Trotz Brexit Boris Johnson will Brücke über Ärmelkanal

Schnapsidee oder ernsthafter Plan? Der britische Außenminister Boris Johnson wirbt laut einem Bericht für eine Brücke über den 32 Kilometer breiten Ärmelkanal. Angeblich ist auch Emmanuel Macron dafür.

Blick auf den Ärmelkanal
In Pictures via Getty Images

Blick auf den Ärmelkanal


Als prominenter Verfechter des Brexit hat Boris Johnson bewiesen, dass er auch gewagte Projekte nicht scheut. Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist zwar längst nicht geregelt, doch der britische Außenminister hat offenbar das nächste Großvorhaben im Blick: Britischen Medien zufolge wirbt er für eine Brücke über den Ärmelkanal.

Laut "Daily Telegraph" sprach Johnson die Idee auf dem britisch-französischen Regierungsgipfel an. So habe er zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gesagt, es sei doch verrückt, dass zwei der stärksten Volkswirtschaften der Welt lediglich mit einer Eisenbahnstrecke verbunden seien, obwohl sie nur 20 Meilen (etwa 32 Kilometer) auseinanderliegen.

Johnson habe daher den Bau einer zweiten Verbindung vorgeschlagen. Macron antwortete laut der Zeitung: "Sehe ich auch so. Lasst es uns machen."

Britischer Außenminister Boris Johnson
AFP

Britischer Außenminister Boris Johnson

Via Twitter machte Johnson ebenfalls Andeutungen zu einem Großprojekt. Er schrieb, es werde eine Expertengruppe geben, um große Vorhaben anzugehen. "Unser ökonomischer Erfolg basiert auf guter Infrastruktur und guten Verbindungen", twitterte Johnson. "Vielleicht ist der Tunnel ja nur der erste Schritt?"

Eine Zugverbindung zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland besteht seit 1994 durch den Eurotunnel. Er ist mit 50 Kilometern der drittlängste Eisenbahntunnel der Welt, 38 Kilometer davon verlaufen unter dem Meer. Außerdem verkehren Fähren zwischen beiden Ländern.

Architekten hatten in den Sechzigerjahren sogar die Vision einer Brückenstadt über dem Ärmelkanal ins Spiel gebracht. Vorschläge für eine Straßenbrücke über dem Meer hatte es bereits in den Achtzigerjahren gegeben, sie waren damals aber verworfen worden.

Die nun Johnson zugeschriebene neue Idee einer Brücke stößt bei Bauexperten und Politikern auf ein geteiltes Echo. Die Reaktionen reichen von "technisch machbar" bis "Clownerie".

Eine andere Brücken-Idee scheiterte

Öffentlich kam die Tunnel-Idee während des britisch-französischen Regierungsgipfels nicht zur Sprache. Laut "Daily Telegraph" machte Johnson den Vorschlag nur hinter verschlossenen Türen. Demnach soll eine 22 Meilen lange Brücke gebaut und aus privaten Mitteln finanziert werden.

Die Brücke könne nach dem Brexit dazu beitragen, den Tourismus und den Warenverkehr zu fördern. "Die Technik entwickelt sich ständig weiter, und es gibt anderswo viel längere Brücken", zitiert die Zeitung den Minister.

Offenbar hat Johnson schon seit Längerem ein Faible für Brücken. So hatte er sich als Londoner Bürgermeister für die "Garden Bridge" eingesetzt. Angelegt wie ein Park sollte sie die Themse überspannen. Aus dem Projekt wurde aber nichts. Es wurde vergangenes Jahr aus Kostengründen abgeblasen.

mmq/Reuters/dpa



insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
nichtsnutzer 19.01.2018
1. Rechts oder Linksverkehr auf der Brücke
Das ist mir sofort durch den Kopf gegangen
pfeiffffer 19.01.2018
2.
Ist das bei dem Wetter, was da im Kanal herrscht, nicht etwas riskant? Wenn die ersten leeren LKW von der Brücke geweht werden, ist das Geschrei wieder groß und keiner will's vorher gewußt haben..
dwg 19.01.2018
3.
Na ja, das wird eine technische Herausforderung. Die Entfernung ist es nicht sondern die Wassertiefe von bis zu 170m. Und das Wetter. Und die nötige Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt. Dagegen ist die Öresundbrücke eine putzige Fingerübung, die auch schon eine Milliarde gekostet hat (Wassertiefe
Klaus Busse 19.01.2018
4. Schnapsidee ist übermäßig freundlich formuliert…
Erst den Austausch mit dem Brexit abwürgen, und dann mit einer Brücke wiederbeleben? Ich möchte auch etwas von dem Zeug, dass der raucht…
dendro 19.01.2018
5. Der europäische Trump ...
Er ist halt der Trump Europas. Was kann man da schon an Geistesblitzen erwarten?
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