Morddrohungen in Geldschein-Streit: Staatsanwalt verärgert gläubige Brasilianer

"Gott sei gelobt": Diesen frommen Spruch will ein Staatsanwalt in Brasilien von Geldscheinen streichen lassen. Doch er hat nicht mit der Wut einiger Frommer in dem weitgehend katholischen Land gerechnet. Per E-Mail bekam der Mann Morddrohungen.

Frommer Spruch (links unten) auf brasilianischem Geldschein: "Gott sei gelobt" Zur Großansicht
Corbis

Frommer Spruch (links unten) auf brasilianischem Geldschein: "Gott sei gelobt"

São Paulo - Ein Staatsanwalt will die Bürgerrechte in Brasilien wahren. Und dazu hat sich Jefferson Aparecido Dias nun die Geldscheine des Landes vorgenommen. "Deus seja louvado" (übersetzt: "Gott sei gelobt") steht auf den Banknoten. Dias sieht darin einen Verstoß gegen das laizistische Prinzip des Landes und will den Spruch streichen lassen. Damit hat er offenbar Gläubige gegen sich aufgebracht.

Seit Veröffentlichung seiner Pläne habe er einige E-Mails mit Morddrohungen erhalten, sagte Dias dem Nachrichtenportal Terra. In Brasilien bekennen sich rund 65 Prozent der Bürger zum katholischen Glauben, es ist damit das zahlenmäßig größte katholische Land der Erde.

Dias sagte, es gehe ihm um den Schutz der "Religionsfreiheit für alle Bürger", auch wenn die Mehrheit der Brasilianer sich zum christlichen Glauben bekenne. "Stellen wir uns Real-Scheine mit folgenden Ausdrücken vor: "Allah sei gelobt", "Buddha sei gelobt", ... "Gott existiert nicht". Mit Sicherheit gäbe es eine Auflehnung in der brasilianischen Gesellschaft wegen des Zwangs, den gottgläubige Bürger erlitten", heißt es in der von ihm formulierten Klage.

Dias ist im Bundesstaat São Paulo für Bürgerrecht zuständig. Die Staatsanwaltschaft hatte vorige Woche über die Klage informiert, die auch via Twitter lebhaft diskutiert wurde.

Der Gottesbezug auf den Banknoten wurde 1986 vom damaligen Präsidenten José Sarney eingeführt und 1994 mit Einführung der neuen Währung Real beibehalten.

mmq/dpa

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1. Warum um Himmels Willen gerade in Brasilien?
mundi 21.11.2012
In God We Trust (engl.: „Auf Gott vertrauen wir“) ist ein Wahlspruch der Vereinigten Staaten, welcher 1956 zu E Pluribus Unum (lat.: „aus vielen Eins“) durch eine Deklaration des Kongresses hinzugefügt wurde. Dieses Motto ist seit dem Jahr 1864 auf den Münzen der USA geprägt. Verbindlich vorgeschrieben hat das Motto für alle Münzen und Papiergeld das US-Gesetz vom 11. Juli 1955. Mir ist nicht bekannt, dass dieser religiöse Spruch in den USA beanstandet wird. Im Gegenteil, auch Atheisten schätzen den Besitz solcher „Datenträger“. Hat der Staatsanwalt in Brasilien keine anderen Sorgen?
2. Etwas einfach gemacht
heisi123 21.11.2012
Zitat von mundiMir ist nicht bekannt, dass dieser religiöse Spruch in den USA beanstandet wird. Im Gegenteil, auch Atheisten schätzen den Besitz solcher „Datenträger“. Hat der Staatsanwalt in Brasilien keine anderen Sorgen?
Ähh, ist das etwa ernst gemeint? Die USA führen einen sandauernden internen Kampf zwischen chritslichen Fundamentalisten und einer Atheistischen Minderheit, die noch mehr al Muslime verachtet wird. "War on christmas" oder "Pledge of Allegiance" sind nur zwei von den vielen Aspekten. Die Beschriftung der Geldscheine oder religiöse Darstellung auf öffentlichem Boden gehören auch dazu. Ihre Behauptung zeugt daher nur davon, dass Sie nicht nur von den gesellschaftlichen Vorgängen in den USA keine Ahnung haben, sondern gleichzeitig auch das Prinzip und die Vorzüge des Laizismus nicht verstehen. Und das in der westlichen Welt der heutigen Zeit? Wie geht denn sowas?
3. Neues Motto
ChrisQa 21.11.2012
Die sollen draufschreiben: "Gott existiert (mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit") nicht. Mich nervt übrigens auch dieses "in god we trust", einfach nur peinlich für eine angeblich aufgeklärte Gesellschaft.
4. ...schreiben ist Gold?
Rio connection 21.11.2012
Zitat von heisi123... sondern gleichzeitig auch das Prinzip und die Vorzüge des Laizismus nicht verstehen. Und das in der westlichen Welt der heutigen Zeit? Wie geht denn sowas?
Naja, wer hier alles etwas vereinfacht sind scheinbar Sie. Die Vorzuege des Laizismus sind vielen Brasilianern ueberhaupt kein Vorzug. Die westliche Welt reicht ueber Ihren Blumenkasten hinaus und da ist laengst nicht alles so Laizistisch wie sie es sich vielleicht wuenschen... Die Diskussion ist durchaus spannend, da sie zeigt, dass enlich mal jemand auf diese Idee kommt, im ansonsten religioes sehr toleranten Brasilien. Wie ich meine Jungs hier kenne geht das aus wir die Disskussion zweier Fussballfans - man liegt sich nachher lachend in den Armen.
5. Religionen bitte abschaffen
axt119 21.11.2012
Als gläubiger Christ, Muslim oder Jude, kann man überall (wenn man gerade temporär die Macht besitzt) öffentlich Güter seinen Stempel aufdrücken. Der brasilianische Präsident ist ein Christ, also muss auf den Geldscheinen auch "in god we trust" stehen. Macht das gleiche oder etwas ähnliches ein Atheist, dann kann man sich nicht mehr sicher sein, dass dieser am nächsten Tag noch lebt. Das ist religiöser Faschismus in seiner Reinstform und wir sollte darauf achten, dass solch Wahnsinnige sich nicht auch noch auf unseren Euroscheinen verewigen. Schon lustig, dass die Krichen heutzutage nicht verstehen können, warum ihnen soviel Hass entgegen schlägt. Man erkennt sein eigenes dreistes Gehabe nicht mal.
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