Großbritannien Schatzkanzler Hammond sieht Mehrheit für weichen Brexit

Montag startet die erste Brexit-Verhandlungsrunde - doch die britische Regierung streitet noch über die eigene Verhandlungsstrategie. Laut Schatzkanzler Hammond haben Anhänger eines weichen Brexits die Oberhand.

Philip Hammond
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Die Briten verlassen die EU - nur wie? Über die Verhandlungsstrategie, die London in den kommenden zwei Jahren verfolgen soll, gibt es noch erhebliche Differenzen innerhalb der britischen Regierung. Premierministerin Theresa May hat angekündigt, zur Not auch einen "harten Brexit" durchzuziehen: den Abschied aus der EU ohne gütliche Verhandlungslösung mit der EU.

Doch May und ihr Brexit-Minister David Davis bekommen offenbar mehr Gegenwind aus den eigenen Reihen als zunächst gedacht. Nach den Worten von Schatzkanzler Philip Hammond zeichnet sich innerhalb der britischen Regierung eine Mehrheit für einen sanfteren Abschied aus der EU ab, eine Übergangsphase. Das sagte Hammond am Sonntag dem britischen TV-Sender BBC. Noch vor fünf Wochen sei diese Idee komplett neu gewesen, sagte Hammond am Sonntag der BBC. Mittlerweile könne sich aber fast jeder am Kabinettstisch vorstellen, dass es eine Art Übergangszeit gebe. Diese Phase werde voraussichtlich einige Jahre dauern. Ihre Länge hänge davon ab, wie viel Zeit benötigt werde, neue Strukturen zu schaffen.

Mit dem Begriff Übergangsphase ist gemeint, dass Großbritannien Binnenmarkt und Zollunion Anfang 2019 nicht sofort, sondern erst nach einigen Jahren endgültig verlassen würde. Hammond hält das für notwendig, um Produktionsketten und Lieferbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU nicht zu zerschlagen.

Die britische Wirtschaft erwarte seit Langem eine klare Ansage, welchen Kurs London in den Brexit-Verhandlungen verfolge. Es sei offensichtlich, dass Unternehmen zurzeit Investitionen zurückhielten, "und man kann verstehen, warum: Sie erwarten mehr Klarheit darüber, wie die zukünftige Beziehung mit Europa aussehen wird".

Hammond gilt als Fürsprecher eines "weichen Brexits", bei dem ein weiterer Zugang zum europäischen Binnenmarkt angestrebt wird - auch bei Zugeständnissen in der Einwanderungspolitik. Am Montag beginnt in Brüssel die erste Brexit-Verhandlungswoche.

Verhandlungsführer Davis vertritt den Standpunkt, Großbritannien müsse nach Ablauf der zweijährigen Brexit-Verhandlungsfrist im März 2019 die EU vollständig verlassen. "Ganz klar: Die EU zu verlassen bedeutet, auch die Zollunion zu verlassen", hatte Davis im Juni gesagt.

beb/Reuters



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