Autokonzerne in Brexit-Angst BMW sucht Lagerhallen, McLaren bunkert Bauteile

In sechs Monaten scheidet Großbritannien aus der EU - und es gibt keinen Plan für die künftigen Handelsbeziehungen. Viele Autokonzerne macht das nervös.

McLaren-Werk (Archiv)
REUTERS

McLaren-Werk (Archiv)


Kaum eine Branche ist so stark durch grenzüberschreitende Lieferketten geprägt, wie der Autobau. Umso nervöser sind die Konzerne angesichts schleppenden Brexit-Verhandlungen - und erarbeiten Notfallpläne für den Fall eines chaotischen Ausscheidens von Großbritannien aus der EU.

Um die Lieferung von Zehntausenden Bauteilen in den Fabriken notfalls sicherzustellen, legen die Unternehmen Einzelteile auf Halde, verstärken ihre IT-Systeme und halten nach riesigen Parkarealen Ausschau. BMW etwa will sich mit Parkplätzen für Lastwagen sowie Lagerhallen auf beiden Seiten des Ärmelkanals rüsten und einen möglichst reibungslosen Produktionsablauf sicherstellen, wenn die Briten im März 2019 die Union verlassen.

Bereits vergangene Woche hatte der Münchner Autobauer angekündigt, sein Werk für den Kleinwagen Mini im englischen Oxford unmittelbar nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union für vier Wochen zu schließen. Mit der vorgezogenen Sommerpause rüstet sich BMW gegen mögliche Lieferengpässe bei einem Brexit ohne Folgeabkommen mit der EU.

McLaren hamstert Bauteile

Zudem investieren die Bayern in ihre IT-Systeme, weil Autobauer mit einer Flut von Dokumenten und mit bürokratischen Hürden bei Einführung neuer Zölle rechnen. Einem Insider zufolge kosten allein BMW die Brexit-Pläne mehrere Millionen Pfund.

Jaguar Land Rover - Großbritanniens größter Autobauer - hat bereits Warnungen ausgesprochen, die Folgen für die Produktion seien nicht abschätzbar. Tausende Arbeitsplätze stünden womöglich auf der Kippe. Der Sportwagenhersteller McLaren Automotive wiederum bemüht sich unterdessen um EU-Zulassungen und will wichtige Bauteile lagern, um Engpässe zu vermeiden.

In den Streit über die Brexit-Ausgestaltung war auch auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Salzburg Mitte voriger Woche keine echte Bewegung gekommen. Sechs Monate vor dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU herrscht in zentralen Punkten wie der künftigen irischen Grenze und den Handelsbeziehungen Unklarheit. Deshalb bereiten sich in vielen Branchen immer mehr Unternehmen und Institutionen auf das Szenario eines ungeordneten EU-Austritts Großbritanniens vor.

beb/Reuters



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Seite 1
brux 26.09.2018
1. Hinweis
BMW macht den Mini auch in den Niederlanden und in Österreich. Das britische Werk wird man bei einem harten Brexit einfach schliessen, spätestens beim nächsten Modell. Noch dramatischer sieht es wohl bei Vauxhall aus. Deren Autos bestehen zu 60% aus Opel-Teilen, demnächst wohl auch noch aus zusätzlichen Peugeot-Teilen. Das sind dann handelstechnisch nicht einmal mehr Autos "made in UK". Sie können nur unter WTO Regeln in der EU verkauft werden, mit 10% Zolltarif. Das ist dann nicht mehr profitabel.
123rumpel123 26.09.2018
2. xxx
Zitat von bruxBMW macht den Mini auch in den Niederlanden und in Österreich. Das britische Werk wird man bei einem harten Brexit einfach schliessen, spätestens beim nächsten Modell. Noch dramatischer sieht es wohl bei Vauxhall aus. Deren Autos bestehen zu 60% aus Opel-Teilen, demnächst wohl auch noch aus zusätzlichen Peugeot-Teilen. Das sind dann handelstechnisch nicht einmal mehr Autos "made in UK". Sie können nur unter WTO Regeln in der EU verkauft werden, mit 10% Zolltarif. Das ist dann nicht mehr profitabel.
Ich denke mal, ein paar Autos werden die Briten schon noch selber brauchen , so für den Eigenbedarf. Opel, ehemals GM. Passen da nicht die Bauteile von GM?
Referendumm 26.09.2018
3.
Zitat von bruxBMW macht den Mini auch in den Niederlanden und in Österreich. Das britische Werk wird man bei einem harten Brexit einfach schliessen, spätestens beim nächsten Modell. Noch dramatischer sieht es wohl bei Vauxhall aus. Deren Autos bestehen zu 60% aus Opel-Teilen, demnächst wohl auch noch aus zusätzlichen Peugeot-Teilen. Das sind dann handelstechnisch nicht einmal mehr Autos "made in UK". Sie können nur unter WTO Regeln in der EU verkauft werden, mit 10% Zolltarif. Das ist dann nicht mehr profitabel.
Warum - bitteschön - sollte Peugeot die Werke in GB aufrechterhalten? Was macht denn das für einen Sinn? Ich denke eher, Peugeot freut sich riesig über den ungeordneten Brexit, denn dann können die Franzosen den schwarzen Peter "GB-Werksschließungen" locker leicht auf den Brexit schieben. Aber egal, die Brexiteers hatten doch ab dann blühende Landschaften versprochen. Also, alles im grünen Bereich für GB.
obersterhofnarr 26.09.2018
4. und das ist noch nicht alles!
Wenn man sich in GB mal genauer umschaut, so findet man plötzlich sehr viele kontinentaleuropäische Firmen außer den Autobauern die sich in GB engagiert haben. Sogar ALDI gibt es dort. Das Problem ist, daß es nicht nur die Autowerke an sich betrifft, sondern ganze Cluster mit Zulieferbetrieben, Dienstleistern und Logistikern die sich geballt z.B. in den Midlands sammeln. Also der Region, die am stärksten von der Deindustriealisierung in der Schwerindustrie betroffen war. Wenn dort einer zumacht gehen dort die Lichter aus, ganz einfach. Oder ein anderes Beispiel: wer mal in London-Stansted war, weis, daß ohne die Irische Ryanair der ganze Laden samt den zusätzlichen Angeboten wie die Autovermietungen, Busse und die Bahn von heute auf morgen zugemacht werden kann. Und selbst wenn Ryanair es irgendwie mit den Über- und Einflugrechten in die EU hinbekommt, es werden hunderttausende von Tagestouristen wegbleiben, wenn die Einreise nach GB bürokratisch verkompliziert werden würde. Fakt ist, die Brexiteers sind am Ende; es geht nur noch um die eigene Eitelkeit und das Demütigen der eigenen Bevölkerung. Der gemeine Untertane der Krone muß mal wieder Blut, Schweiß und Tränen erleiden für die ignorante Borniertheit einer Upper-Class-Fantasie von viktorianischen Empire. Pech gehabt, zu Recht übrigens.
dancar 26.09.2018
5. Ne.1: 100 % Zustimmung
Wenn BMW (oder GM, Toyota, Nissan) zumachen sollte (in 3-4 Jahren), dann fallen auf einen Schlag 10.000 gut bezahlte Arbeitsplätze (inkl. Zulieferer) weg. Lawineneffekte nicht ausgeschlossen. Es werden dann Horden von Arbeitslosen und deren Familien gen London ziehen...
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