Wirtschaftskrise im Schwellenland Brasilien plant erstmals Haushaltsdefizit

Die brasilianische Präsidentin Rousseff steht unter Druck. Das Land steckt in der Rezession, Autobauer halten deshalb schon die Bänder an. Jetzt reichte Rousseff den ersten Haushaltsplan in der Geschichte des Landes mit roten Zahlen ein.

Präsidentin Rousseff: Kampf um Vertrauen von Verbrauchern und Investoren
AFP

Präsidentin Rousseff: Kampf um Vertrauen von Verbrauchern und Investoren


Brasiliens Regierung hat ihre Erwartungen an die Staatsfinanzen deutlich nach unten korrigiert: Statt eines bislang erwarteten Überschusses von 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung geht sie nun von einem Primärdefizit von 0,34 Prozent aus. Nach Angaben mehrerer Nachrichtenagenturen reichte Präsidentin Dilma Rousseff damit erstmals in der Geschichte Brasiliens eine Haushaltsvorlage ein, die rote Zahlen vorsieht.

Mit der Vorlage will Rousseff den Kongress unter Druck setzen. Sie muss dringend neue Einnahmequellen erschließen, die Abgeordneten haben jedoch Widerstand bei unbeliebten Sparmaßnahmen angedroht.

Die brasilianische Wirtschaft war im Frühjahr kräftig geschrumpft und in eine Rezession gerutscht. Die Summe aller hergestellten Waren und Dienstleistungen sank zwischen April und Juni um 1,9 Prozent zum Vorquartal. Damit fiel das Bruttoinlandsprodukt schwächer aus, als es Ökonomen erwartet hatten. Schon zum Jahresanfang war die größte Volkswirtschaft Südamerikas um 0,7 Prozent geschrumpft. Bei zwei rückläufigen Quartalen in Folge sprechen Experten von einer Rezession.

Für die schlechte Entwicklung wird auch Rousseff verantwortlich gemacht. Ihre Beliebtheit fiel in Umfragen zuletzt auf einstellige Prozentwerte. So hat ihr Bemühen, die Ausgaben zu kürzen und die Steuern zu erhöhen, kaum geholfen, um verloren gegangenes Vertrauen aufseiten der Investoren und Konsumenten zurückzugewinnen.

Die Investitionen fielen im Frühjahr um 8,1 Prozent und damit das achte Quartal in Folge. Eine ähnlich lange Negativ-Serie hat es seit Erhebung der Daten 1996 noch nicht gegeben.

Daimler Chart zeigen kündigte am Montag an, wegen der Absatzkrise in Brasilien würden Arbeitszeit und Bezahlung seiner Belegschaft im Nutzfahrzeug-Werk in Sao Bernardo in der Nähe von Sao Paulo um je ein Fünftel gekürzt. Der US-Autobauer General Motors Chart zeigen (GM) reagiert mit einem Produktionsstopp im Nachbarland Argentinien. An vier Tagen im September stünden die Bänder in den dortigen GM-Werken still, teilte die Opel-Mutter mit. Brasilien ist der Hauptabnehmer der in Argentinien produzierten GM-Fahrzeuge. Von Juni auf Juli war die Fahrzeugproduktion im Land bereits um rund 16 Prozent gesunken.

dab/dpa/Reuters



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insgesamt 19 Beiträge
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Volksverretter 01.09.2015
1. Brasilien plant erstmals Haushaltsdefizit
Wenn ich mir die Staatsverschuldung Brasiliens so anschaue, merkeln die nicht das erste mal mit 'nem Minus. Sie sagen es nur das erste mal von vorneherein. Man koennte auch sagen, die Politik holt etwas Ehrlichkeit nach. Aber: Natuerlich nur, um Gesetze auf den Weg zu bringen. Waeren die schon durch, wuerde der Plan kein minus vorsehen. Die Realitaet, spaeter, aber trotzdem ein Minus ausweisen. Schauebeln wir doch mal in einem Jahr, wieviel hoeher als geplant das Minus wurde.
spon-49j-k5ri 01.09.2015
2.
Verständnissfrage an das Forum, wieso hat Brasilien nie ein Defizit gehabt, laut Statista aber ~67% Staatsverschuldung?
thequickeningishappening 01.09.2015
3. Primaerdefizit von 0,34 Prozent
davon koennen andere Laender nur traeumen. Ausserdem ist Brasilien Rohstoffexporteur. Die Weltmarktpreise von Eisenerz , Kohle und Oel haben sich im letzten Jahr mehr als halbiert. Also ich tippe Mal, die von Ihnen veroeffentlichten Zahlen sind geschoent.
mgferber 01.09.2015
4. Wenn wunderts
Tja 12 Jahre wurde Geld fleissig verteilt . 25% der Bevölkerung bekommen Sozialhilfe,linke Staaten wie Kuba, Bolivien etc bekammen fleissig Geld.Da Brasilien "so reich" ist wurden vielen Staaten die Schulden erlassen.Und so nebenbei Fussballweltmeisterschaft und Olimpiade.Das in einem Land das sich gerade von 2% Inflation pro Tag erholt hatte. Das konnte nicht gut gehen.Aber Lula wurde in vielen Ländern hoffiert und hat dann seinen "Pfosten" wählen lassen.Er hat sich sehr damit gepriesen das der gewählt wird, der von im vorgeschlagen wird, auch wenn es nur ein Pfosten ist.Den Leuten anzudrohen das seine keine Sozialhife mehr bekommen wenn sie nicht brav Dima wählen hat natürlich auch geholfen.Viele Brasilianer träumen von einem besseren leben in Europa,z.B, Deutschland oder USA.
Don_Draper 01.09.2015
5. Es ist immer
das gleiche Problem, Staaten wie Brasilien oder Indien wachsen nur "einseitig", da wird weder die Infrastruktur mitgezogen noch die meisten Menschen. Die Chinesen machen das besser.
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