Finanzmärkte Britische Notenbank signalisiert geldpolitische Lockerung

Nach Auffassung der Bank of England kommen nach dem Brexit-Votum schwierige Zeiten auf die britische Wirtschaft zu. Die Notenbank will daher offenbar schon bald geldpolitisch reagieren.

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Weil sich der wirtschaftliche Ausblick Großbritanniens nach dem Brexit-Votum verschlechtert hat, stellt die britische Notenbank Bank of England (BoE) den Finanzmärkten Geldspritzen in Aussicht. Im Laufe des Sommers würden vermutlich geldpolitische Anreize benötigt, sagte BoE-Gouverneur Mark Carney. Man habe nicht nur die Möglichkeit, den Leitzins zu senken, sagte Carney. Auch andere Maßnahmen würden in Erwägung gezogen.

Die "unbequeme Wahrheit" sei, dass die Zentralbank den wirtschaftlichen Schock eines EU-Austritts nicht komplett kompensieren könne. Carney hatte bereits nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses am Freitag Banken zusätzliche 250 Milliarden Pfund an Liquidität angedeutet, um Engpässe in der Geldversorgung zu verhindern.

"Anpassung beim Pfund erwartbar"

Zu Markteingriffen zur Stabilisierung des britischen Pfunds sieht Carney derzeit keinen Anlass. Der Devisenmarkt habe nach dem Brexit-Votum weiterhin funktioniert. Eine Anpassung beim Pfund sei erwartbar gewesen. Das Pfund war nach dem Votum auf den schwächsten Wert seit 1985 gefallen.

Carney warnte, mehr als nun angekündigt könne er nicht tun, um die Wirtschaft zu schützen. Er verwies auf die Grenzen der Geldpolitik. Sie könne "die wirtschaftlichen Folgen eines großen Negativ-Schocks nicht voll ausgleichen".

Die Aussagen Carneys drückten die Rendite zehnjähriger britischer Bonds auf ein Rekordtief von 0,913 Prozent. Das Pfund Sterling fiel 1,3305 Dollar von zuvor 1,3406 Dollar.

Die US-Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass die Bank of England noch 2016 den Schlüsselsatz zur Versorgung der Finanzinstitute mit Geld auf 0,25 Prozent von derzeit 0,5 Prozent senken wird. Die Briten hatten am vergangenen Donnerstag unerwartet für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt.

brt/Reuters/dpa

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Wulff Isebrand 30.06.2016
1. Den Wechselkurs des GBP
habe ich noch nie kapiert? Zu DM Zeiten lag der immer bei 4DM für ein Pfund und nun hat der sich bei Euro auf 1,2 und bei Dollar auf 1,3 eingependelt. So ein Wechselkurs drückt ja auch immer das Vertrauen in eine Wirtschaft aus. Als würde ein saudischer Scheich nur darauf warten statt Dollar endlich mal Pfund in seine Schatztruhe zu schmeißen? Also ein politischer Wechselkurs. Für die Briten ist schon viel zu lange eine Reihe Extrawürste zu viel gebraten worden. Diese Währung wäre für mich Ramsch. Auf Teneriffa bekommen die Saufnasen nur im Ausnahmefall mal mehr als 1€ für den englischen Zettel. Meistens um die zum Saufen ranzuziehen. Das hauen die dann beim Pint Bier wieder rauf
Herkules67 30.06.2016
2. Komisch
Will London jetzt retten, was zu retten ist? Das der Brexit ein Schuss in den Ofen war, weiss man ja jetzt, dass GB schweren Zeiten entgegen geht, ist was was auch klar, aber warum kauft die Londoner Börse die Frankfurter oder besser, warum lässt diese sich kaufen? War hier schon etwas von langer Hand vorbereitet? Lieber SPON, ich bitte um investigatives Nachforschen.
Flugor 30.06.2016
3. Ach nee....
Kein Mario Draghi als angeblichen Sündenbock der AfD-Nationalisten ausmachbar und schon ist in diesem Forum nix los? Oder sind diese Propagandatypen verstummt, weil Nigel Farage und Brian Johnson der Lüge überführt wurden. nachdem sie aus Gründen des persönlichen Vorteils zusammen mit Cameron Millionen von Briten schweren Schaden zugefügt haben?
bernard_bs 30.06.2016
4. Für GB geht das!
Eine Abwertung der nationalen Währung bedeutet für GB mit dem Pfund ausserhalb des Euro eine Exporterleichterung, ein Import-Erschwernis bzw. eine Stärkung der heimischen Wirtschaft - erstmal. Der Finanzstandort London wurde in seiner Unatraktivität auf Dauer bereits mehrfach beschrieben. Was im Finale unter dem Strich überwiegt, sollte man zu mindest nicht den Buchmachern überlassen: Deren Quote kurz vor Abstimmungsende waren bei 85% für den Verbleib.
klaus5000 01.07.2016
5. EU Austritt GB
Der EU Austritt von GB bedeutet für die machtgierigen EU Damen und Herren einen ordentlichen Tiefschlag! Und das wird es in Europa wohl noch lange nicht gewesen sein.
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