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Ausgabe 3/2012

Brandbrief: Ex-Währungshüter Stark attackiert EZB-Kurs

Der Ex-Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank zeigt sich unversöhnlich: Jürgen Stark hat nach SPIEGEL-Informationen einen Brief an die Beschäftigten der Notenbank geschrieben, in dem er den Aufkauf von Staatsanleihen massiv kritisiert. Die EZB könne die Probleme der Euro-Zone nicht lösen.

Jürgen Stark: "Mandat der EZB ins Extreme gedehnt" Zur Großansicht
REUTERS

Jürgen Stark: "Mandat der EZB ins Extreme gedehnt"

Hamburg - Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, hat das Verhalten der Institution in der Euro-Krise heftig kritisiert - und nachträglich die Gründe für seinen Rücktritt geliefert. In einem Abschiedsbrief wirft Stark seinen Ex-Kollegen im EZB-Rat vor, Entscheidungen getroffen zu haben, "die das Mandat der EZB ins Extreme gedehnt haben".

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Er sehe das Risiko, dass die Notenbank wegen ihrer Aufkäufe am Anleihemarkt zunehmend "unter fiskalischer Dominanz operiere", schreibt Stark in dem Brief an die 1600 Beschäftigten der Notenbank. Es sei eine "Illusion zu glauben, dass die Geldpolitik große strukturelle und fiskalische Probleme in der Euro- Zone lösen kann". Wann immer in der Geschichte sich eine Notenbank der Haushaltspolitik untergeordnet habe, musste sie Zugeständnisse bei ihrer eigentlichen Aufgabe machen, den Geldwert stabil zu halten, warnt Stark.

Der 63-jährige Stark hatte im September seinen Rückzug aus der EZB-Führung bekanntgegeben. Damals nannte er zunächst nur persönliche Gründe für sein Ausscheiden. Doch Experten vermuteten bereits damals, dass in Wahrheit sein Widerstand gegen den Kurs der Notenbank ausschlaggebend war.

Stark gilt als geldpolitischer Hardliner und war wie Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber strikt dagegen, dass die EZB in der Schuldenkrise als Retter auftritt - und massiv Staatsanleihen kriselnder Länder aufkauft.

Im Dezember sagte Stark in einem Interview, dies sei keine Lösung - auch wenn das "90 Prozent der selbsternannten Experten anders sehen". Wer nun die US-Notenbank "als leuchtendes Beispiel" nenne, zeige nur sein "Unverständnis des institutionellen Rahmens" in Europa.

cte

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1. Überraschung ist keine
Neapolitaner 15.01.2012
Zitat von sysopDer Ex-Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank zeigt sich unversöhnlich: Jürgen Stark hat nach SPIEGEL-Informationen einen Brief an die Beschäftigten der Notenbank geschrieben, in dem er den Aufkauf von Staatsanleihen massiv kritisiert. Die EZB könne die Probleme der Euro-Zone nicht lösen. Brandbrief: Ex-Währungshüter rechnet mit EZB-Kurs ab - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809199,00.html)
Dass Monti&Draghi auf den Kurs des Gelddruckens einschwenken würden, war klar. Beide sind Goldman-Sachs verbunden. Die EZB ist die Reservebank des europäischen Bankensystems. Die 500 Mia. Tranche war und ist ein reines Geldgeschenk an die Banken, im Fall Italien noch mit der angenehmen Nebenwirkung, zugleich die Staatsfinanzierung sicherzustellen. In gewisser Weise haftet Starks Rücktritt etwas Lächerliches an. Er scheint den Primat der Politik (= Bankenwesen) nicht kapiert zu haben, für die "reine Lehre des Zentralbankwesens" interessiert sich (außerhalb Deutschlands) niemand.
2.
TeufelimDetail 15.01.2012
Zitat von sysopDer Ex-Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank zeigt sich unversöhnlich: Jürgen Stark hat nach SPIEGEL-Informationen einen Brief an die Beschäftigten der Notenbank geschrieben, in dem er den Aufkauf von Staatsanleihen massiv kritisiert. Die EZB könne die Probleme der Euro-Zone nicht lösen. Brandbrief: Ex-Währungshüter Stark attackiert EZB-Kurs - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809199,00.html)
Als wenn unter diesem selbsternannten Währungshüter der Euro stabil gehalten worden wäre, oder warum muss dann, seit mittlerweile drei Jahren der Euro jede Woche gerettet werden? Der Arbeitet an der Zerstörung (gedanklich) einfach weiter. Unter seiner Regide ist der Euro abgeschmettert das aber will dieser Währungsverhütungsversager nicht wahrhaben, jede seiner Empfehlungen führt in den endgültigen Kollaps.
3. Leider
General_Turgidson 15.01.2012
Zitat von NeapolitanerIn gewisser Weise haftet Starks Rücktritt etwas Lächerliches an. Er scheint den Primat der Politik (= Bankenwesen) nicht kapiert zu haben, für die "reine Lehre des Zentralbankwesens" interessiert sich (außerhalb Deutschlands) niemand.
Leider ist das noch viel zu weit gegriffen. Bis auf weniger "Rebellen", interessiert sich in den etablierten Parteien und bei den Meinungsmachern doch auch niemand mehr für rationale, also gutmenschentraumfreie Geldpolitik. Dankenswerter Weise versorgt der Bundespräsident uns gerade mit ein paar Ersatzschlagzeilen. In deren Windschatten kann wieder ein paar Wochen lang weitergewurschtelt werden, bis so eine fiese Ratingagentur es wagt wieder mit dem Terrorinstrument FAKTEN am Stamm des Träumchenbäumchens Euro zu sägen.
4. Unüberlegt gehandelt !
mauskeu 15.01.2012
Zitat von sysopDer Ex-Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank zeigt sich unversöhnlich: Jürgen Stark hat nach SPIEGEL-Informationen einen Brief an die Beschäftigten der Notenbank geschrieben, in dem er den Aufkauf von Staatsanleihen massiv kritisiert. Die EZB könne die Probleme der Euro-Zone nicht lösen. Brandbrief: Ex-Währungshüter Stark attackiert EZB-Kurs - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809199,00.html)
Mit seinem Rücktritt hat er der Sache geschadet. Er hätte doch dagegen sein können, aber nun ist sein Posten von einem Mann besetzt, der nicht diegleiche kritische Haltung hat. Stark dachte nur an sich, aber nicht an die Sache an sich. Seine Entscheidung war unüberlegt, weil seine Position nicht automatisch mit jemendem besetzt würde, der seine Haltung teilen wüde.
5. Starker Schwächling
Liberalitärer 15.01.2012
Zitat von Neapolitaner...für die "reine Lehre des Zentralbankwesens" interessiert sich (außerhalb Deutschlands) niemand.
Zu Recht, ein Land, dass Land, das innerhalb des letzten Jajrhunderts ein paar mal seine Währung gewechselt hat, sollte vielleicht mal seine Klappe halten. Und ein 2 Prozent Inflationsziel einzuhalten kann ein Drittklässler. Stark sollte sich lieber fragen, warum er und seine Truppe nicht einmal in der Lage sind asset price inflation zu messen. Ist ja normal, dass eine ein Zimmer Bude in Dublin mehr kostet als eine Villa in Berlin Dahlem. Danke, dass Sie gegangen sind Herr Stark, wenn auch als Herr Schwach.
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