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Anleger fürchten Brexit: Britisches Pfund fällt auf tiefsten Stand seit 2009

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REUTERS

Premier Cameron: Er will den Brexit verhindern

Die Kampagne für Großbritanniens Ausstieg aus der EU hat begonnen - das Ausland reagiert erschrocken. Anleger treiben das Pfund in die Tiefe, auch Europol schlägt Alarm.

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Am Samstag hatte Premier David Cameron das Datum verkündet: Am 23. Juni werden die Briten in einem Referendum über den Austritt aus der EU abstimmen. Am ersten Handelstag nach dem Wochenende zeigten die Anleger am Montag, was sie von dieser Ankündigung hielten: Nicht viel.

Das britische Pfund fiel gegenüber dem US-Dollar um 2,1 Prozent. Am frühen Nachmittag entsprach ein Pfund Sterling 1,4058 Dollar - der tiefste Stand seit März 2009. Später erholte sich die Währung wieder etwas.

Auch gegenüber dem Euro gab das Pfund nach. Der Euro wurde zuletzt mit 0,7804 Pfund notiert. In der Nacht hatte er noch 0,7767 Pfund gekostet.

Im Falle eines Brexits könnte die britische Währung sogar 15 bis 20 Prozent einbrechen, weil ausländische Investoren reihenweise die Flucht ergreifen könnten, prophezeiten jüngst die Analysten der US-Großbank Goldman Sachs.

Die Agentur Moody's warnte zuletzt, das britische Rating könnte bei einer Abstimmung pro Brexit mit einem negativen Ausblick versehen werden, was eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes wahrscheinlicher machen und damit auch die Schuldenaufnahme verteuern würde. Bislang bewertet Moody's die Bonität mit Aa1, die Ratingagentur S&P sogar mit dem Spitzenwert AAA.

Die Unsicherheit an den Märkten wurde noch dadurch verstärkt, dass der Londoner Bürgermeister Boris Johnson ankündigte, für den britischen EU-Ausstieg, den Brexit, werben zu wollen. Der Tory ist einer der beliebtesten Politiker des Landes und gilt als ernst zu nehmender Widersacher von Premier Cameron, der für den Verbleib Großbritanniens in der EU kämpfen will.

In einer Unterhaus-Debatte warnte Cameron am Montag vor einem Austritt. "Europa zu verlassen würde unsere ökonomische und nationale Sicherheit bedrohen", sagte der Premier.

Europol warnt vor Sicherheitslücke

Nicht nur die Anleger macht die Aussicht auf einen Brexit nervös. Die europäische Polizeibehörde Europol warnte die Briten am Montag vor negativen Folgen für die Sicherheit des Landes. Die britische Polizei sei im Kampf gegen Terrorismus und internationales organisiertes Verbrechen auf die Zusammenarbeit in der EU angewiesen, sagte Europol-Direktor Rob Wainwright in Den Haag. "Wenn man das wegnimmt, dann entsteht eine große Sicherheitslücke."

Die britische Polizei habe in den vergangenen 40 Jahren bei der europäischen Kooperation eine führende Rolle gespielt, sagte Wainwright. "Ohne diese Infrastruktur wird es schwerer, die britischen Bürger gegen Terrorismus und organisiertes Verbrechen zu schützen."

Bei einem Brexit - also einem Austritt aus der Union - würde auch die britische Mitgliedschaft bei Europol enden. Wainwright stammt aus Großbritannien. Sein Vertrag ist allerdings unabhängig von der Mitgliedschaft seines Heimatlandes.

EU-Kommission will sich nicht einmischen

Die EU-Kommission hat derweil erklärt, sie wolle sich nicht in die Auseinandersetzungen über den Verbleib Großbritanniens in der EU einschalten. Die Kommission werde sich an dieser Kampagne nicht beteiligen, sagte Kommissionssprecher Margaritis Schinas in Brüssel. Die Rolle der EU-Kommission als "Vermittler" zwischen der britischen Regierung und den 27 Partnern in der EU sei mit dem Kompromiss beim EU-Gipfel in der vergangenen Woche abgeschlossen, sagte Schinas. Die eigentliche Wahlkampagne über die Frage des EU-Austritts oder -Verbleibs sei eine Sache, die "nur das britische Volk" betreffe.

Eine von der Zeitung "Mail on Sunday" veröffentlichte Umfrage ergab, dass 48 Prozent der Befragten gegen einen Brexit sind und nur 33 Prozent dafür. Allerdings zeigten sich 19 Prozent noch unentschieden - um ihre Stimmen werden beide Lager werben.


Zusammengefasst: Am 23. Juni stimmen die Briten über den Verbleib in der EU ab. Ein möglicher Brexit sorgt bei Anlegern für Alarm, das Pfund fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit 2009. Bei einem EU-Austritt würde Großbritannien auch seine Mitgliedschaft bei Europol verlieren - die Polizeibehörde warnt vor Sicherheitslücken.

anr/dpa/Reuters/AFP

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1. Die stolzen Briten
dirk1962 22.02.2016
...scheinen sich verkalkuliert zu haben. Die Frage, ob es dem Land außerhalb der EU besser geht, scheinen die Anleger bereits beantwortet zu haben. Ich denke, wenn es zum Brexit kommen sollte, werden die Briten ein wirtschaftliches Waterloo erleben.
2. Warum die Aufregung?
bligen 22.02.2016
Nach China und Russland, zwar immer noch im Visir, kommt jetzt halt mal GB dran. Wir wollen ja Spekulanten, egal ob es ganzen Ländern schadet. Hauptsache 2-3 werden richtig reich. Und nicht verzagen, auch D kommt noch dran und wir können stolz drauf sein, den paar Hedgefondmanagern die Millionenyacht finanziert zu haben.
3. Oh oh - geht schon los.
bstendig 22.02.2016
Soll den Briten wieder richtig Angst gemacht werden. Hat denn die britische Polizei vor deren Beitritt zur EU nicht mit anderen Polizeibehörden zusammen gearbeitet? Oder sagen dann die verbleibenden EU-Länder "ihr dürft nicht mehr mitspielen.."? Das wäre schäbig und billig. Aber der EU durchaus zuzutrauen.
4. Schengen...
Dumme Fragen 22.02.2016
Frankreich sollten Schengen für UK aufheben und jeden Touristen stundenlang "schikanieren", also mal ganz genau überprüfen. Genauso überall sonst in der EU - Bürger aus UK sollten einfach sich schon mal dran gewöhnen, nicht mehr durch den Ausgang "EU-Bürger" zu gehen, sondern durch den anderen... Ach, die verreisen eh nicht? Auch nicht auf die Inseln im Mittelmeer, wo es warm ist? Super - dann bleiben mehr Liegen für unsere Handtücher übrig ;-)
5. So what?!
geriweibel 22.02.2016
So unaufgeregt wie die europäische Politik die britischen Ausstiegsanwandlungen behandelt,scheint es für die EU weniger schlimm zu sein die Briten zu verlieren.Bei einem Brexit bliebe der EU auch eine Rettung der britischen Bankenmonster bei der nächsten Finanzkrise erspart.Also tschö Tommies!Meinen Segen habt ihr.
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