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Brandbrief: Familienfirmen wollen Schuldensünder aus der Euro-Zone drängen

Die früher größten Anhänger der schwarz-gelben Koalition avancieren zu den schärfsten Kritikern: Die Familienunternehmer protestieren in einer "Berliner Erklärung" gegen die Euro-Politik der Regierung - und verlangen die Möglichkeit, Länder wie Griechenland aus der Währungsunion auszuschließen.

Kanzlerin Merkel: "Verhängnisvollen Weg eingeschlagen" Zur Großansicht
AP

Kanzlerin Merkel: "Verhängnisvollen Weg eingeschlagen"

Berlin - Die 620 Abgeordneten des Bundestags bekommen in diesen Tagen Post von einem der größten Mittelstandslobbyisten Deutschlands: der Stiftung Familienunternehmen. Es soll ein Brandbrief sein, in dem rund 100 Firmen mit zusammen knapp 200.000 Mitarbeitern gegen die Euro-Politik der Bundesregierung protestieren. In einer gemeinsamen Erklärung fordern sie die Abgeordneten des Bundestages auf, "der verantwortungslosen Schulden-Politik Deutschlands ein Ende zu setzen".

Dazu wollen sie grundlegende Änderungen in den Verträgen zur Währungsunion erreichen: "Austritt und Ausschluss müssen möglich werden", heißt es in der "Berliner Erklärung". Das Papier sei von rund 100 Unternehmen unterzeichnet, die pro Jahr rund 38 Milliarden Euro umsetzen.

Der Appell dürfte aus Sicht der Bundesregierung zur Unzeit kommen: In dieser Woche stimmt das griechische Parlament über ein neues Sparprogramm ab, das Voraussetzung für weitere Milliardenhilfen aus der EU ist. Ein neues Hilfspaket soll bereits am 3. Juli von den Staats- und Regierungschefs der EU auf den Weg geschickt werden. Dass der Brief ausgerechnet in dieser Woche abgeschickt wird, ist also kein Zufall - und muss als Affront gegen die Politik der schwarz-gelben Koalition gewertet werden.

"Die Bundesregierung hat mit ihrer Euro-Rettungsschirm-Politik einen verhängnisvollen Weg eingeschlagen", heißt es in der Erklärung der Unternehmer, die als typische Wähler von Union und FDP gelten. Sie trage die Verantwortung, dass die mit Einführung des Euros beschlossene Obergrenze für die Staatsschulden nicht eingehalten worden sei und habe dazu beigetragen, der Europäischen Zentralbank ihre Unabhängigkeit zu nehmen.

Mit der Rettung Griechenlands sei zudem die im Vertrag von Lissabon festgelegte "No-Bail-out"-Klausel über Bord geworfen worden. Dieser Passus verbietet es, zur Lösung der Zahlungsprobleme eines Landes das Geld der Steuerzahler eines anderen Landes heranzuziehen. "Die Währungsunion ist seither eine Transferunion", klagen die Unternehmer, die größte Last trage die Bundesrepublik.

Ein prominenter Unterzeichner der Erklärung ist laut "Welt" der Unternehmer Reinhold Würth. Auch er spricht sich mit seiner Unterschrift dafür aus, den Austritt oder sogar den Ausschluss von einzelnen Defizit-Ländern zu ermöglichen. Schwarz sieht er für den Fall, dass der Euro-Raum komplett zerbräche. "Würden Griechenland und andere hochverschuldete Euro-Länder zahlungsunfähig, würde vermutlich weltweit der GAU (Größter anzunehmender Unfall) erreicht mit dem Konkurs vieler großer Geschäftsbanken", sagte er "Welt Online". "In der Folge würde die Weltkonjunktur kollabieren, eine weltweite Währungsreform wäre denkbar und das Menetekel Erich Honeckers bei seiner Abreise ins Exil könnte durchaus wahr werden: Der Kommunismus ist nicht tot, er hat nur eine Schlacht verloren."

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1. Liebe Familienfirmler
jocurt, 27.06.2011
Zitat von sysopDie früher größten Anhänger der schwarz-gelben Koalition avancieren zu den*schärfsten Kritikern: Die*Familienunternehmer protestieren in einer "Berliner Erklärung"*gegen die Euro-Politik der Regierung - und verlangen die Möglichkeit, Länder wie Griechenland aus der Währungsunion auszuschließen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,770666,00.html
dann protestiert bitte genauso gegen Milliardensubventionen für Großunternehmen und für den Mindestlohn. Denn ihr seid es doch die als Mittelständler und eher lokal agierende Firmen unter der Gier der exportorientierten und am EURO interessierten Großunternehmen leidet. Aber, da ist Schweigen im Walde, bis auf ein Paar Rufer in der Wüste, wie bspw. der Chef von dm .
2. Kapitalisten hin oder her
blaudistel 27.06.2011
wo sie Recht haben - da haben Sie Recht Honneckers Menetekel allerdings kann man in die Tonne klopfen denn auch die Kommunisten konnten nicht wirtschaften - wie man gesehen hat - und werden es auch nicht lernen. Nur im Geld fremder Leute ausgeben - da sind sie gut. Wie im Moment Frau Merkel - ist doof dass zu Schreiben, ist aber so.
3. tja...
fritz_64 27.06.2011
ganz abgesehen davon das die ganze Rettungsschirmgeschichte letztendlich ein Politikum ist und nebenbei genau denen dient die die Misere mit verursacht haben, sind die Forderungen der Familienumternehmen absolut richtig und voll zu unterstützen. Es muss in der Zukunft eine Lösung geben den Euro über einen Austritt/Ausschluss aus der Eurozone zu retten, denn es kann doch nicht sein das ein Land das, wir berichtet 2% der Wirtschaftsleistung des Euroraumes representiert, den gesamten Euroraum in den Abgrund reisst...es wird Zeit damit aufzuhören gutes Geld dem schlechten hinterherzuwerfen...aber da wären wir ja wieder am Anfang...Politikum...Banken...
4. Klasse!
Mülheimer, 27.06.2011
Zitat von sysopDie früher größten Anhänger der schwarz-gelben Koalition avancieren zu den*schärfsten Kritikern: Die*Familienunternehmer protestieren in einer "Berliner Erklärung"*gegen die Euro-Politik der Regierung - und verlangen die Möglichkeit, Länder wie Griechenland aus der Währungsunion auszuschließen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,770666,00.html
Die Familienunternehmer zeigen mal wieder, dass sie in der Lage sind längerfristig zu denken: Politiker denken bis zur nächsten Wahl, die Familienunternehmer denken an die nächste Generation. Leider kommt dass alles sehr spät. Man hätte die Gegner der Währungsunion schoch vorher stärken müssen, denn diese war insgesamt ein Riesenfehler und ein Verbrechen am deutschen Volk.
5.
Darjaan 27.06.2011
reichlich spät, diese Einsprüche der Herrn Wirtschaftsbosse... als bekannt wurde das Griechenland gelogen hatte und seine Bilanzen gefälscht, um den Euro zu erhalten, da hätten sie umgehend aus der EU rausgeschmissen werden sollen... mit allen Konsequenzen für sie selbst... warum werden solche Möglichkeiten bei solch wichtigen Verträgen nicht mit einbezogen? Das was Griechenland gemacht hat, dafür würde man, wenn man sich als Privatmann ähnliches mit den USA erlauben würde, als Wirtschaftsterrorist verklagt werden.... Griechenland kann sich da nicht herausreden... haben die sich überhaupt schon entschuldigt? wurde schon festgestellt wer diese Bilanzfälschungen zu verantworten hat? Von wem kamen die Anweisungen? Warum wird derjenige noch nicht strafrechtlich verfolgt? sorry, aber wer die Aufnahmekriterien kennt muss sich bewusst sein, dass diese nicht nur zum Spaß da sind. der muss wissen was er anrichtet wenn er Angaben fälscht und damit eine ganze Währungsunion zum Sturz bringen kann... es ist ein Skandal dass darüber kein weiteres Wort verloren wird. wenn ich ihn den Niederlanden ein Strafzettel für falsches Parken bekomme und den nicht bezahle, dann wird mit den deustchen Behörden zusammen gearbeitet und man hat mich ganz schnell drann... wenn Staaten durch ihren Betrug, andere Staaten in wirtschaftliche Katastrophen stürzen, dann bleibt das ungeahndet? Wählt unsere Volksbetrüger endlich ab und stellt sie vor Gerichte...
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