Milliardenpleite wegen Brexit Britischer Bauriese Carillion beantragt Zwangsauflösung

Der britische Baukonzern Carillion ist pleite, 20.000 Briten bangen um ihre Jobs. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit das Wegbrechen von Staatsaufträgen nach dem Brexit für seine Krise verantwortlich gemacht.

Carillion-Kran in London (Archiv)
AFP

Carillion-Kran in London (Archiv)


Der britische Bauriese Carillion ist am Ende. Das Unternehmen beantragte am Montag seine sofortige Zwangsauflösung, nachdem Verhandlungen mit Banken und der britischen Regierung über eine Übergangsfinanzierung gescheitert waren. Die britische Regierung will noch an diesem Montag zu einer Krisensitzung zusammenkommen, um den Fall zu besprechen. Carillion steht für eine der größten Firmenpleiten in Großbritannien.

Der Konzern beschäftigt rund 20.000 Menschen in Großbritannienund erzielte 2016 einen Umsatz von 5,2 Milliarden Pfund (rund 6,1 Milliarden Euro). Es baute und betreibt für den Staat unter anderem Hospitäler, Gefängnisse, Verteidigungsanlagen und Bahnstrecken. Die Bausparte erhielt erst im vergangenen Sommer den Auftrag, mit am Bau der neuen Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke HS2 zwischen London und Birmingham zu bauen.

Mit dem Zusammenbruch von Carillion ist nun die Zukunft Hunderter großer Bauprojekte ungewiss. Zunächst springt die Regierung ein und zahlt die Gehälter der Carillion-Beschäftigten weiter, die für eines der 450 öffentlichen Projekte arbeiten.

Pleite bringt Regierung in Erklärungsnot

Carillion hatte in der Vergangenheit auch den Brexit für die schlechte Geschäftsentwicklung verantwortlich gemacht. Nach dem Referendum im Juni 2016 habe sich der Auftragseingang verlangsamt. Nach dem EU-Referendum, hieß es aus Konzernkreisen, habe die britische Regierung "ihre Ausgabenprioritäten neu beurteilt".

Die Opposition aus Labour und Liberaldemokraten will nun Klarheit über das weitere Vorgehen der Regierung in dem Pleitefall. Sie forderte die britische Regierung auf, zu erklären, warum Minister neue Aufträge im Volumen von 1,3 Milliarden Pfund an das Unternehmen vergeben hätten, obwohl es bereits in ernsten finanziellen Schwierigkeiten gesteckt habe. Nach Ansicht von Labour-Politiker Jon Trickett hätten schon seit sechs Monaten "alle Alarmglocken schrillen müssen". Die Regierung müsse nun offenlegen, ob sie ihren Kontrollpflichten nachgekommen sei.

Die Regierung werde nach der Insolvenz weiterhin alle öffentlichen Dienstleistungen aufrechterhalten, betonte Premier Theresa Mays Kabinettschef David Lidington. "Es ist bedauerlich, dass Carillion nicht in der Lage war, passende Lösungen mit seinen Gläubigern zu auszuhandeln", sagte er. "Aber von den Steuerzahlern kann nicht erwartet werden, eine private Firma zu retten."

beb/hej/dpa/Reuters

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