Referendum im Juni Britische Regierung hofft auf Hilfe der G20 im Brexit-Wahlkampf

Die wichtigsten Industriestaaten mögen sich bitte gegen ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU aussprechen - darum bittet Finanzminister Osborne. An den Finanzmärkten hat der drohende Brexit bereits Folgen.

Britischer Finanzminister Osborne: Chinesen sind besorgt
REUTERS

Britischer Finanzminister Osborne: Chinesen sind besorgt


Die britische Regierung nimmt die Gefahr eines Ja zum Ausscheiden Großbritanniens aus der EU offenbar sehr ernst: Laut einem Bericht der "Financial Times" (FT) drängt Finanzminister George Osborne die wichtigsten Industriestaaten, sich mit Nachdruck gegen einen Brexit auszusprechen.

Laut dem FT-Bericht sagte Osborne, er hoffe, die Unterstützung der G20 für Großbritanniens Verbleib in der EU werde ein zentrales Ergebnis des Treffens der Finanzminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländergruppe sein. Die Zeitung beruft sich auf mehrere Personen im engen Umfeld Osbornes. Einen offiziellen Kommentar lehnte das britische Finanzministerium ab.

Offenbar wird das Brexit-Szenario außerhalb Großbritanniens als reale Gefahr gesehen. Die FT berichtet, chinesische Offizielle hätten sich in bilateralen Gesprächen besorgt gezeigt über die Aussicht, dass Großbritannien die EU verlassen könnte.

Auch Regierungsmitglieder anderer Nationen hätten das Thema in Gesprächen mit Osborne aufgebracht, sagte ein G20-Offizieller der Nachrichtenagentur Reuters. "Wenn sie besorgt sind, könnte das Thema in der Abschlusserklärung landen. Das wäre aber ungewöhnlich. Die Briten haben das Thema nicht auf die Agenda gebracht."

Der drohende Brexit hat bereits jetzt Auswirkungen auf die Finanzmärkte: Das Pfund hat in den vergangenen Wochen stark an Wert verloren. Einige Ökonomen befürchten, ein Ja im Referendum am 23. Juni könnte die ohnehin angeschlagene Weltwirtschaft in eine tiefere Krise stürzen - auch weil der Zusammenhalt der gesamten EU gefährdet sein könnte.

ade/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mantrid 26.02.2016
1. Wenn ihr geht, dann ganz
Hier muss die EU klar Farbe bekennen. Bei einem Brexit dann auch keine Sondervereinbarungen mit den Briten treffen. Sie stehen dann z.B. zollrechtlich auf einer Stufe mit Nauru oder Costa Rica. Vereinbarungen nur, wenn es der EU echte Vorteile bringt.
frankfurtbeat 26.02.2016
2. nobody ...
nobody is really interested to hold GB in the EU except our representatives ... England ist wirtschaftlich bis auf London mehr wie uninteressant, ökonomisch so ziemlich am Boden und zukünftig eher Nehmer als Geber. Zusammen mit den USA stellen sie die Kriegstreiber dar - die restlichen europäischen Pappnasen laufen dem Kingdom hinter her. England möchte letztendlich eine Sonderstellung erzielen - allein das geht schon gar nicht in einer Gemeinschaft. Persönlich bin ich für den Brexit - wer braucht die ehemaligen Kolonialherren noch - die Geschichte vom großen starken England ist bereits geschrieben.
Zaunsfeld 26.02.2016
3.
Ich hoffe ja, dass die Briten austreten. Das würde der EU als ganzes mittel- und langfristig mehr nutzen als schaden. Was wird denn passieren? GB tritt aus ---> Das Pfund stürzt ab, die britische Finanzwirtschaft bricht zusammen ohne freien Zugriff auf den Binnen-Markt der EU, das letzte bisschen britische Realwirtschaft bricht zusammen ohne freien bzw. zollfreien Zutritt zum EU-Binnenmarkt. ---> Die britische Notenbank wird die Druckerpresse anwerfen, was die britische Inflation ins Unerträgliche steigern wird. ---> Irgendwann in diesem Prozess werden die Schotten sich von GB lossagen, weil sie nicht zusammen mit den Engländern untergehen wollen und weil sie lieber Teil der EU bleiben wollen. Der Absturz Großbritanniens/Englands nach einem Austritt wird ein heilsames Beispiel sein für alle sonstigen EU-Staaten, die mit dem Gedanken spielen, aus der EU auszutreten, um es der bösen EU mal so richtig dolle zu zeigen, ohne jedoch die wirtschaftlichen Konsequenzen zu bedenken. Ein Austritt GBs und das Beobachten seines darauf folgenden wirtschaftlichen Absturzes wird die EU mittel- und langfristig also enger zusammenbinden, als es ein Verbleiben der Briten in der EU tun könnte. Conclusio: Raus mit den Briten! Lasst sie ziehen und uns dann beobachten, was mit ihnen nach dem Austritt passiert!
heindeburk 26.02.2016
4. Camerons durchsichtiger Schlingerkurs
Wer den Anti-EU-Wind im eigenen Land gesät oder zumindest befördert hat, darf jetzt nicht jammern. Wann hat sich die Regierung Cameron konstruktiv für Europa eingesetzt? Ihr Schlingerkurs rächt sich nun
funnymoney 26.02.2016
5. Zusammenhalt...
...Europas? Welcher Zusammenhalt?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.