Brasilien-Besuch Merkel und Rousseff wollen Klimaschutz und Freihandel stärken

Brasilien bewegt sich ein wenig in der Klimafrage: Beim Besuch von Kanzlerin Merkel bekannte sich Gastgeberin Rousseff zum langfristigen Ausstieg aus der Kohle. Auch ein Freihandelsabkommen rückt näher.

Merkel und Rousseff in Brasília: "Großen Schritt gegangen"
AP/dpa

Merkel und Rousseff in Brasília: "Großen Schritt gegangen"


Brasilien will schrittweise aus den fossilen Energien Kohle, Öl und Gas aussteigen. Wenn die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt werden soll, müsse dies bis 2100 geschafft werden, sagte Staatspräsidentin Dilma Rousseff zum Abschluss der ersten deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen in der Hauptstadt Brasília. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wertete das Bekenntnis des fünftgrößten Landes der Welt als wichtiges Signal, um beim Klimagipfel im Dezember in Paris eine Einigung auf einen Weltklimavertrag zu erzielen.

"Brasilien ist einen großen Schritt gegangen", sagte Merkel. Es sei von "allergrößter Bedeutung", dass alle Länder sich bewegen.

Merkel sagte zudem, sie sehe gute Chancen für ein Freihandelsabkommen mit Brasilien und weiteren Staaten Südamerikas. Rousseff kündigte einen Vorschlag bis Ende des Jahres an. "Brasilien ist sehr ambitioniert", sagte Merkel angesichts der neuen Dynamik für ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur. Ein Freihandelsabkommen könnte deutschen Unternehmen neue Märkte erschließen.

Deutsche Autohersteller leiden unter Wirtschaftskrise

Seit 1999 verhandeln EU und Mercosur über Freihandel und den Abbau von Zollschranken. Vollmitglieder sind Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay und Venezuela. Besonders Venezuela bremst. Ein Knackpunkt ist die Sorge um eine Verdrängung einheimischer Agrarprodukte. "Wir müssen überlegen, ob wir Wege finden, die unterschiedliche Geschwindigkeiten gestatten", sagte Merkel.

Mit Blick auf die rund 1400 in Brasilien tätigen deutschen Unternehmen mahnte Merkel verlässliche Bedingungen an. "Die deutschen Unternehmen wollen das und sind dann auch bereit, noch mehr in Brasilien zu investieren", sagte sie. Von der schweren Wirtschaftskrise in Brasilien sind auch die im Land vertretenen deutschen Automobilhersteller betroffen. Merkel kündigte die nächsten Regierungskonsultationen für 2017 in Berlin an.

Brasilien ist ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Rio in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Ein Korruptionsskandal um geschmierte Politiker kostet die Regierung Vertrauen.

mka/dpa/AFP



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insgesamt 37 Beiträge
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rolandjulius 20.08.2015
1. Die Euro-Zone und Mercosur...
sind zwei Paar Stiefel. Mit dem Beispiel Griechenland, kann man in Südamerika keinen Hof machen. Schäuble und Frau Merkel deshalb noch viel weniger. Die Aussichten für 2017 finde ich lustig, will Frau Merkel damit sagen, dass sie die Wahl bereits gewonnen hat?
andreu66 21.08.2015
2. Natürlich, jetzt wo es bergab geht in Brasilien
wil man plötzlich die Umwelt schonen? Lol! Und glaubt Merkel das wirklich oder will sie einfach eine Schlagzeile im Sommerloch?
andihh75 21.08.2015
3.
Ich würde den Brasilianern raten sich auf keinen Fall auf ein Freihandelsabkommen einzulassen!
Mincedmax 21.08.2015
4.
Die brasilianische Regierung sollte vielmehr die Abholzung in den Griff kriegen - dass wäre mal ein entscheidender Fortschritt für Brasilien und die Welt. Dann hätten Sie auch weniger Probleme mit ihrem Trinkwasser in Sao Paulo - das wird inzwischen schon länger rationiert.
riosolar 21.08.2015
5. Brasilien's Energiekrise - Solarstrom hilft
Brasilien baut gerade überteuerte thermische Kraftwerke und ein AKW, um dem Verbrauchszuwachs Herr zu werden: Die Nutzung von Solarstrom wäre besser: Passt zum hohen Verbrauch im Sommer durch Kühl- und Klimaanlagen, lässt sich schnell aufbauen, ist (inwischen) billig und Brasilien kann durch das deutsche Know How profitieren.
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