten. Der Industrieminister Montebourg wettert zu Recht gegen den Missbrauch der Marktmacht dieser Unternehmen.
Europa! 04.06.2013
4. Kulturpessimismus ist ein schlechter Ratgeber
Zitat von sysopdpaHarsche Worte findet Aurélie Filipetti, wenn es um die Interessen der französischen Kulturbranche geht. Man habe genug von den Dumping-Praktiken des Internetbuchhändlers Amazon, wetterte die Ministerin auf einer Tagung mit französischen Verlegern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bordeaux-frankreichs-kulturministerin-wettert-gegen-amazon-a-903691.html
So hübsch die kleinen Buchläden sind - gegen die großartige Vision von Jeff Bezos stehen sie auf verlorenem Posten. Amazon hat den Geist der Bücher wieder zum Tanzen gebracht. Bezos ist Genie!
Brennstoff 04.06.2013
5. Neue Vertriebswege, Konkurrenz und Protektionismus
Was hatten protektionistische Maßnahmen in der Vergangenheit zum Ergebnis? Erst blieb die Wirtschaft auf diesem Gebiet zurück, schließlich setzten sich die Neuerungen allen Gegenmaßnahmen zum Trotz durch. Oder glaubt hier einer, die Printmedien könnten das Internet wieder abschaffen, weil es den Vertrieb seiner Zeitungen zu stark beeinträchtigt? Der amerikanische, der deutsche Buchhandel weltweit kämpft genauso gegen Amazon und Co wie der französische, macht sich aber dahingehend nichts vor, sondern sinnt auf neue Lösungen. Nicht der Staat ist gefordert, sondern der Buchhandel befindet sich im Wandel und muss neue Strategien entwickeln. Darüber kann man sich lautstark beklagen oder sich etwas einfallen lassen. Nur hat das Gejammer noch nie auch nur das kleinste Geschäft gerettet. Es ist nach wie vor schöner, sich ein Buch beim anheimelnd, leicht eingestaubten und gemütlichen Händler an der Ecke zu kaufen, kurz einen Schwatz zu halten und mit der frisch erworbenen Lektüre voller Vorfreude auf das Abenteuer Lesen nach Hause zu schlendern. Da genau liegen seine Stärken, in der Nähe zum Leser. Aber ein weiter wie bisher funktioniert nun mal leider nicht. Man betrachte nur die Handelsriesen, die in Deutschland den Buchmarkt inzwischen unter sich aufteilen. Ob das schön ist oder nicht, auch der Kleinbuchhandel passt sich an oder geht unter. Das Gesetz des Marktes ist unerbittlich. Die Buchmarkt verändert sich rasant und wer zu spät kommt.... Na, Sie wissen schon!
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