Brexit Briten wollen länger in der Zollunion bleiben

Die britische Regierung findet keine Lösung für den Grenzverkehr auf der irischen Insel nach dem Brexit. Ohne eine klare Regelung aber ist der Austritt aus der Zollunion unmöglich. Jetzt soll das Thema vertagt werden.

Flaggen von EU und Großbritannien in London
AP

Flaggen von EU und Großbritannien in London


Großbritannien will unter Umständen noch über das Ende der Brexit-Übergangsphase im Jahr 2020 hinaus in der Zollunion bleiben. Das berichtete unter anderem der "Telegraph" am Donnerstag unter Berufung auf britische Regierungsquellen. Seit Wochen streitet das Kabinett von Premierministerin Theresa May über das künftige Verhältnis zur europäischen Zollunion. Nun soll es May gelungen sein, ihre Minister auf einen Kompromiss einzuschwören.

Mitglieder einer Zollunion vereinbaren gemeinsame Zölle an ihren Außengrenzen, an den Binnengrenzen werden keine Abgaben erhoben. Grenzkontrollen sind überflüssig. May hat deutlich gemacht, dass Großbritannien die Zollunion verlassen soll, damit das Land Freihandelsabkommen mit Ländern wie den USA und China schließen kann.

Problematisch ist daran, dass Grenzkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Republik Irland notwendig wären. Das wollen alle Seiten verhindern, um den Konflikt in der Ex-Bürgerkriegsregion nicht wieder anzuheizen. London und Brüssel hatten sich geeinigt, dass Nordirland im Zweifel in der Zollunion bleiben muss. Doch das stößt auf Widerstand bei der nordirisch-protestantischen DUP (Democratic Unionist Party) im britischen Parlament, auf die Mays konservative Minderheitsregierung angewiesen ist.

Brexit-Hardliner wollen das Problem mit technologischen Mitteln, ähnlich wie bei Mautsystemen, lösen. Ihnen zufolge soll dadurch kaum Infrastruktur an den Grenzen notwendig sein. Die entsprechende Technologie gibt es aber noch nicht. Bis sie bereit steht, soll Großbritannien nun also als Ganzes in der Zollunion bleiben. Es ist aber noch offen, ob sich Brüssel auf den Vorschlag einlässt.

Zur Dauerlösung soll der Kompromiss aber nicht werden. "Wir werden der Zollunion definitiv nicht mehr angehören", sagte Brexit-Minister David Davis in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe, das am Donnerstag veröffentlicht wurde.

mik/dpa-AFX



insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kenterziege 18.05.2018
1. Nach allem, was sich so im letzten Jahr angesammelt hat:
Ich wette, dass der Brexit in sich zusammenfällt. Es wird noch heulen und Zähneklappern geben, aber der Brexit wird Geschichte sein. Die Briten sind gespalten und die Schotten wollen in der Union bleiben.
adissu 18.05.2018
2. Jetzt mal Durchatmen und nochmal Nachdenken.
Ihr lieben Briten. ich habe Respekt vor der Entscheidung und dem Willen, diese Mamutaufgabe anzugehen. Jedoch denke ich, dass die letzten Jahre und insbesondere die letzten Monate doch hinreichend bewiesen haben, dass ein Brexit nicht zielführend ist. Nicht für die in der europäischen Union verbleibenden Staaten und noch viel weniger für Großbritannien. Vielleicht sollte ihr nochmal die gleiche Größe zeigen, die der Mut zum Brexit erfordert hat und dieses Projekt für gescheitert erklären, bevor es zu einer Farce wird. Großbritannien ist nun mal nicht mehr das internationale Schwergewicht, dass es mal in der Vergangenheit war. Das wird auch ein Brexit nicht ändern. Wenn auch Großbritannien eine Menge Geld in die EU jedes Jahr investiert, was zukünftig wegfallen würde, überwiegen die Vorteil, teil der EU zu sein. Zudem will die junge Generation nicht aus der EU und vermutlich wird das in 30 Jahren wieder zurückgedreht, weil die jüngere Generation die überwiegenden Vorteile sieht. Bringt euch also lieber mit der Energie, die ihr auf den Brexit verwendet, in die Gestaltung der EU in einer sich immer mehr globalisierenden Welt ein. Ich werde mich über diesen Sinneswandel nicht lustig machen sondern sehe dahinter einen mutigen Schritt zu einer Fehlentscheidung zu stehen.
sikasuu 18.05.2018
3. Wir werden der Zollunion definitiv nicht mehr angehören , sagte...
... Brexit-Minister David Davis ! . Nur das AB WANN, hat er klugerweise offen gelassen. Die Situation ist nicht nur mMn, unlösbar! . Solange das Irlandproblem nicht gelöst ist, & dafür gibt es keine sichtbare&machbare Lösung, bleiben 2 Möglichkeiten. Zollunion mit allen sich daraus ergebenden Einschränkungen für das allein agieren als Volkswirtschaft für GB.... . oder alleine, mit einer EU Außengrenze zw. Nordirland/GB in der EU. . Ein "bisschen schwanger" geht nicht! Wenn GB diese Frage so lösen kann, dass die Interessen von beiden Beteiligten GB & EU dabei berücksichtig werden, ist der Fields-Preis(Mathematik) fällig für die Quadratur des Kreise:-)
desertking 18.05.2018
4. Brexit means Brexit
Hätte man sich alles früher überlegen können. Dann eben keine Zollunion und bewaffneter Konflikt in Nordirland. Good they got their country back, right? Sowas kommt dann eben von sowas.
desmoulins 18.05.2018
5. Lehren?
Hoffentlich lernen alle, die ja auch in D'land von einem Aufbäumen gegenüber der EU oder gar dem Austritt träumen (hallo, AfD), was genau damit verbunden wäre. Jahrzehntelange Stagnation, ein Schrumpfen der Wirtschaft, lachende Politiker in Moskau und Washington (von Peking mal ganz zu schweigen) und eine gesteigerte Kriegsgefahr. Und warum das alles? Um ein paar Ewiggestrigen einen Anflug von nationaler Souveränität vorzugaukeln?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.