Nach hartem Brexit Großbritannien erwägt angeblich Beitritt zur Nafta

Bye bye Europe - hello America? Laut einem Bericht des "Daily Telegraph" überlegen britische Minister, im Falle eines harten Brexits dem nordamerikanischen Handelsabkommen Nafta beizutreten.

Britische Premierministerin May, US-Präsident Donald Trump (Archiv)
AP

Britische Premierministerin May, US-Präsident Donald Trump (Archiv)


Großbritannien könnte einem Zeitungsbericht zufolge dem Freihandelsabkommen der Staaten Nordamerikas (Nafta) beitreten, falls nach dem Brexit kein Handelsvertrag mit der Europäischen Union zustande kommen sollte. Minister der Regierung würden diese Möglichkeit prüfen, berichtet der "Daily Telegraph".

Die Erwägung gelte für den Fall, dass die laufenden Gespräche über ein Freihandelsabkommen mit der EU scheitern sollten. Die britische Regierung peilt das Abkommen im Anschluss an den Brexit an, um die heimische Wirtschaft nach dem EU-Austritt 2019 nicht vom Rest der EU abzuschneiden.

Nafta wurde 1994 zwischen den USA, Kanada und Mexiko geschlossen. Das Freihandelsabkommen wird derzeit überarbeitet. US-Präsident Donald Trump hat mit dem Austritt aus dem Vertrag gedroht, weil er darin Nachteile für sein Land sieht.

London hat unterdessen erste Pläne für den Fall eines ungeregelten EU-Ausstiegs veröffentlicht. Sollte kein Abkommen mit der EU zustande kommen, müssten sich die Handelsbeziehungen zunächst nach den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) richten, heißt es in einem Positionspapier.

Um lange Staus besonders an den Fährhäfen zu verhindern, wolle London Zollkontrollen für Waren aus der EU im Hinterland abwickeln. London will sich damit für ein Scheitern der festgefahrenen Brexit-Gespräche rüsten, die derzeit in Brüssel in der fünften Runde fortgesetzt werden. Kommentatoren sehen hinter dem Schritt den Versuch, Druck auf die EU aufzubauen. Die Regierung in London betonte, ein EU-Austritt ohne Abkommen sei nicht das Ergebnis, das man sich wünsche. Brexit-Minister David Davis sollte am Dienstag nach Brüssel reisen, um an den Gesprächen teilzunehmen.

Unterdessen wollten Spekulationen über eine anstehende Kabinettsumbildung in London nicht abreißen. Britischen Medien zufolge erwägt die angeschlagene Premierministerin May ihre Position durch eine Rochade im Kabinett zu festigen. Im Zentrum der Spekulationen steht Außenminister Boris Johnson, der die Regierungschefin in den vergangenen Wochen mehrfach düpiert hatte. Er könnte auf einen anderen Posten im Kabinett versetzt werden, heißt es.

beb/Reuters



insgesamt 104 Beiträge
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GueMue 10.10.2017
1. Mein Gott UK!
Jetzt soll die NAFTA helfen in der man England wirklich nicht braucht. Es ist wohl so, dass die Tories massiv ueberfordert sind. Seit Cameron mit dem. suendenfall bei Thatcher.
DougStamper 10.10.2017
2. Bis es soweit ist
gibt es nafta in der Form nicht mehr. Ohne die USA ist nafta nahezu wertlos. Daher eignet sich diese Drohung nicht als Druckmittel sondern ist eher als Beruhigungsmittel für die Bevölkerung gedacht.
Chrishan Schaf 10.10.2017
3. Angeblich und erwägt*
Etwas sehr schwammig für "Qualitätsjournalismus". Auf Deutsch: Sie wissen nichts und nuckeln nur an ihren Fingern. Darüber hinaus ist Naphta und ähnliches (auch EU) unerheblich, da der Welthandel besser nach den regeln der WTO läuft und es keine separaten Handelsorganisationen braucht. Das ist nur die übliche Wichtigtuerei, damit einige Politiker sich wieder einmal in die Kamera schmeissen können und die Journalisten was mit wichtiger Miene sagen, resp. schrieben können. * Sie sind doch überhaupt nicht ins Geschehen involviert und wissen nicht im Geringsten, was läuft.
Advo67 10.10.2017
4. Oh je!
Die Menschen in UK können einem bei dieser chaotischen Regierung mittlerweile wirklich leid tun. Anstatt konstruktiv an einem organisierten Brexit zu arbeiten, wird nun auf NAFTA geschielt, das beim POTUS bereits in Ungnade gefallen ist. Tolle Strategie. Die Verzweiflung in der Regierung muss ziemlich groß sein. Wie schade für dieses großartige Land.
quovadis1953 10.10.2017
5.
Die Engländer in Europa können nicht mehr Empire spielen. EU hat bestimmte Regeln und "Empire" will sie nicht folgen. Es sollen auch Regeln geben, die solche Austritte je nach Regierungswechsel oder nach einem Referendum nicht erlauben, sonst EU ist ein Nichts.
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