Philip Hammond Britischer Minister bezeichnet EU als Feind

London rüstet im Brexit-Streit verbal auf. Finanzminister Philip Hammond spricht von "dem Feind" in Brüssel. Später entschuldigt er sich.

Finanzminister Philip Hammond
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Großbritanniens Finanzminister Philip Hammond verschärft den Ton im Streit mit der Europäischen Union. In einem TV-Interview bezeichnete Hammond die EU als "den Feind".

Hintergrund sind die schleppenden Brexit-Verhandlungen mit Brüssel - und innerparteiliche Anfeindungen gegen den Finanzminister. Hammond hat in Großbritannien derzeit keinen leichten Stand. Die Befürworter eines Brexit halten ihm vor, beim Referendum 2016 für einen Verbleib Großbritanniens innerhalb der EU gestimmt zu haben.

Inzwischen ist Hammond eine der wichtigsten Stimmen des gemäßigten Flügels der Konservativen, die für einen weichen Brexit plädieren und für eine Übergangsphase im Verhältnis zur EU. Er argumentiert, ein harter Brexit werde wirtschaftliche Erschütterungen zur Folge haben. Konservative Medien werfen Hammond deshalb "Verrat" vor.

Wohl auch vor diesem Hintergrund ist der bedrängte Minister in die Offensive gegangen. Er appellierte an die Geschlossenheit der Konservativen - und bezeichnete die EU als "den Feind". Wörtlich sagte Hammond: "Der Feind, die Gegner, das sind die da drüben auf der anderen Seite des Tischs."

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Im übrigen sei er dem Brexit "völlig verpflichtet". Allerdings vermied es Hammond, auf die Frage zu antworten, wie er bei einem hypothetischen zweiten Referendum abstimmen würde.

Wenig später ruderte Hammond allerdings schon wieder zurück. Auf Twitter entschuldigte sich der Minister für die "schlechte Wortwahl" - und ließ wissen, er wolle "mit unseren Freunden und Partnern in der EU an einem für beide Seiten vorteilhaften Deal" arbeiten.

beb



insgesamt 89 Beiträge
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theodtiger 13.10.2017
1. Irrationalität und Chaos
Dieser Vorfall zeigt, wie chaotisch und irrational die politische Debatte in GB im Hinblick auf die EU und den Brexit läuft. Richtig zugehörig hat sich GB wohl nie zur EU gefühlt. Denn man war ja an kaum mehr interessiert als an einer neoliberalen Wirtschaftsordnung (mit möglichst wenig internationalen Arbeitnehmerrechten) und dem Binnenmarkt. Diese Wortwahl läßt nichts Gutes für die zukünftigen Beziehungen GB - EU erahnen, obwohl GB auf wirtschaftlichen Austausch mit der EU angewiesen ist. Die EU hat noch ihren funktionierenden Binnenmarkt der 27 Länder sowie sehr viele Handelsabkommen mit Drittländern und kann den Brexit daher viel besser verkraften.
Murmeltier 13.10.2017
2. Gemäßigt?
Wenn eine solche Kriegsrhetorik schon von den angeblich Gemäßigten kommt, will ich lieber gar nicht erst wissen, was man in UK wirklich denkt und vorhat. Wie schnell das bisschen Tünche von "Partnerschaft" und "wir wollen beste Freunde bleiben" doch abfällt. Und wie froh ich bin, noch im vernünftigeren Teil von Europa zu leben.
GoaSkin 13.10.2017
3. der britische Amerika-Komplex
Die Briten möchten aus der EU raus und liebäugeln damit, NAFTA-Mitglied zu werden; obwohl Donald Trump offenkundig überhaupt nichts von diesem Freihandelsabkommen hält und sogar Unternehmen dafür bestrafen möchte, in Mexiko zu produzieren. Der politischen Realität nach sollte NAFTA für niemanden attraktiv sein; dennoch wollen die Briten dahin. Die Briten sind stolz auf Amerika, halten dieses Land für vorbildlich und fortschrittlich und sind neidisch zu gleich. Warum eigentlich? Die USA und ihre Mitgliedsstaaten waren vor ihrer erkämpften Unabhängigkeit vor allem eine britische Kolonie. In den Köpfen der Briten war es ihr Kind, dass sich über die Jahrhunderte hinweg zu einer Weltmacht gemausert hat und sehen das als einen der größten Erfolge in ihrer eigenen Geschichte. Man fühlt sich sehr zu dem Kind, auf das man stolz sein kann, hingezogen. In Europa hingegen ist Grossbritannien zwar ein Land, das vergleichsweise gut dasteht, aber noch nie eine führende Nation gewesen.
Atheist_Crusader 13.10.2017
4.
Das war doch früher oder später unvermeidlich. Das britische Empire wurde ja auch nicht mit Verhandlungen errichtet, sondern mit Krieg, Betrug, Unterdrückung, Spaltung und Aufhetzung. Da ist es nur logisch, wenn man das neue Britannien mit ähnlichen Mitteln aufzuabuen versucht. Speziell wenn man am Verhandlungstisch nicht viel zu bieten hat. Hammond mag zurückgerudert sein, aber er war nicht der Erste der solche Töne von sich gegeben hat. Nur der erste bei dem es aufgefallen ist. Ähnliche Töne werden wohl auch in Zukunft folgen.
kuac 13.10.2017
5.
Das ist eine typische Strategie der Rechten. Erstmal die Grenze überschreiten und dann zurückziehen. Hauptsache, die Abgehängten haben es mitbekommen.
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