Regierungsstudie zum Brexit Egal wie es kommt - die britische Wirtschaft verliert

Wie hart trifft der Brexit die britische Wirtschaft? Eine interne Analyse der Regierung in London stellt drei Szenarien auf - keines davon würde einen EU-Ausstieg ökonomisch rechtfertigen.

London
AP

London


Die britische Regierung rechnet offenbar selbst mit einem verminderten Wirtschaftswachstum nach dem Austritt aus der EU. Laut einem internen Bericht des Brexit-Ministeriums, aus dem die Nachrichtenseite "BuzzFeed" zitiert, führen alle untersuchten Ausstiegsszenarien zu einem negativen Ergebnis für die britische Volkswirtschaft.

Die Studie "EU Exit Analysis" stammt aus dem Januar 2018 und untersucht drei der wahrscheinlichsten Brexit-Szenarien. Das Ergebnis ist für die Briten erschreckend: Jedes der drei Szenarien würde einen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten.

  • Ein Szenario geht davon aus, dass Großbritannien im Europäischen Wirtschaftsraum bleibt und so weiterhin Zugang zum europäischen Binnenmarkt behält - was im Moment nicht sehr wahrscheinlich ist. Doch selbst bei diesem weichen Brexit würde das Wirtschaftswachstum demnach in den kommenden 15 Jahren um zwei Prozent unter den aktuellen Vorhersagen liegen.
  • Ein weiteres Szenario geht davon aus, dass Großbritannien zwar keinen Zugang zum Binnenmarkt mehr hat, es der Regierung aber zumindest gelingt, ein umfassenden Freihandelsabkommen mit der EU zu verhandeln. In diesem Fall werde das Wachstum in den kommenden 15 Jahren fünf Prozent niedriger ausfallen.
  • Das dritte Szenario ist das härteste: Sollte kein Abkommen mit der EU zustande kommen, würde sich das Wachstum in Großbritannien um acht Prozent verringern.

Nun wird in der britischen Öffentlichkeit hart um die Deutung des internen Papiers gerungen. Ein Regierungssprecher sagte, das Papier sei nur ein Anfangsentwurf, der von der Regierung noch nicht gebilligt worden sei. Er befasse sich nicht mit der besonderen Partnerschaft, die die Regierung mit der EU anstrebe.

May weiter unter Druck

Chris Leslie, Abgeordneter der oppositionellen Labour-Partei sowie Mitglied der proeuropäischen "Open Britain"-Gruppe, forderte die Veröffentlichung des vollständigen Berichts. Die Öffentlichkeit solle sehen können, "was für Auswirkungen der Brexit haben wird", sagte Leslie.

Auch aus Schottland kam Kritik. "Die eigene Analyse der britischen Regierung macht deutlich, dass das Verlassen der EU unter allen Umständen der Wirtschaft jeder Nation und jeder Region des Vereinigten Königreichs schaden wird", sagte die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon.

Die Veröffentlichung des Berichts setzt Premierministerin Theresa May weiter unter Druck. Am Mittwoch will May zusammen mit einer britischen Wirtschaftsdelegation China besuchen. Zeitgleich beginnt das britische Oberhaus seine Prüfung des EU-Austrittsgesetzes, eines der Grundpfeiler der Brexit-Gesetzgebung.

stk/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.