Regierungsstudie Brexit würde 500.000 Jobs in Großbritannien vernichten

Der britische Finanzminister warnt vor einem EU-Austritt Großbritanniens. Einer Studie zufolge wären Inflation, Arbeitslosigkeit und Handelsbarrieren die Folgen eines Brexit.

Skyline von London
AFP

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Die Prognose ist düster: Der Brexit würde Großbritannien in eine lange Rezession stürzen und die Wirtschaft 500.000 Jobs kosten. Das ist die Botschaft des britischen Premierministers David Cameron und seines Finanzministers George Osborne, die eine Studie zu den Folgen des Brexits für die britische Wirtschaft vorstellten. In einem Monat stimmen die Briten über den Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union ab.

"Es wäre eine hausgemachte Rezession", sagte Cameron. Tritt Großbritannien aus, würde man all die Bemühungen gefährden, die das Land nach der Finanzkrise unternommen hatte. Die Entscheidung für einen Brexit würde einen "sofortigen und heftigen Schock" für die britische Wirtschaft hervorrufen, sagte Finanzminister George Osborne.

Die Analyse des britischen Finanzministeriums zu den kurzfristigen Folgen des EU-Austritts zeichnet ein pessimistisches Bild: Innerhalb von zwei Jahren nach dem Brexit würden in Großbritannien mindestens eine halbe Million Jobs wegfallen. Das Britische Pfund würde abwerten, Inflation befördern und die Reallöhne der Briten wären nach dem Austritt um fast drei Prozent niedriger.

Zwei mögliche Schockszenarien

Nach den Berechnungen könnte es im Falle eines Brexit zwei Szenarien geben - ein "Schockszenario" mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,6 Prozent gegenüber den bisherigen Annahmen. Hier würde der Wert des Pfunds um zwölf Prozent zurückgehen und die Arbeitslosigkeit um rund eine halbe Million steigen. Darüber hinaus zeichnen die Experten ein "Szenario mit heftigem Schock", bei dem die Wirtschaftsleistung um sechs Prozent einbricht. Dabei würden rund 800.000 Arbeitsplätze wegfallen und das Pfund würde 15 Prozent an Wert verlieren.

Auch der britische EU-Finanzkommissar Jonathan Hill warnte vor den negativen Folgen für Großbritanniens Wirtschaft im Falle eines Austritts. "Sollte Großbritannien austreten, werden Handelsbarrieren auf uns zukommen und das wird der britischen Wirtschaft, dem Arbeitsmarkt und dem Wachstum schaden", sagte Hill.

Brexit-Befürworter werfen dem Finanzministerium vor, immer wieder fehlerhafte Analysen vorzulegen und nicht auf negative Aspekte beim Verbleib Großbritanniens in der EU einzugehen, beispielsweise wegen der Eurokrise. "Der Bericht ist kategorisch voreingenommen", sagte Iain Duncan Smith, bis März Arbeitsminister in Camerons konservativem Kabinett.

Aktuelle Umfragen zeigen, dass die Briten sich bei der Abstimmung am 23. Juni eher gegen einen Brexit aussprechen werden: Eine Umfrage des Instituts Opinium für die Zeitung "Observer" geht aktuell von 44 Prozent für die EU-Befürworter aus, 40 Prozent sind dagegen für den Brexit.

kpa/Reuters

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