Minenkatastrophe in Brasilien TÜV soll Bergbaukonzern vor möglichem Dammbruch gewarnt haben

Nach der Minenkatastrophe in Brasilien hat das Umweltministerium dem Bergbaukonzern Vale die Lizenz zum Betrieb weiterer Staudämme entzogen. Ein Bericht entlastet derweil die Mitarbeiter der Prüfgesellschaft TÜV Süd.

Rettungskräfte nach dem Dammbruch
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Rettungskräfte nach dem Dammbruch


Der brasilianische Bergbaukonzern Vale hat die Lizenz für einen wichtigen Damm an seiner größten Eisenerzmine in Brucutu verloren. Wie der Konzern mitteilte, habe das Umweltministerium des südöstlichen Bundesstaats Minas Gerais die Genehmigung für den Laranjeiras-Damm entzogen. Auch für einen weiteren Damm verlor Vale die Lizenz.

Die Arbeiten in Brucutu ruhen aufgrund eines Gerichtsbeschlusses bereits seit Montag. Dort werden jährlich 30 Millionen Tonnen Eisenerz gefördert - das entspricht 7,5 Prozent der für 2019 vorgesehenen Jahresfördermenge von Vale.

Vale versichert, dass der Damm von Brucutu den Sicherheitsstandards entspreche und bei allen Kontrollen als sicher eingestuft worden sei. Der Konzern hatte auch nach der Katastrophe von Brumhadino darauf hingewiesen, dass der Damm im September eine Überprüfung durch den TÜV Süd ohne größere Beanstandungen überstanden habe.

Bei der mutmaßlich nachlässigen Wartung des kollabierten Dammes in Brumadinho gerät der Konzern dagegen weiter unter Druck. Millionen Tonnen Klärschlamm hatten sich Ende Januar über die Umgebung des Bergwerks ergossen. Mindestens 150 Tote wurden bisher geborgen, für mehr als 180 Vermisste gibt es keine Hoffnung mehr. (Mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier: Wer trägt die Verantwortung für die Schlammlawine?)

Im Rahmen der Untersuchungen zu der Katastrophe hatte die brasilianische Polizei zuletzt zwei Mitarbeiter des Münchner Unternehmens TÜV Süd festgenommen. Die Prüfgesellschaft hatte im vergangenen Jahr die Dämme an der kollabierten Mine geprüft.

Zeitungsbericht entlastet TÜV Süd-Mitarbeiter

Ein Bericht des "Wall Street Journal" entlastet die deutsche Firma nun. Die Gutachter von TÜV Süd hätten schon Monate vor dem verheerenden Bruch "defekte Abflüsse" und Unregelmäßigkeiten in den Daten der Wasserstandssensoren entdeckt - und Vale gewarnt, berichtet die Zeitung.

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Demnach hätten mehrere Abflüsse in dem Damm nicht richtig funktioniert, etwa weil sie durch Vegetation verstopft gewesen seien. Schon kleinere Erschütterungen, etwa durch ein schwaches Erdbeben, leichte Explosionen oder schwere Arbeitsfahrzeuge hätten einen Kollaps des Dammes herbeiführen können.

Ein kleineres Erdbeben sei schon bei der Minenkatastrophe am Bergwerk von Samarco 2015 ursächlich für den damaligen Dammbruch mit 19 Toten gewesen. Entgegen Empfehlungen der TÜV-Mitarbeiter habe Vale sich jedoch dazu entschieden, keine seismischen Messungen in der Umgebung des jüngst kollabierten Dammes in Brumadinho vorzunehmen.

fek/AFP



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