"Kein Rosinenpicken" EU lehnt Mays Brexit-Pläne ab - und bietet schlichtes Handelsabkommen an

Die EU will nach einem Brexit einfache Handelsbeziehungen mit Großbritannien - mehr nicht. Theresa May hatte sich ein Ausnahmeabkommen gewünscht, besonders für die britischen Banken.

Theresa May, britische Premierministerin, und Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident
REUTERS

Theresa May, britische Premierministerin, und Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident


Anders als von Großbritannien gewünscht, will die Europäische Union nach dem Brexit ein herkömmliches Handelsabkommen mit London abschließen. Dies geht aus dem Entwurf der Verhandlungsrichtlinien vor, den EU-Ratspräsident Donald Tusk am Mittwoch vorstellen will. Er widerspricht damit den Vorstellungen, die die britische Premierministerin Theresa May am Freitag ausgeführt hatte.

Die EU warnte Großbritannien vor "negativen wirtschaftlichen Folgen" durch den Brexit. Er werde "unvermeidlich zu Reibungen" in den beiderseitigen Handelsbeziehungen führen.

Die Tiefe der künftigen Beziehungen sei wegen des Brexits begrenzt. Denn die Briten wünschen sich, nach dem EU-Austritt 2019 auch aus dem Binnenmarkt und aus der Zollunion auszuscheiden, heißt es in dem Entwurf.

Kein freier Zugang für Banken

"Rosinenpicken" sei nicht möglich - auch nicht, wie von May gewünscht, mit dem Zugang zum Binnenmarkt nur in einzelnen Wirtschaftsbranchen. Dies würde die Integrität und das Funktionieren des Binnenmarkts unterlaufen, heißt es weiter.

Auch für die Banken aus dem Königreich soll es keinen freien Zugang zum Binnenmarkt geben. Die britische Regierung hatte sich erhofft, dass die Banken aus der City of London künftig ähnlich frei in den EU-Ländern agieren könnten wie bisher.

Der Brexit hatte zuletzt an Zustimmung in Großbritannien verloren. Eine zweite Abstimmung über den EU-Austritt Großbritanniens lehnt Theresa May jedoch ab.

ans/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 133 Beiträge
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Raimunde Krudenbruch 07.03.2018
1. Endlich Klartext
Seit über einem Jahr ein widersprüchliches Rumeiern aus UK. Ich hoffe, sie verstehen jetzt endlich, was Sache ist.
der.tommy 07.03.2018
2.
Wenn die zuständigen Beamten der EU und zuletzt auch die Staats- und Regierungschefs der in dem Entwurf aufgezeigten Linie treu bleiben, bin ich am Ende doch positiv überrascht ob des vorhandenen Rückgrats.
LariFariMogelzahn 07.03.2018
3. Wer nicht will, der hat wohl schon
Die EU hat der britischen Regierung wieder und wieder Angebote gemacht, die alle als nicht akzeptabel zurückgewiesen wurden. Es mag sein, dass dies hauptsächlich an dem Druck der Brexiteers liegt, aber vernünftige Gegenvorschläge sind ja auch ausgeblieben. Es scheint also, als ob GB alles hat was es braucht. Nun kommt es also so, wie viele Befürworter und Gegner des Brexits geweissagt haben: Es gibt dann halt nur einen Handelsvertrag. Nachdem London jetzt ganz klar gezeigt bekommt, wie der Hase läuft, bin ich gespannt wie die jetzt reagieren.
klardenkendermensch 07.03.2018
4. Genau richtig
Die Unfähigkeit der britischen Regierung die Verhandlungen widerspruchsfrei zu führen und dem britischen Volk endlich reinen Wein einzuschenken und offen und ehrlich zu diskutieren wie groß die negativen Folgen des Brexit sein werden, kann und darf nicht mit einem falsch verstandenem Entgegenkommen von Seiten der EU "belohnt" werden. Die Vorteile des Binnenmarktes und der EU gibt es nur ganz oder garnicht, deshalb ist die Reaktion der EU genau richtig um allen potentiellen Nachahmern endlich auch mal die großen Vorteile unserer europäischen Integration zu verdeutlichen.
ihawk 07.03.2018
5. Wie bitte ...
Banken aus der „City of London“ haben nie zur EU gehört ... deswegen war (und ist) es möglich über diese Banken Finanzprodukte zu vertreiben, die in Europa illegal sind. Ich denke, es st wichtig zu wissen, was die „City of London“ ist ... wie so oft in der Finanzwirtschaft ist der Name irreführend.
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