Nach Brexit Britische Regierung verspricht Steuersenkungen für 32 Millionen Bürger

Großbritanniens Schatzkanzler will den Bürgern den Brexit mit weitreichenden Steuergeschenken versüßen. Profitieren würden allerdings vor allem: die Besserverdiener.

Schatzkanzler Philip Hammond (2017)
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Schatzkanzler Philip Hammond (2017)


Der britische Finanzminister hat angekündigt, 2019 die Einkommensteuer für Dutzende Millionen Briten zu senken. Er wolle auf diese Weise die heimische Wirtschaft kurz nach dem Brexit stützen, sagte Philip Hammond am Montagnachmittag bei der Vorstellung seines Haushaltsplans für das kommende Fiskaljahr.

"Die harte Arbeit der britischen Bürger macht sich durch hartes Cash in ihren Taschen bezahlt", sagte Hammond nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Die Steuererleichterung werde rund "32 Millionen Menschen betreffen", das würde ungefähr der Zahl aller Erwerbstätigen entsprechen. Jeder von ihnen soll im Schnitt rund 130 Pfund, umgerechnet rund 146 Euro, sparen.

  • Um dies zu erreichen, will Hammond die Untergrenze, ab der Einkommensteuer gezahlt werden muss, im April kommenden Jahres von derzeit 11.850 auf dann 12.500 Pfund anheben.
  • Gleichzeitig soll die Untergrenze für einen Einkommensteuersatz von 40 Prozent von 46.350 auf 50.000 Pfund angehoben werden.
  • Kleineren Geschäften versprach Hammond ebenfalls Steuererleichterungen von insgesamt gut 900 Millionen Pfund pro Jahr.

Nach Angaben der BBC profitieren vor allem höhere Einkommensklassen von Hammonds Steuerplänen.

Hammond kündigte zudem an, die Gelder zur Finanzierung des Brexits um eine halbe Milliarde Pfund auf 4,2 Milliarden Pfund aufzustocken. 20,5 Milliarden sollen in den kommenden fünf Jahren in den staatlichen Gesundheitsdienst fließen. Für 420 Millionen Pfund sollen Schlaglöcher in kleineren Straßen ausgebessert werden. Die "Ära des Sparkurses" habe bald ein Ende, sagte der Schatzkanzler.

Gegenfinanzieren will Hammond seine Steuergeschenke unter anderem mit einer neuen Digitalabgabe für Internetkonzerne (Details hier). Diese soll ab 2020 auf Umsätze erhoben werden, die ausländische Konzerne auf britischem Boden erzielen. Sie soll nur Unternehmen mit einem jährlichen globalen Umsatz von mindestens 500 Millionen Pfund treffen. Er rechne mit Einnahmen von rund 400 Millionen Pfund pro Jahr, sagte Hammond.

Steuergeschenke nur bei Einigung mit Brüssel

Zusätzliche Einnahmen soll ein stärkeres Wirtschaftswachstum einbringen. 2019 werde das Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich um 1,6 Prozent zulegen, sagte Hammond. Vor sieben Monaten war die britische Regierung noch von einem Wachstum um 1,3 Prozent ausgegangen.

Großbritannien will am 29. März 2019 aus der Europäischen Union ausscheiden. Um die Folgen des Brexits abzufedern, zieht die britische Regierung versprochene Steuererleichterungen um gut ein Jahr vor.

Noch ist unklar, ob sich Brüssel und London vertraglich auf eine Fortführung enger Wirtschaftsbeziehungen einigen können oder ob es einen harten Bruch geben wird. Ein solcher dürfte die britische Wirtschaft nach Meinung vieler Experten schwer belasten. Hammond betonte, dass seine Steuerpläne nur für den Fall einer Einigung zwischen London und Brüssel gelten.

ssu



insgesamt 129 Beiträge
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Objectives 30.10.2018
1. Ja blöd, ne SPON
Die "Besserverdienenden" zahlen in der Regel halt auch mehr Steuern. Wer ein bisschen im Mathematikunterricht aufgepasst hätte, wüsste dann, dass sie bei einer gleiche relativen Entlastung, absolut mehr sparen.
zauberschlumpf 30.10.2018
2. Oppositionsgerede
Da hat der Herr Schatzkanzler ja tief in die Trickkiste gegriffen. Steuergeschenke wenn es einen Deal gibt zwischen UK und Brüssel. Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge, wird es keinen Deal geben. Und damit dann auch keine Steuergeschenke. Das weiß Herr Hammond auch. So kann er unbeschwert in die Orgeltasten der Opposition hauen, sich der Beliebtheit der Briten sicher sein ohne jemals Zahlungen auslösen zu müssen. Tja und sobald das offenbar wird, ist selbstverständlich die EU schuld. Wie praktisch!
as@hbx.de 30.10.2018
3. Verstehe ich das richtig?
Wenn sich EU und GB auf einen Vertrag einigen, dann gibt es Steuergeschenke, ansonsten nicht? Da das Scheitern der Verhandlungen sehr wahrscheinlich ist, kann der Schatzkanzler den Briten eine Mohrrübe vor die Nase halten: *Ja, wenn die pöse EU mitgespielt hätte... Aber so... Da seht Ihr mal, Ihr hättet mehr Geld in der Tasche. Aber die pöse EU gönnt Euch nicht einmal das...*
Wurzelbär0815 30.10.2018
4.
Nach meiner Auffassung wird GB mittel- und langfristig vom Verlassen der EU profitieren. Gerade Deutschland exportiert doppelt so viele Güter nach GB wie umgekehrt. Sollten die Zölle ab April die Waren deutlich verteuern, was ich nicht glaube, denn es wird wie durch ein Wunder in letzter Minute ein Deal gezaubert, könnte auch eine heimische Produktion / Anbau wieder interessant werden. Die verbleibenden Nationen werden sich über kurz oder lang mit Ihren eigenen nationalen Forderungen überwerfen. Italien macht es gerade vor.
Armin2 30.10.2018
5. Was endlich lernt der Spiegel …
… dass es klar ist, dass derjenige am meisten von Steuersenkungen profitiert, der auch am meisten zahlt? Jemand der 1000 Pfund Steuern im Jahr zahlt, wird – in absoluten Zahlen – niemals mehr rauskriegen als einer, 100.000 Pfund zahlt. Keine Ahnung, was daran so schwer ist zu kapieren.
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