Brandbrief: Ex-Währungshüter Stark attackiert EZB-Kurs
Der Ex-Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank zeigt sich unversöhnlich: Jürgen Stark hat nach SPIEGEL-Informationen einen Brief an die Beschäftigten der Notenbank geschrieben, in dem er den Aufkauf von Staatsanleihen massiv kritisiert. Die EZB könne die Probleme der Euro-Zone nicht lösen.
Hamburg - Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, hat das Verhalten der Institution in der Euro-Krise heftig kritisiert - und nachträglich die Gründe für seinen Rücktritt geliefert. In einem Abschiedsbrief wirft Stark seinen Ex-Kollegen im EZB-Rat vor, Entscheidungen getroffen zu haben, "die das Mandat der EZB ins Extreme gedehnt haben".
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Der 63-jährige Stark hatte im September seinen Rückzug aus der EZB-Führung bekanntgegeben. Damals nannte er zunächst nur persönliche Gründe für sein Ausscheiden. Doch Experten vermuteten bereits damals, dass in Wahrheit sein Widerstand gegen den Kurs der Notenbank ausschlaggebend war.
Stark gilt als geldpolitischer Hardliner und war wie Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber strikt dagegen, dass die EZB in der Schuldenkrise als Retter auftritt - und massiv Staatsanleihen kriselnder Länder aufkauft.
Im Dezember sagte Stark in einem Interview, dies sei keine Lösung - auch wenn das "90 Prozent der selbsternannten Experten anders sehen". Wer nun die US-Notenbank "als leuchtendes Beispiel" nenne, zeige nur sein "Unverständnis des institutionellen Rahmens" in Europa.
cte
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