IMK-Studie Brexit-Votum kostet deutsche Wirtschaft halbes Prozent Wachstum

Wie wirkt sich das Brexit-Votum auf die deutsche Wirtschaft aus? 2017 werden die Folgen einer Prognose des IMK zufolge hierzulande deutlich spürbar sein: weniger Wachstum, höhere Arbeitslosigkeit.

Windkraftanlagenbau bei Nordex
DPA

Windkraftanlagenbau bei Nordex


Erstmals hat ein Wirtschaftsinstitut die Folgen des Brexit-Votums auf die deutsche Wirtschaft konkret untersucht. Das Brexit-Votum dürfte demnach die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr ein halbes Prozent Wachstum kosten. Das geht aus der aktuellen Konjunkturprognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Die Schwächung der Volkswirtschaft schlage sich im kommenden Jahr auch in steigenden Arbeitslosenzahlen nieder. Die Arbeitslosigkeit werde knapp über der Drei-Millionen-Marke liegen, schreiben die Autoren der Studie.

Im Vergleich zum April hat das IMK seine Wachstumsprognose für dieses Jahr damit um 0,1 Prozentpunkte erhöht und zugleich für 2017 um 0,2 Prozentpunkte reduziert. Ohne Brexit-Votum hätte das Institut die Vorhersage für 2016 sogar um 0,2 und für das kommende Jahr um 0,3 Prozentpunkte erhöht.

"Auswirkungen schmerzlich genug"

Auch auf den deutschen Arbeitsmarkt wirkt sich die Eintrübung nach Einschätzung des IMK in diesem Jahr geringfügig, 2017 dann aber spürbar aus. Trotz Zuwanderung sinke die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2016 noch einmal leicht um 60.000 Menschen, errechneten die Forscher. 2017 werden demnach 290.000 Menschen mehr als derzeit ohne Job sein. Dem IMK zufolge dürfte die Arbeitslosenzahl dann im Jahresdurchschnitt wieder knapp über drei Millionen liegen.

"Die kurzfristigen Auswirkungen des Brexit sind in Deutschland nicht katastrophal, aber doch schmerzlich genug", sagt Gustav A. Horn, wissenschaftlicher Direktor des IMK. "Die deutlich gewachsene Unsicherheit trifft uns an einem ganz empfindlichen Punkt: Gerade sah es so aus als ob die Unternehmen ihre hartnäckige Zurückhaltung bei den Investitionen langsam aufgeben würden. Das dürfte sich jetzt erledigt haben."

Zurückhaltende Nachfrage aus dem Ausland

Den privaten Konsum sehen die Forscher weiterhin als Wachstumstreiber. Allerdings nehme die Dynamik 2017 ab, wenn durch einen Anstieg der Inflation auf 1,2 Prozent die Reallohnentwicklung gebremst werde. Gleichzeitig rechnen die Wissenschaftler damit, dass die Nachfrage aus dem Ausland nach deutschen Waren und Dienstleistungen verhalten bleibt - auch wenn sich im Zeichen wieder steigender Ölpreise die Lage in vielen großen Schwellenländern stabilisiere und die Konjunktur in den USA leicht an Fahrt gewinne.

"Außerdem bleibt ein relevantes Risiko, dass sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht in nächster Zeit beruhigen, sondern sich bis 2018 fortsetzen. Dann könnte das deutsche Wachstum im kommenden Jahr sogar knapp unter ein Prozent rutschen", sagt Horn. Für diesen Fall plädiert sein Institut dafür, dass der Stau bei den öffentlichen Investitionen schnell aufgelöst wird. Damit könne er auch den Unternehmensinvestitionen dringend benötigte Impulse verleihen.

msc

insgesamt 111 Beiträge
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wi_hartmann@t-online.de 29.06.2016
1. Brexit und Wachstum
In Westfalen wird diese Art der Prognostik als "Spöken- kiekerei" bezeichnet.
marthaimschnee 29.06.2016
2.
Der Not-Brexit hätte vermutlich die gleiche Wirkung, irgendwie muß man ja mal begründen, warum die Realität völlig anders aussieht, als die rosaroten Prognosen.
wecan 29.06.2016
3.
Praktisch. Nun kann man das Ansteigen der Arbeitslisenzahlen in Deutschland auf den Brexit schieben.
urbanism 29.06.2016
4. eine Studie ohne Sinn und Verstand
zu dieser Studie fällt einem nicht mehr ein. Pure Panik mache ohne Sinn und Verstand. Damit diese Studie überhaupt aussagekräftig ist, müsste der Brexit vollzogen sein. Wer sagt denn dass der Brexit in 2017 über die Bühne ist. Vielleicht dauert der Brexit auch bis 2020 so uneins wie die EU ist! Selbst wenn GB nicht in der EU ist, heißt es doch nicht dass die Wirtschaftstransfers zusammenbrechen oder will man GB genauso Sanktionieren wie Russland? Deutschland exportiert ohne Probleme massenhaft in die USA also wird man die Exporte nach GB doch auch noch hinbekommen!!
Hilfskraft 29.06.2016
5. 1/2 % weniger ???
als Zinsen kriege ich hier O %. Das hängt nicht ursächlich zusammen, interessiert mich aber viel mehr, was Draghi da leichtfertig mit uns treibt.
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