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28. April 2017, 13:37 Uhr

Nach Brexit-Votum

Wirtschaft in Großbritannien wächst deutlich schwächer

Die britische Wirtschaft hat stärker an Fahrt verloren als erwartet. Vor allem der Einzelhandel und der wichtige Dienstleistungssektor bremsen den Aufschwung.

Die Wirtschaft Großbritanniens hat zu Beginn des Jahres einen Dämpfer bekommen. Im ersten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent gewachsen, teilte das nationale Statistikamt ONS mit. Das ist der geringste Anstieg seit einem Jahr. Volkswirte hatten mit einem Wachstum um 0,4 Prozent gerechnet.

Zuvor war die britische Wirtschaft auf einem deutlich stärkeren Wachstumskurs. Im vierten Quartal 2016 hatte die Wirtschaftsleistung noch um 0,7 Prozent zum Vorquartal zugelegt.

Die Daten kommen für Premierministerin Theresa May eher ungelegen. Denn sie will sich bei vorgezogenen Wahlen Anfang Juni stärkere Rückendeckung im Parlament für die Verhandlungen zum EU-Austritt holen. Nun zeigt sich aber, dass der Brexit die Konjunktur bremsen dürfte. Finanzminister Philip Hammond sagte nach den BIP-Daten zwar, die Wirtschaft sei widerstandsfähig. Aber viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Konjunktur sich in den nächsten Monaten weiter abkühlen dürfte.

Einzelhandel schwächelt

Verantwortlich für den Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal waren vor allem ein langsameres Wachstum im wichtigen Dienstleistungssektor und dem Einzelhandel. Das Wachstum im Dienstleistungssektor ging von 0,8 Prozent im vierten Quartal 2016 auf 0,3 Prozent in den ersten drei Monaten 2017 zurück. Der Einzelhandel leidet unter der gesunkenen Konsumfreude der britischen Verbraucher.

Nach dem Volksentscheid zum EU-Austritt vom Juni 2016 war das Pfund eingebrochen. Die Währungsschwäche beflügelt zwar die Exporte, hat aber die Inflation spürbar nach oben getrieben. Die Verbraucherpreise kletterten im März auf das höchste Niveau seit September 2013 und verharrten im April bei 2,3 Prozent. Dies setzt die Kaufkraft der Briten unter Druck.

Hammond sieht Wirtschaft in guter Verfassung

Hammond spielte die Bedeutung der Zahlen herunter. Die britische Wirtschaft sei in einer guten Verfassung. "Die Beschäftigungszahlen sind auf einer Rekordhöhe und sollen weiter steigen", sagte Hammond dem Nachrichtensender Sky News.

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon machte den Kurs von Premierministerin May auf einen harten Brexit für die schlechten Zahlen verantwortlich. Sie forderte einen Verbleib des Landes im Europäischen Binnenmarkt.

brt/dpa/Reuters

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