Brexit Moody's stuft Großbritannien nach May-Rede herab

Die US-Ratingagentur Moody's hat kurz nach Theresa Mays Brexit-Rede die Kreditwürdigkeit Großbritanniens nach unten korrigiert. Die Aussicht für die Staatsfinanzen habe sich "erheblich verschlechtert".

Theresa May am Freitag in Florenz
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Theresa May am Freitag in Florenz


Die Brexit-Rede von Premierministerin Theresa May enttäuscht nicht nur die EU - sondern auch die Ratingagentur Moody's. Die Analysten haben wenige Stunden nach der Rede in Florenz ihre Einschätzung der Kreditwürdigkeit Großbritanniens nach unten korrigiert.

Das Rating werde von "Aa1" auf "Aa2" gesenkt, teilte Moody's mit. Die Aussicht für die Staatsfinanzen habe sich "erheblich verschlechtert", hieß es zur Begründung. Es seien steigende Schulden zu erwarten, und der Erfolg von Konsolidierungsbemühungen sei fraglich. Die Probleme würden durch eine wahrscheinliche wirtschaftliche Abschwächung auf mittlere Sicht infolge des Austritts aus der Europäischen Union verschärft.

Die britische Regierung erklärte, dass Moody's Einschätzung auf veralteten Daten basiere.

Der Ausblick für das Rating sei aber "stabil", hieß es von den Bonitätswächtern. Eine weitere Verschlechterung der Bonitätseinschätzung droht damit zunächst nicht. Auch nach der Abstufung gilt Großbritannien weiterhin als geeignet für eine sichere Geldanlage.

Anleger an den Finanzmärkten zeigten sich nach Mays Brexit-Rede enttäuscht, da sie nicht viel Neues gebracht habe. Bereits im Laufe des Freitags war das britische Pfund daher unter Druck gewesen. Nach der Ratingabstufung fiel es noch einmal deutlich um ein halbes Prozent. Auch im Verhältnis zum Euro gab das Pfund deutlich nach.

May hatte am Freitag in Florenz gesagt, dass sie das Vereinigte Königreich schrittweise aus der Europäischen Union führen wolle. Das Land werde wie geplant im März 2019 seine EU-Mitgliedschaft beenden. Doch danach sei eine Periode des Übergangs von etwa zwei Jahren nötig. In dieser Zeit solle es Großbritannien und der EU weiter möglich sein, ohne Hürden Handel zu treiben.

syd/dpa/Reuters



insgesamt 55 Beiträge
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hellocapetown 23.09.2017
1. So so, da geht ja dann jetzt ...
... die Angleichung an den Euro endlich los. Im "letzten Moment" wird sich dann nämlich herausstellen dass die Brexit Volksabstimmung ja eigentlich mit einer Zweidrittelmehrheit gewonnen hätte werden müssen. Aus Brexit wird nix. Alles nur Kasperletheater um den Euro dort einzuführen.
box-horn 23.09.2017
2. getrieben...
Vermutlich wäre die EU geduldiger mit Großbritannien,wenn es nicht seit Anbeginn Rosinenpickerei betrieben hätte, und die Geduld der anderen Mitglieder strapaziert (oft zu Recht) und das rächt sich nun. Weder May noch sonst irgendwer mit Verstand auf der Insel will den Brexit wirklich. Sie haben längst begriffen, dass die EU ohne GB kann, aber umgekehrt gilt das nicht, das begreift allmählich auch der letzte Good ol' England-Inselträumer. Nun aber treibt die EU sie vor sich her, und sie können nichts mehr dagegen machen. GB ist jetzt schon ein armes Land - jenseits der Finanzwirtschaft - und das wird sich mangels produzierendem Gewerbe gewiss nicht verbessern.
opinio... 23.09.2017
3. Rating Agencies
Denen hätte man schon lang den Garaus machen sollen, auch wenn wie in diesem Fall die Einstufung passt. Die Briten sollten nach den Erfahrungen einfach mal neu abstimmen. Das würde Vieles erleichtern und die Akzeptanz in der EU verbessern!
dirk.resuehr 23.09.2017
4. Mutter Courage
hat am Ende alles verloren inkl. ihrer idealistischen Kinder, nur der Krieg geht weiter. Sie ist wahrlich stable, nur strong ist sie nicht. Was ist das? Brexit hurra, aber am St. Nimmerleinstag? Anmgst vor den Folgen macht sich breit, auch in GB ist die Wirtschaft der Gaul, der den Karren zieht. Das wird nichts mit dem großartigen Brexit.
wutbü 23.09.2017
5. Brexit
Spätestens jetzt sollten doch mal die Briten über eine neue Abstimmung nachdenken. In Deutschland ist eine zweidritttel Mehrheit im Bundestag notwendig nur um einen Paragrafen im Grundgesetz zu ändern (was ich unbedingt für richtig halte) aber in Grossbritannien reicht eine knappe Mehrheit für eine für das Land solch weitreichende Massnahme ...!!
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