BP-Boss Tony Hayward Das Gesicht der schwarzen Pest

Vor wenigen Monaten noch war Tony Hayward eine Lichtgestalt der Energiebranche, jetzt ist er das Gesicht der Ölkatastrophe. Immer wieder blamierte er BP, nun gibt er den Job als oberster Krisenmanager im Golf von Mexiko ab. SPIEGEL ONLINE rekonstruiert Haywards Absturz. Ein Drama in fünf Akten.

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Hamburg - Es ist erst gut zwei Monate her, da wurde Tony Hayward euphorisch gefeiert. Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise verkündete der BP-Chef am 27. April einen Quartalsgewinn von 5,6 Milliarden Dollar. Der Konzern bejubelte ihn als Meisterreformer, als Macher, der dem ehemaligen Energiekonzern des British Empire eine große, strahlende Zukunft eröffnet. Hayward, der Kleinbürger aus dem Londoner Vorort Slough, war auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Seit dem Tag der Glanzbilanz ist er tief gestürzt. Weil die Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" explodierte und im Meer versank, ging es mit seiner Karriere rapide bergab. BPs Bohrunfall verursachte die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Amerikas, seit mehr als sieben Wochen strömen jeden Tag Millionen Liter Öl ins Meer. Das Unglück erschüttert die Grundfesten des britischen Traditionskonzerns und wird das Ökosystem im Golf über Jahrzehnte belasten.

Niemand personifiziert das Drama so sehr wie Tony Hayward. Er ist jetzt nicht mehr das Reformgenie, er ist Amerikas Sündenbock. Politiker, Medien und die Menschen, denen Lebensgrundlage BPs Ölteppich erstickt, dreschen auf ihn ein. Hayward rangiert plötzlich in der Liga der am meisten gehassten Manager, zusammen mit Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein ("Banken verrichten Gottes Werk") und Toyota-Chef Akio Toyoda, dessen Konzern Millionen Autos wegen klemmender Gaspedale zurückrufen musste. So groß ist der Hass, dass Haywards Familie inzwischen Morddrohungen erhält.

"Jeder dachte, es würde schneller gehen"

Am Freitag hat Aufsichtsratschef Carl-Henric Svanberg Konsequenzen gezogen: Er nahm Hayward aus der Schusslinie und übergab das Krisenmanagement im Golf von Mexiko mit sofortiger Wirkung an den Manager Robert Dudley. Der war schon am 4. Juni zum Langzeit-Krisenmanager ernannt worden, sollte seinen Job aber eigentlich erst antreten, nachdem das "Deepwater Horizon"-Leck gestopft ist.

Nach der Entscheidung rügte Svanberg den BP-Boss. Acht Wochen habe Hayward Zeit gehabt, die Krise in den Griff zu bekommen, sagte er dem TV-Sender "Sky News". "Jeder dachte, es würde schneller gehen."

Und Hayward? Der besuchte am Samstag eine Yachtregatta vor der Isle of Wight in England, an der auch sein extravagantes, 700.000 Dollar teures Segelschiff "Bob" teilnahm. Die von der Ölkatastrophe betroffenen Küstenbewohner in den USA reagierten mit Empörung, das Weiße Haus sprach von einem PR-Fiasko. "Wir können nicht einmal mehr zum Fischen rausfahren, und er geht zu Yachtrennen", sagte Küstenbewohner Bobby Pitre aus Louisiana erbost. "Ich wünschte, wir könnten uns auch einmal einen Tag frei vom Öl nehmen."

Noch hält BP an Hayward als Vorstandschef fest, doch seine Geschichte ist schon jetzt ein Drama in fünf Akten. Die Chancen steigen, dass dieses mit Haywards Entlassung endet.

SPIEGEL ONLINE hat die Etappen des Niedergangs dokumentiert.

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Seite 1
merapi22 29.05.2010
1.
Zitat von sysopUS-Präsident Barack Obama geriet über die Vorgänge im Golf von Mexiko in die Kritik. Sein Krisenmanagement und sein Umgang mit BP werden kontrovers diskutiert. Aber welche Möglichkeiten hätte er? Sind die Ölkonzerne politische überhaupt noch zu kontrollieren?
Man muss die Macht der Ölkonzerne durch ein neues Gesetz beschneiden, das der mächtigsten Lobby Amerikas so richtig weh tut: Dem Verbot der Ölförderung im Meer! Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
emigskarl 29.05.2010
2. Und Gott ist weiß und hat einen Rauschebart?
Zitat von merapi22Man muss die Macht der Ölkonzerne durch ein neues Gesetz beschneiden, das der mächtigsten Lobby Amerikas so richtig weh tut: Dem Verbot der Ölförderung im Meer! Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
Die USA funktionieren nur durch gigantische Ressourcenvergeudung. Irgendwo muss das Zeug herkommen. Gas aus Wyoming - was dort gerade einen gigantischen Boom erzeugt, Öl aus Lousiana - was dort gerade eine Ölpest erzeugt. Schwund ist eben überall, und da braucht gar nichts politisch geregelt zu werden. Wenn jeder Einzelne weniger Benzin verbraucht, ist das in den Gewinnen der Konzerne zu spüren - nicht aber durch Lobbyarbeit verwässerte Umweltgesetze, die nur scheinbar eine zahnlose EPA stärken sollen.
pulegon 29.05.2010
3. Milchmädchenrechnung
Zitat von merapi22Man muss die Macht der Ölkonzerne durch ein neues Gesetz beschneiden, das der mächtigsten Lobby Amerikas so richtig weh tut: Dem Verbot der Ölförderung im Meer! Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
Dann warte ich mal, wer zuerst Schreit... die Ölkonzerne oder der Verbraucher. Konstante Nachfrage bei verknappten Angebot ist das perfekte Argument für Preissteigerungen. Wenn man versucht multinational agierende Konzerne mit nationalen Gesetzen zu kontrollieren, dann brauch man sich nicht wundern, das dass nicht funktioniert... Kleiner Tipp offshore (http://dict.leo.org/?lp=ende&from=fx3&search=offshore) außerhalb der Küstengewässer liegend vllt. einfach mal internationale Gesetze und Vereinbarungen schaffen?
merapi22 29.05.2010
4.
Zitat von pulegonDann warte ich mal, wer zuerst Schreit... die Ölkonzerne oder der Verbraucher. Konstante Nachfrage bei verknappten Angebot ist das perfekte Argument für Preissteigerungen. Wenn man versucht multinational agierende Konzerne mit nationalen Gesetzen zu kontrollieren, dann brauch man sich nicht wundern, das dass nicht funktioniert... Kleiner Tipp offshore (http://dict.leo.org/?lp=ende&from=fx3&search=offshore) außerhalb der Küstengewässer liegend vllt. einfach mal internationale Gesetze und Vereinbarungen schaffen?
Da haben Sie Recht, nur ein Verbot reicht nicht, man muss Alternativen schaffen, etwa Neue Kraftstoffe E85, Wasserstoff usw., aber die Konzerne kann man auch an die Leine legen. Wie die Kuba - Blockade zeigt sogar erfolgreich. Ja, außerhalb der Küstengewässer - offshore, macht ja auch Norwegen, kann man nur ueber die UNO in den Griff bekommen. Was man nicht versteht, wir leben auf einer Feuerkugel und haben ein Energieproblem: „99 Prozent unseres Planeten sind heißer als 1000*°C; ca. 90*Prozent des Rests sind immer noch heißer als 100*°C. Fast überall hat das Erdreich in 1*Kilometer Tiefe eine Temperatur von 35*°C bis 40*°C.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Geothermie Sind da die Öl – und andere Lobbyisten schuld, das man das naheliegende vergisst, das Feuer unter unseren Füßen?
Rainer Helmbrecht 29.05.2010
5.
Zitat von sysopUS-Präsident Barack Obama geriet über die Vorgänge im Golf von Mexiko in die Kritik. Sein Krisenmanagement und sein Umgang mit BP werden kontrovers diskutiert. Aber welche Möglichkeiten hätte er? Sind die Ölkonzerne politische überhaupt noch zu kontrollieren?
Die Frage ist doch verengt auf Öl gestellt, sie müsste lauten, wie viele Konzerne, sind Staaten ebenbürtig, oder sogar durch Lobbyismus und Bestechung so einflussreich, dass man von Überlegenheit sprechen kann. Meiner Meinung nach, ein bereits jetzt nicht mehr umkehrbarer Prozess. MfG. Rainer
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