Brexit Schatzkanzler hält Banker-Exodus nach Frankfurt für "Fantasie"

Man kann es als Seitenhieb gegen die EU verstehen: Der britische Schatzkanzler bezweifelt, dass Londons Finanzprofis nach Frankfurt oder Paris abwandern. "Das ist eine Fantasie", sagt Philip Hammond.

Skyline von London
DPA

Skyline von London


Der britische Schatzkanzler warnt vor einer Abwanderung der Finanzindustrie nach Übersee, sollten sich Briten und Kontinentaleuropäer beim Brexit nicht einigen können. Das globale Finanzzentrum London könne nicht einfach in Frankfurt, Paris, Amsterdam oder einer anderen Stadt neu aufgebaut werden, sagte Philip Hammond am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. "Das ist eine Fantasie, das wird nicht passieren. Der Gewinner wird New York oder Singapur sein."

Der Brexit könnte die britische Wirtschaft jährlich rund zehn Milliarden Pfund kosten, sagte der britische Notenbankchef Mark Carney laut "Times" in Davos. Ein Sprecher der Notenbank wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Brexit-Befürworter haben den Kanadier an der Spitze der britischen Notenbank mehrfach vorgeworfen, er versteife sich zu sehr auf negative konjunkturelle Auswirkungen des EU-Austritts.

Die Wirtschaft auf der Insel hat sich nach dem Anti-EU-Votum vom Sommer 2016 zwar besser entwickelt als erwartet. Dennoch war das Wachstum in den ersten drei Quartalen des vorigen Jahres schwächer als in anderen großen Industriestaaten.

JPMorgan könnte 4000 Jobs abziehen

Gefährdet ist vor allem der Bankenstandort London. Als Folge des britischen EU-Austritts könnte die US-Bank JPMorgan mehr als 4000 Jobs aus Großbritannien abziehen. Dies wäre bei einem "harten" Brexit der Fall, bei dem das Vereinigte Königreich den Zugang zum EU-Binnenmarkt verliert, sagte JPMorgan-Chef Jamie Dimon der BBC am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Das wäre der größte Wegzug von Mitarbeitern eines einzelnen Unternehmens im Zusammenhang mit dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU.

Einer Umfrage von Thomson Reuters zufolge könnten bei einem "harten" Brexit rund 10.000 Arbeitsplätze der britischen Finanzindustrie in andere Staaten verlagert werden.

Dimon hatte direkt nach dem Brexit-Referendum 2016 den Umzug von etwa 4000 Mitarbeitern prognostiziert. Im April 2017 teilte er in einem Brief an die JPMorgan-Anleger mit, dass die Zahl wohl darunterliegen werde.

brt/Reuters

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