Brexit Briten beziffern Schulden bei EU auf nur 37 Milliarden Pfund

Wie hoch wird die Abschlussrechnung für den Brexit? Zu dieser Frage hat die britische Haushaltsbehörde nun eine neue Zahl vorgelegt. Sie liegt deutlich niedriger, als bisherige Angaben aus der EU.

Flaggen von Großbritannien und EU vor dem britischen Parlament
AP

Flaggen von Großbritannien und EU vor dem britischen Parlament


Großbritannien schuldet der Europäischen Union bei seinem geplanten Austritt nach eigenen Berechnungen 37,1 Milliarden Pfund (fast 42 Milliarden Euro). Diese Zahl nannte die britische Haushaltsbehörde Office for Budget Responsibility in einer am Dienstag veröffentlichten Wirtschaftsprognose. Der Betrag soll verschiedene Forderungen der EU an Großbritannien abdecken, darunter auch Pensionen für britische EU-Mitarbeiter.

Die Summe liegt etwa in der Mitte der Spanne, die die britische Regierung Ende vergangenen Jahres genannt hatte. Damals war von 35 bis 39 Milliarden Pfund die Rede gewesen. Die EU hat noch keine finale Zahl genannt, hatte aber lange eine Austrittsrechnung von umgerechnet mindestens 53 Milliarden Pfund gestellt.

Die britische Wirtschaft wird nach Prognose der Haushaltsbehörde in diesem Jahr etwas stärker wachsen als zunächst angenommen. Schatzkanzler Philip Hammond sagte im Parlament, für das laufende Jahr werde ein Plus von 1,5 Prozent erwartet. Das sind 0,1 Punkte mehr als noch im November vorhergesagt. Dank der verbesserten Aussichten kommt die britische Regierung voraussichtlich mit einer geringeren Neuverschuldung aus.

Alle Projektionen sind jedoch durchweg niedriger als jene, die vor dem Brexit-Votum erstellt wurden. Nach dem Volksentscheid Mitte 2016 zum EU-Austritt Großbritanniens hat die britische Wirtschaft spürbar an Schwung verloren.

Die Verhandlungen zwischen der Regierung in London und der EU sind festgefahren und sorgen vor allem bei der Wirtschaft für Unsicherheit. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen bei ihrem Gipfel in der kommenden Woche eine Vereinbarung über eine Übergangsperiode nach dem für den 29. März 2019 vorgesehenen EU-Austritt erzielen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie betonte am Dienstag die Wichtigkeit einer solchen Einigung. Andernfalls müssten erste Unternehmen auf Notfallpläne zurückgreifen, sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 32 Beiträge
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Knackeule 13.03.2018
1. Deftige Story
Die Frage der britischen Zahlungsverpflichtungen an die EU wird sicher noch für lange Zeit eine richtig deftige Story werden. Am Ende werden sich vermutlich die Briten mit einer Minimum-Zahlung durchsetzen. Ich ahne auch schon, welches zahlungskräftige EU-Land die Differenz tragen wird......
Ezechiel 13.03.2018
2.
Zitat von KnackeuleDie Frage der britischen Zahlungsverpflichtungen an die EU wird sicher noch für lange Zeit eine richtig deftige Story werden. Am Ende werden sich vermutlich die Briten mit einer Minimum-Zahlung durchsetzen. Ich ahne auch schon, welches zahlungskräftige EU-Land die Differenz tragen wird......
Zuzüglich der entfallenden Zahlungen GBs in den EU-Haushalt.
isi-dor 13.03.2018
3.
Die britischen Schulden werden nicht von den Briten festgelegt. Der Schuldner behauptet bekanntlich immer, keine Schulden zu haben.
theodtiger 13.03.2018
4. schon mal ein Fortschritt
Das ist doch schon mal ein Fortschritt, wenn die Briten jetzt etwas konkreter werden. JNun kann man die Einzelposten auf Vollständigkeit prüfen, d.h. prüfen, ob alle von der EU genannten Bereiche überhaupt abgedeckt sind. Zudem geht es dabei um schwierige Bewertungsprobleme, insbesondere bei Zahlungen, die ohne Brexit erst in der (ferneren) Zukunft angefallen wären, wie etwa Pensionen. Da macht allein der verwendete Zinsfuss einen großen Unterschied. Wichtig ist, dass die Briten ein Jahr vor dem Brexit Termin Ende März 2019 endlich anfangen, seriös zu verhandeln, statt nur zu sagen, was sie nicht wollen.
theodtiger 13.03.2018
5. schon mal ein Fortschritt
Das ist doch schon mal ein Fortschritt, wenn die Briten jetzt etwas konkreter werden. JNun kann man die Einzelposten auf Vollständigkeit prüfen, d.h. prüfen, ob alle von der EU genannten Bereiche überhaupt abgedeckt sind. Zudem geht es dabei um schwierige Bewertungsprobleme, insbesondere bei Zahlungen, die ohne Brexit erst in der (ferneren) Zukunft angefallen wären, wie etwa Pensionen. Da macht allein der verwendete Zinsfuss einen großen Unterschied. Wichtig ist, dass die Briten ein Jahr vor dem Brexit Termin Ende März 2019 endlich anfangen, seriös zu verhandeln, statt nur zu sagen, was sie nicht wollen.
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